14.08.2026

Reparierfähigkeit wird zum Kaufkriterium

Wer ein defektes Haushaltsgerät reparieren lassen will, hat oft schlechte Karten. 81 Prozent der Deutschen, die außerhalb der Gewährleistung schon mit einem kaputten Gerät konfrontiert waren, haben mindestens einmal einen Reparatur-Versuch gestartet, doch 72 Prozent sind dabei mindestens einmal gescheitert.

Konzipiert, beauftragt und ausgewertet wurde die Studie zum Markt für Reparaturen von Haushalts-Großgeräten in Deutschland von der Repartly GmbH. Foto: Repartly

Das zeigt der „Repartly Reparatur-Report 2026", eine repräsentative YouGov-Befragung von gut 2.100 Menschen aus dem Mai 2026 zum Umgang mit defekten Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Spülmaschinen. Meistens liegt das am Preis, heißt es in der Reportauswertung. In knapp 60 Prozent der Fälle waren demnach die Reparaturkosten zu hoch, und fast ebenso oft ließ sich das Gerät technisch nicht mehr instand setzen. In fast der Hälfte der Fälle rieten Kundenservice oder Fachhandel selbst von einer Reparatur ab.

Reparierbarkeit wird zum Kaufkriterium
Dabei fragen 38 Prozent der Deutschen beim Kauf eines neuen Geräts bereits aktiv danach, ob es sich gut reparieren lässt. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 46 Prozent. Für Handel und Industrie wächst die Bedeutung dieser Perspektive. Denn rund die Hälfte der Befragten gibt an, nach einer gescheiterten Reparatur beim nächsten Kauf zu einem anderen Hersteller zu wechseln.

Vertrauen in Fachhandel und Service bröckelt
Weitere Ergebnisse aus dem Report: Nur ein Viertel der Deutschen glaubt, bei Fachhandel oder Kundenservice im Fall eines Defekts schnell und unkompliziert Hilfe zu bekommen. 63 Prozent ärgern sich, wenn ihnen kein bezahlbares Reparatur-Angebot gemacht wird. Kommt keine Reparatur zustande, entscheiden drei Viertel der Befragten beim Neukauf allein nach dem Preis. Mit dem „Recht auf Reparatur" kennen sich laut Umfrage 46 Prozent der Deutschen kaum aus, was aus Sicht der Studienmacher zu falschen Erwartungen und zusätzlicher Unzufriedenheit führen könnte.

Ein ungenutztes Alleinstellungsmerkmal
Repartly, ein 2021 gegründetes Unternehmen aus Gütersloh, betreibt eine Online-Plattform für die Instandsetzung und Wiederaufbereitung von Elektronikbauteilen und arbeitet dafür mit Service-Partnern, Herstellern und Recycling-Unternehmen zusammen. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bislang mehr als 30.000 Geräte unterschiedlicher Marken wieder nutzbar gemacht.
Dr. Lennart Osthoff, Gründer und Geschäftsführer von Repartly, ordnet die Ergebnisse als Chance ein: „Das Reparatur-Interesse der Deutschen ist kein Ärgernis. Im Gegenteil: Es ist eine Chance, sich im Wettbewerb echte Vorteile zu verschaffen. Mit Reparatur-Angeboten kann der Handel die Kundenzufriedenheit steigern und Kunden binden."
Er führt weiter aus: „Und wer als Hersteller auch Reparaturen mitdenkt, stärkt die Markentreue und kann Neukunden gewinnen – vor allem unter den Jüngeren, die beim Kauf vermehrt darauf schauen, ob Geräte repariert werden können. Den Preiskampf werden weder Fachhändler noch europäische Premium-Hersteller gewinnen. Aber attraktive Reparatur- und Service-Leistungen könnten ein echtes Alleinstellungsmerkmal sein – das aktuell viel zu wenig genutzt wird."

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