„Das beste Essen entsteht oft in den kleinsten Küchen“

Michael Sieger in seiner privaten Küche. Foto: Sieger
Wie sieht die private Küche des Mannes aus, der mit seiner Agentur Sieger Design seit vielen Jahren Produkte für verschiedene Wohn- und Lebensräume gestaltet? Worauf hat er bei der Planung seiner Küche besonderen Wert gelegt und worauf würde er heute verzichten? Unsere Redakteurin Melanie Prüsch hat sich mit Michael Sieger, dem kreativen Kopf von Sieger Design, unterhalten und spannende Einblicke in seine Wohn- und Designwelt erhalten.
Herr Sieger, Sie kommen gerade aus Mailand. Was hat Sie in diesem Jahr an der Milan Design Week am meisten beeindruckt?
„Für mich gehört die Milan Design Week nach wie vor zu den wichtigsten Messen der Welt, wenn es um Design und Inspiration geht. Ich durfte meinen Vater bereits im Alter von zwölf Jahren erstmals nach Mailand begleiten und bin seitdem jedes Jahr dort. Auch wenn er nicht unmittelbar Teil der Messe war, zählt der neue Yves Saint Laurent Store für mich zu den absoluten Highlights in Mailand. Wer ein herausragendes Beispiel für Eklektizismus im Interieur Design sucht, wird hier fündig: Sechs oder sieben Räume verteilen sich auf drei Etagen, jeder Raum sieht anders aus, ist in unterschiedlichen Stilen und mit verschiedenen Materialien eingerichtet, und trotzdem zieht sich eine unsichtbare rote Linie durch den gesamten Store, die alle Räume visuell verbindet. Das Ganze ist außergewöhnlich kreativ und sucht in Bezug auf Schönheit und Ästhetik seinesgleichen. Mich fasziniert, wie es einer Luxusmarke immer wieder gelingt, neue kreative Maßstäbe zu setzen.
Mein zweites persönliches Highlight war das „Nilufar Grand Hotel“. Unter der Kuration von Nina Yashar ließ die Ausstellung ein imaginäres Hotel entstehen, in dem Vintage-Stücke, zeitgenössische Objekte und Stücke der Nilufar Edition nahtlos zu einer stimmigen Inszenierung verschmolzen. Auch hier sprechen wir von der Top-Liga des Interieur Designs. Die Stücke sind ausgefallen, individuell und handwerklich perfekt gefertigt. Da zahlt man für einen kleinen Tisch schon mal zwischen 20.000 und 40.000 Euro.“
Das Stichwort Interieur Designs führt direkt zu ihrer privaten Küche. Handelt es sich um eine serienbasierte Lösung oder ist sie individuell geplant?
„Da in unserem Zuhause die Küche der wichtigste Raum im Haus ist, habe ich sie nach meinen Entwürfen maßfertigen lassen. Dabei ist sie aber relativ simpel gehalten. Sie besteht aus einem großen Wandschrank aus schwarz gebeiztem, offenporigem Eichenholz. In dem Schrank ist ein Sideboard integriert, davor ist ein freistehender Kochblock mit Spüle und Gaskochfeld. Die Arbeitsflächen und die Umrandung des Küchenblocks bestehen aus Marmor. Die dem Esszimmer zugewandte Seite ist mattgold verkleidet. Auf der linken Seite des Kochblocks ist zudem eine quadratische Fläche angebracht, an der wir gerne frühstücken. Ansonsten war mir und meiner Frau sehr wichtig, dass die Küche sowohl zum Ess- als auch zum Wohnzimmer hin geöffnet ist. Wir wohnen erst seit 2020 hier, aber das offene Raumkonzept haben wir schon in unseren anderen Wohnungen realisiert und sind seit mehr als 25 Jahren davon begeistert.“
Was war für Sie bei der Küchenplanung am wichtigsten?
„Da sich bei uns ein großer Teil des Familienlebens in der Küche abspielt, war uns das offene Raumkonzept am wichtigsten. Wir verbringen gerne Zeit in der Küche und im Esszimmer und nutzen die Räume auch zum Arbeiten. Außerdem mag ich unseren Gasherd sehr. Die offene Flamme hat ihren ganzen eigenen, rustikalen Charme, den ich sehr schätze. Die hoch eingebaute Spülmaschine ist praktisch und wird von mir und meiner Frau gleichermaßen geschätzt.“
Gibt es Küchengeräte, die ihrer Meinung nach überbewertet sind?
„In unserer vorherigen Küche war es ganz klar der Dampfgarer. Obwohl ich sehr auf gesunde Ernährung achte, haben wir ihn vielleicht zweimal benutzt. Technische Geräte entscheiden nicht über die Qualität des Essens. Für mich zählen vor allem qualitativ hochwertige Lebensmittel und eine gute Zubereitung. Wir haben schon in so vielen Restaurants gegessen und das beste Essen kam dabei oft aus ganz kleinen Küchen.“
Und welche Küchengeräte wissen Sie am meisten zu schätzen?
„Neben dem Gaskochfeld ist es der Hot Water Dispenser, mit dem ich täglich mein Ingwerwasser zubereite.“
Sie leben jetzt seit sechs Jahren in und mit ihrer neuen Küche. Gibt es Dinge, die Sie bei der nächsten Küche anders machen würden?
„Meine Frau würde sofort sagen: die nächste Küche bitte nicht in Schwarz! Ich würde nicht mehr überall grifflose Türen mit Push to open-Funktion anbringen. Unsere Gäste empfangen wir sehr gerne zu einem Aperitif an unserem Küchenblock. Da kommt es häufig vor, dass jemand mit dem Knie an die Tür kommt und diese sich öffnet. Ich weiß, das ist ein Luxusproblem. Aber nervig ist es trotzdem.“
Wer kocht bei Ihnen zu Hause?
„Ich koche sehr gerne, für mich ist das fast wie eine Meditation. Ich mag gute, einfache Gerichte, wie man sie aus der italienischen Küche kennt. Für mich stehen dabei immer die Zutaten und die Atmosphäre im Mittelpunkt.“
Vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person
Michael Sieger ist der kreative Kopf von Sieger Design. Er entwickelte schon früh seine Leidenschaft und Hingabe für den Beruf des Designers, was ihn im Laufe der Jahre zu einem erfolgreichen Autodidakten in vielen gestalterischen Disziplinen machte. In der Agentur Sieger Design, die er gemeinsam mit seinem Bruder Christian in zweiter Generation leitet, hat er Ikonen für die Tischkultur und den Sanitärbereich geschaffen. Für diese sowie viele weitere Konzepte wurde er bis heute mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Schloss Harkotten ist der Firmensitz der Agentur.