Tradition im jungen Format
Das Miele Design Center liegt zentral auf dem Werksgelände am Stammsitz in Gütersloh. Viel Aufsehen erregt es nicht, und wer nicht weiß, was sich dort tut, läuft daran vorbei. Dabei arbeiten aktuell 47 Frauen und Männer hier. Fachkräfte wie Produktdesigner, UX- und UI-Spezialisten, Consumer-Experience-Experten, Advanced Designer sowie Fachleute für CMF (Color, Material, Finish) und Licht. Im Schnitt laufen rund 100 Projekte pro Jahr durch das Haus, von Kochgeräten und Geschirrspülern über Waschmaschinen und Kaffeevollautomaten bis hin zum professionellen Segment.
Die Abteilung hat eine längere Geschichte, als der Name vermuten lässt. Bis in die frühen 1990er Jahre hieß der Bereich „Formgestaltung" und gehörte der Konstruktion an. Erst 1993 wurde Design bei Miele eine eigenständige Einheit. Seit 2025 leitet Janina Forberger das Design Center als Vice President. Was sie verantwortet, geht weit über klassische Produktgestaltung hinaus: „Jedes Detail – visuell, haptisch und in der Interaktion – wird als Teil eines ganzheitlichen Erlebnisses verstanden", erläutert Forberger. „In enger Zusammenarbeit mit der Produktentwicklung und Markenverantwortlichen stellen wir die Konsistenz über das gesamte Ökosystem hinweg sicher."
Das Ökosystem umfasst physische Produkte, digitale Interfaces und vernetzte Systeme. Die Miele-Handschrift soll überall dieselbe sein, ob jemand einen Herd bedient, ein Display entsperrt oder eine App öffnet. Zur Infrastruktur gehören ein Materialatelier, Bereiche für Rapid Prototyping, ein VR-Raum für realitätsnahe Prototypen-Evaluation und die Anbindung an ein zentrales Prototyping-Zentrum. In 20 Jahren hat diese Arbeit über 300 internationale Designpreise eingebracht, darunter Preise wie iF und Red Dot.
Abschied vom Büroalltag
Wenige Hundert Meter entfernt, ebenfalls auf dem Gütersloher Werksgelände, entstand in rund zwei Jahren Bauzeit ein Neubau für die Vertriebsgesellschaft Deutschland. 18,1 Millionen Euro, sechs Stockwerke, rund 5.000 Quadratmeter Gesamtfläche, etwa 260 Arbeitsplätze. Baubeginn 2022, Nutzerübergabe im dritten Quartal 2024. Drei Brücken verbinden das Haus mit den Bestandsgebäuden.
Für sich genommen wären das nüchterne Projektdaten. Interessanter ist das „New Work“-Konzept dahinter. Das Raumkonzept folgt dem Ansatz „Activity Based Working", mit offenen und geschlossenen Bereichen, verschiedenen Bürotypen, Sonderzonen in der Fläche und Konferenzbereichen getrennt vom Bürobereich. Wer morgens kommt, sucht sich einen Platz passend zur Aufgabe des Tages.
Die Gebäudetechnik spiegelt denselben Anspruch. Heizung und Kühlung laufen über ein regeneratives Geothermienetz, die Klimatisierung über Betonkernaktivierung statt klassischer Kühlanlagen, die Fenster haben dreifache Isolierverglasung, das Dach ist begrünt, eine Photovoltaikanlage produziert Eigenstrom, die Lüftungsanlage arbeitet mit Wärmerückgewinnung. Das Gebäude ist nach DGNB zertifiziert.
Zukunftsfähigkeit gestalten
Mit dem Neubau und der Weiterentwicklung der Arbeitskultur öffnet sich der auf seine Tradition bedachte Hausgerätehersteller Miele augenfällig für neue interne Strukturen. Ein Eindruck, den das Design Center in seiner heutigen Form unterstützt. „Damit bekräftigen wir unseren Premiumanspruch, stärken unsere Marktposition und legen die Basis für künftiges Wachstum“, sagt Christian Gerwens, Geschäftsführer der Vertriebsgesellschaft Deutschland und Senior Vice President DACH, bei einem Fachpressetermin. Das interne Strategieprojekt dazu heißt „Building Tomorrow": „Damit gestalten wir eine zukunftsfähige Vertriebsgesellschaft in Deutschland, die durch klare, harmonisierte Strategien, Organisationswandel und profitables Wachstum den Premium-Anspruch von Miele nachhaltig sichert“, so Gerwens. Mit Blick auf die nächsten Jahre nennt er eine konkrete Zahl. „Wir werden bis 2028 rund 60 Prozent unseres Produktportfolios erneuern.“
Live von Gut Böckel
Diese offensichtliche Modernisierung der Vertriebsgesellschaft Deutschland drückt sich auch in dem noch jungen Format „Miele Culinary Moments“ aus. In der jetzt realisierten zweiten Ausgabe kochte mit Johann Lafer ein erfahrener Spitzenkoch im „Miele Culinary Studio“ auf Gut Böckel in Rödinghausen live vor Kamera und Publikum. Das Studio auf dem historischen Anwesen, rund 30 Kilometer von Gütersloh entfernt, besteht seit November 2025. Es ist Schauplatz von Live-Streaming-Events mit Spitzenköchen, Markenbotschaftern und Influencern, veranstaltet in historischen Gemäuern mit moderner Studiotechnik.
Den Auftakt machte im November Alexander Hermann. Seitdem kochen Spitzenköche live vor Kamera, das Geschehen läuft gleichzeitig als Stream. Wer im Studio sitzt oder zu Hause schaut, sieht dasselbe Programm, inklusive Rezepte zum Nachkochen und Einblicken in die Miele-Geräte.
„Mit den Miele Culinary Studios auf dem historischen Gut Böckel haben wir ein kreatives Zentrum für Genuss, einen Raum für Begegnung und einen Schauplatz geschaffen, an dem Spitzenköche, Markenbotschafter und Influencer die Welt von Miele lebendig werden lassen“, sagt Christian Gerwens. Verbunden mit einer klaren Konzeptidee: „Hier wird Genuss neu gedacht – lebendig, zugänglich und voller persönlicher Momente.“ /dib

