Vom Mikrofon ins Küchenstudio

Eine Torte zum 30. Firmenjubiläum (Foto von links): Nadine, Gerhard und Anita Zimmermann. Foto: Zimmermann Küchen
Wenn Nadine Zimmermann gefragt wird, was den Generationenwechsel im eigenen Unternehmen geprägt hat, muss sie nicht lange überlegen. Ihre Antwort handelt weder von Verträgen noch von Zuständigkeiten. Sie spricht von Tempo. Darin habe die größte Herausforderung gelegen. Vater und Tochter mussten erst einmal ihre Geschwindigkeit anpassen. „Ich musste einen Gang runterschalten und mein Vater einen Gang hochfahren“, erzählt sie. „Das tut uns beiden gut.“ So wurde der Generationenwechsel zu einem erfolgreichen Prozess und das Ergebnis von sieben Jahren gemeinsamen Lernens.
Der Wendepunkt kam eher beiläufig
Dabei deutete lange nichts darauf hin, dass die heute 38-Jährige einmal Küchen verkaufen würde. Nach ihrem Studium der Fachgebiete Journalismus, Politik und Kommunikationswissenschaften arbeitete sie 13 Jahre als freie Radioredakteurin. Das Küchenstudio ihrer Eltern war zwar immer Teil ihres Lebens, beruflich führte ihr Weg jedoch in eine andere Richtung. Bis ihr Vater Gerhard sie vor sieben Jahren bat, beim Aufbau einer Internetseite zu helfen. Während sie gemeinsam an Texten und Inhalten arbeiteten, fragte sie: „Was machst du eigentlich mit dem Küchenstudio, wenn du in Rente gehst?“ Die Antwort kam spontan. „Dann muss ich den Laden hier wohl zumachen.“ „Da war für mich klar: Das kann eigentlich keine Lösung sein.“, erzählt Nadine Zimmermann von diesem Moment
Nicht ins kalte Wasser springen
Ein Schnellschuss kam für sie trotzdem nicht in Frage. Sie wollte verstehen, wie ein Küchenstudio funktioniert, bevor sie Verantwortung übernimmt. Daher absolvierte sie nebenberuflich das Betriebsmanagement Seminar von DER KREIS. „Dadurch hatte ich eine solide Grundlage für die Unternehmensführung.“ Anschließend arbeitete sie zunächst im Verkauf. Schnell stellte sie fest, dass ihr die Beratung genauso viel Freude bereitete wie zuvor die Arbeit mit Menschen beim Radio. Um auch die planerische Seite des Berufs zu beherrschen, absolvierte sie zusätzlich die Ausbildung zur Küchenfachplanerin bei Novamediatrain. „Die Kombination aus Betriebsmanagement und Fachplanung war für mich ideal.“ Dass sie dabei auf erfahrene Kolleginnen zählen konnte, war für sie ein großer Vorteil. „Jennifer Fechner und Karin Hunke sind langjährige Mitarbeiterinnen in unserem Küchenstudio. Sie haben mich von Anfang an unterstützt. Wenn ich Fragen hatte, waren und sind sie immer für mich da.“
Verantwortung wächst mit der Zeit
Heute verantwortet Nadine Zimmermann im Familienunternehmen die Koordination des Verkaufsteams, führt Konditionsgespräche mit Industriepartnern und übernimmt viele organisatorische Aufgaben. Ihr Vater kümmert sich schwerpunktmäßig um Montage und Terminplanung. Ihre Mutter, Anita Zimmermann, verantwortet den kaufmännischen Ablauf. Klare Zuständigkeiten gibt es, starre Grenzen dagegen kaum. „Wir sehen Arbeit und erledigen sie einfach.“ Natürlich habe es auch Diskussionen gegeben. „Am Anfang wollte ich vieles sofort umsetzen. Mein Vater hat mich manchmal ausgebremst. Gleichzeitig hat ihm meine Dynamik gutgetan.“ Heute profitieren beide von den unterschiedlichen Arbeitsweisen. „Wir haben uns in der Mitte getroffen.“ Für Nadine Zimmermann ist das die wichtigste Erkenntnis aus den vergangenen Jahren: Ein Generationenwechsel gelingt nicht an einem Tag. Er wächst.
Seit dem 1. Juli 2026 befindet sich Gerhard Zimmermann nun offiziell im Ruhestand. Im Unternehmen ist er dennoch weiterhin präsent. Noch führen Vater und Tochter das Küchenstudio gemeinsam. Zum Jahreswechsel übernimmt Nadine Zimmermann die alleinige Inhaberschaft. Dass dieser Schritt ausgerechnet im Jubiläumsjahr erfolgt, in dem Küchen Zimmermann sein 30-jähriges Bestehen feiert, verleiht dem Generationenwechsel eine besondere Symbolkraft. Für beide ist das allerdings kein Neuanfang. Es ist lediglich der nächste logische Schritt.
Sieben Jahre gemeinsames Lernen
Wie geschildert, hat der Generationenwechsel bei Küchen Zimmermann keinen festen Stichtag. Er entwickelte sich Schritt für Schritt. In den sieben Jahren ihrer Betriebszugehörigkeit hat Nadine Zimmermann nach und nach mehr Verantwortung übernommen, während sich die Aufgaben zwischen ihr und ihrem Vater immer wieder neu verteilt haben. „Unsere Rollen haben sich im positiven Sinne immer weiter vermischt“, sagt sie. Dass sich beide diesen Prozess bewusst erlaubt haben, hält sie rückblickend für einen wichtigen Erfolgsfaktor. Auch nach der offiziellen Übergabe zum Jahreswechsel wird sich daran nichts ändern. „Meine Eltern werden immer einen Platz in unserem Küchenstudio haben.“
Austausch macht stärker
Auf die Frage, welchen Rat sie Kolleginnen und Kollegen für einen Generationenwechsel mitgeben würde, hat Nadine Zimmermann eine klare Antwort: „Mutig bleiben, mit Freude an die neuen Aufgaben gehen und netzwerken.“ Gerade der Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern habe ihr auf ihrem eigenen Weg immer wieder geholfen. Bis heute engagiert sie sich in den ERFA-Gruppen von DER KREIS und nimmt regelmäßig an Netzwerktreffen teil. „Wir sehen uns dort nicht als Konkurrenten, sondern unterstützen uns gegenseitig. Gerade bei Themen wie Unternehmensführung oder Nachfolge ist dieser Austausch unglaublich wertvoll.“
Chancen erkennen
Küchen Zimmermann positioniert sich im hochwertigen Küchensegment und arbeitet unter anderem mit Marken wie Schüller, next 125, nobilia, Miele, Bora, Siemens, Franke, Naber und systemceram zusammen. Wie sieht Nadine Zimmermann die aktuelle wirtschaftliche Lage? Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien derzeit zweifellos anspruchsvoll. Neubauten gäbe es deutlich weniger und dennoch blickt die 38-Jährige optimistisch nach vorne. Sie sieht Chancen im Upgrade und in der Modernisierung bestehender Küchen sowie in der zunehmenden Verbindung von Küche und Wohnraum. Viele Hersteller erweitern ihre Programme weit über die klassische Küche hinaus. Das eröffne auch den Studios neue Möglichkeiten. „Wir müssen bereit sein, uns weiterzuentwickeln. Dann können wir auch in einem schwierigen Markt erfolgreich sein.“
Vielleicht passt genau das auch auf ihre eigene Geschichte. Nadine Zimmermann hat nie geplant, einmal ein Küchenstudio zu führen. Heute kann sie sich kaum einen schöneren Beruf vorstellen.
Melanie Prüsch