Keine Diskussion mit dem Backofen
Völlig subjektiv: Mit der Serie „Mein Blick auf Küche“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, für die der Lebensraum Küche eine besondere Bedeutung hat. Und die unterschiedlichen Perspektiven folgen. Je subjektiver, desto besser.
Das Konzept ist so einfach wie genial: Jeden Abend steht eine andere Oma im Mittelpunkt, die ihr persönliches Lieblingsgericht in den Fokus rückt. Ein Profikoch setzt ihr Rezept um, doch die Oma behält dabei die Kontrolle: Sie schaut in der Küche, dass alles genauso schmeckt wie zu Hause, plaudert mit den Gästen, erzählt Geschichten und sorgt für eine Atmosphäre, die an Familienabende erinnert. Sabine Kolb ist eine von sieben Omas. Im Gespräch mit dem KÜCHENPLANER erzählt die gelernte Einrichtungsfachberaterin, warum ihr die Arbeit bei Omagerichte so wichtig ist, welches ihr liebstes Küchengerät ist und was sie von Küchen als Statussymbol hält.
Frau Kolb, wie sind Sie zu Omagerichte gekommen?
Lassen Sie uns doch duzen, ich heiße Sabine. Vom Konzept der Omagerichte habe ich durch eine Freundin erfahren. Und da ich schon immer gerne koche und backe, fand ich die Idee, mich hier zu engagieren, sehr reizvoll. Da die Restaurantküche zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig war, habe ich die Crew von Omagerichte kurzerhand zum Probeessen zu mir nach Hause eingeladen. Was soll ich sagen? An dem Abend bin ich Oma geworden!
Bist du auch im richtigen Leben Oma?
Nein, bei uns muss man nicht zwingend eine „richtige“ Oma mit Enkelkindern sein. Aber der Begriff Oma ist für viele Menschen mit Wärme, Geborgenheit und liebevoll gekochtem Essen verbunden. Er steht für gelebte Familientradition und für Gerichte, die mit Herzblut und Erfahrung über Jahrzehnte perfektioniert wurden. Genau dieses Gefühl wollen wir bei Omagerichte auf den Teller bringen: den Geschmack von Kindheitserinnerungen, wie man ihn von zuhause kennt.
Was gefällt dir an der Arbeit im Restaurant am besten?
Es ist ein ganz tolles Miteinander, sowohl unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen als auch mit den Gästen. Man wird hier für das, was man mit Liebe zubereitet hat, sehr wertgeschätzt. Und es macht so viel Spaß auf die Gäste zuzugehen, sich mit ihnen zu unterhalten und ihnen einen richtig schönen Abend zu bereiten. Handys am Tisch sieht man bei uns nur sehr selten, wir unterhalten uns und das ist gerade in der heutigen Zeit ganz wertvoll. Ich wurde am Ende des Abends schon von Gästen umarmt, man hat nach einem Foto gefragt und es sind sogar schon richtige Freundschaften entstanden. Die Arbeit bei Omagerichte hat mir meinen Glauben an das Gute im Menschen zurückgegeben.
Und diesen Glauben hattest du zwischenzeitlich verloren?
Vielleicht nicht ganz verloren, aber ich habe viele Jahre als Küchenfachberaterin in einem großen Möbelhaus gearbeitet, zuletzt in der technischen Auftragskontrolle und in der Reklamationsabteilung. Gerade, wenn es um Reklamationen geht, zeigt sich sehr schnell der wahre Charakter eines Menschen. Zum Schluss war ich von so viel Negativität ausgebrannt. Ich habe mir dann eine Auszeit genommen und entschieden, dass ich ab jetzt nur noch Dinge mache, die mir guttun. Und dann kam das Angebot der Omagerichte.
Als Küchenfachfrau: welches ist für dich persönlich das wichtigste Küchengerät?
Mein Kaffeevollautomat darf auf keinen Fall fehlen! Mittlerweile schwöre ich auch auf meine Kitchen Aid. Es hat eine Weile gedauert, bis wir uns angefreundet haben. Aber jetzt komme ich mit der Küchenmaschine so gut zurecht, dass ich den Teig für meine Nussecken immer schon zu Hause vorbereite und ihn dann zur Weiterverarbeitung mit ins Restaurant nehme.
Und welches Küchengerät wird deiner Meinung nach überschätzt?
Ganz ehrlich? Mit Muldenlüftern habe ich mich nie anfreunden können. Was da während des Kochens alles reinkleckert. Fürchterlich! Dabei gibt es heute doch wirklich schöne Dunstabzugshauben. Mir persönlich gefallen die Downdraft-Modelle sehr gut. Ein weiteres Argument gegen Muldenlüfter: Ich nutze die Glasplatte meines Kochfelds sehr gerne zum Teigausrollen. Da würde eine Mulde nur stören.
Da ich sehr gut kochen kann, halte ich auch von vordefinierten Koch- und Backprogrammen recht wenig. Ich diskutiere einfach nur ungerne mit meinem Backofen darüber, wann mein Käsekuchen fertig ist. Spaß beiseite, für Menschen mit wenig Kocherfahrung und wenig Zeit sind solche Programme sicher eine Erleichterung.
Wie sieht für dich persönlich die ideale Küche aus?
Ich brauche keine Küche als Statussymbol. Ich brauche eine Küche, die funktioniert und mit der ich umgehen kann. In meiner Traumküche sind ein hoch eingebauter Backofen mit Dampfgarfunktion ebenso enthalten wie ein großer Kühl- und Gefrierschrank. Wenn dann noch der Geschirrspüler etwas erhöht eingebaut wäre und die große Arbeitsplatte in den Essbereich reinragen würde, wäre ich schon sehr glücklich. Im echten Leben brauche ich vor allem ausreichend Platz zum Arbeiten. Außerdem mag ich es, wenn alle Geräte und Utensilien einen festen Platz haben, kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen.
Wir haben ja noch gar nicht darüber gesprochen, was denn bei Omagerichte dein Signature Dish ist.
Ich bin für mein Gulasch vom Freilandrind mit Spiralnudeln und Wachsbrechbohnensalat bekannt. Und als Dessert durften meine Nussecken auf keinen Fall fehlen.
Vielen Dank für das schöne Gespräch!
Ein Gericht pro Abend
Das Restaurant Omagerichte befindet sich in dem ehemaligen Brauhaus „Zur Eule“ in der Alteburgerstraße 299 in Köln. Die Gäste erwartet kein à la carte, sondern ein einziges, traditionelles Gericht pro Abend. Gekocht wird nur, was vorab reserviert wurde. Kein Food Waste, keine Massenware, sondern ehrliches Essen wie früher.
www.omagerichte.de

