In Rekordzeit realisiert
Das Boardinghouse verknüpft Unterkunft mit Qualifizierung, Integration und beruflichem Onboarding. Bund und Land Nordrhein-Westfalen haben den Bau im Rahmen des Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramms Infrastruktur mit 8,1 Millionen Euro gefördert. Die Gesamtkosten für Bau und Inbetriebnahme belaufen sich auf rund 9 Millionen Euro. Ziel ist es, dem Fachkräftemangel in Ostwestfalen-Lippe entgegenzuwirken und ein branchenübergreifendes Onboarding zu ermöglichen. Bei der Eröffnung sprachen unter anderem NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, der Herforder Landrat Mirco Schmidt und Christian Antl, Bürgermeister der Stadt Löhne.
Unbürokratisch an einem Strang
Entstanden ist das Boardinghouse in Rekordzeit von nur elf Monaten seit dem Spatenstich. Damit gilt das Projekt auch als Vorzeigebeispiel dafür, was möglich sein kann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und lösungsorientiert agieren. In diesem Fall arbeiteten die Stadt Löhne, der Kreis Herford und das Land NRW nahtlos zusammen.
„Fachkräftesicherung beginnt nicht erst am ersten Arbeitstag“, sagte Neubaur in ihrer Ansprache. „Sie beginnt bei der Frage: Wie kommen Menschen hier an, beruflich und ganz persönlich? Das Boardinghouse in Löhne gibt darauf eine überzeugende Antwort. Es zeigt, wie moderne Strukturpolitik gelingt: Ein Ort, an dem Fachkräfte lernen, arbeiten, Kontakte knüpfen und sich zu Hause fühlen können.“
Mirco Schmidt, Landrat des Kreises Herford, sieht in dem neuen Angebot einen großen Standortvorteil: „Die Zukunftsfähigkeit unserer Region hängt ganz wesentlich davon ab, ob es uns gelingt, Arbeitskräfte für unsere Unternehmen zu gewinnen und ihnen gleichzeitig gute Bedingungen zum Leben und Arbeiten zu bieten. Ein Boardinghouse ist mehr als eine Unterkunft, es wird zu einem nachhaltigen Instrument der Wirtschaftsförderung, das allen Unternehmen der Region zu Verfügung steht.“
Baustein für ein bundesweites Kompetenzzentrum
Für die Lehrfabrik Möbelindustrie ist das „Werre-Quartier“ ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einem bundesweiten Kompetenzzentrum für die Qualifizierung der Branche. „Viele Möbelhersteller aus anderen Teilen Deutschlands haben großes Interesse an den Aus- und Weiterbildungsangeboten der Lehrfabrik“, sagt Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der Deutschen Möbelindustrie und Vorstand der Lehrfabrik. Im angeschlossenen Ausbildungszentrum können Aus- und Weiterzubildende ihre Fertigkeiten unter realistischen Produktionsbedingungen an neuen Maschinen weiterentwickeln.
Maximal für sechs Monate
Das zweigeschossige Gebäude ist nach neuesten ökologischen und technologischen Standards konzipiert und verfügt über 30 helle, modern eingerichtete Zimmer sowie eine Dachterrasse mit Blick auf die Werre. Dazu kommen ein Fitnessraum und eine Calisthenics-Fitness-Anlage, eine Chill-Lounge sowie zahlreiche Betreuungsangebote. Dabei versteht sich das Boardinghouse nicht nur als reine Unterkunft. Lehrfabrik-Geschäftsführer Markus Kamann beschreibt den Anspruch so: „Es soll ein Ort sein, an dem Kontakte entstehen, Orientierung gegeben wird und Gemeinschaft wächst.“ Wohnen können Schulungsteilnehmende oder Fachkräfte maximal sechs Monate. In dieser Zeit stehen Sprachkurse, interkulturelle Begleitung, Karriere-Coachings und Netzwerk-Events offen. Das Angebot richtet sich branchenübergreifend an Unternehmen der Region.
Wer hinter dem Projekt steht
Träger ist die Genossenschaft Lehrfabrik Möbelindustrie eG, gegründet im Juli 2021 von den Möbelverbänden unter Federführung des VHK Westfalen-Lippe gemeinsam mit dem Dienstleistungspartner Zeus GmbH. Die Genossenschaft zählt heute 18 Mitglieder, darunter den Kreis Herford, die Stadt Löhne, die Möbelverbände sowie zahlreiche Möbelhersteller der Region.
Betreiber des Boardinghouse ist der lokale Gastronom Friedrich Kirchner. Der laufende Betrieb wird über Unternehmensbeiträge und Mieteinnahmen finanziert.

