17.09.2026

Neuigkeiten aus den Ausstellungszentren der Küchenmeile

Für die meisten Besucher der Küchenmeile dürfte sich im Lauf der Jahre eine Reiseroute etabliert haben. In diesem Jahr muss die Ostwestfalen-Rallye in Teilen neu geplant werden. Denn die Ausstellerrochade zwischen den Fachmessezentren ist groß.

Auch während der Messezeit besticht Gut Böckel durch seine entspannte Atmosphäre. Foto: Biermann

„Will jetzt eigentlich jeder auf Gut Böckel ausstellen?“ Dieser Gedanke kam irgendwann im Frühjahr. Gefolgt von der Anschlussüberlegung: „Da ist doch überhaupt kein Platz mehr frei.“ In der Tat steht das idyllisch zwischen Mühlen- und Dornmühlenbach gelegene Rittergut nahe Rödinghausen unvermittelt im ostwestfälischen Rampenlicht. Franke und berbel beziehen dort eine neue Dauerausstellung, Schock Spülen auch, Beko Europe schafft einen neuen Rahmen für den gemeinsamen Markenauftritt, Gorenje wechselt den Standort, Midea zieht zu Küppersbusch, und auch Miele hat sein Domizil massiv ausgebaut. Dafür hat Smeg seine Präsenz an der Rilkestraße beendet. Also ziemlich was los zwischen Schaf- (Blanco) und Kuhstall (Miele). Was jetzt nicht despektierlich gemeint ist. Genau so heißen die Ausstellungsgebäude auf Gut Böckel nun mal. Um die Orientierung auf dem weitläufigen Areal zu wahren, kann es lohnenswert sein, sich mit diesen Bezeichnungen vertraut machen. Oder ist aus dem Stand bekannt, wo der Pferdestall angesiedelt ist, das Alte Schlittenmuseum, die Stellmacherei, das Roggenhaus, die Alte Remise, das Haferhaus oder die Goldschmiede? Glücklicherweise ist in Ostwestfalen immer alles gut ausgeschildert.

Exklusiv steht Gut Böckel aber nicht im Rampenlicht. Dafür hat sich in Summe zu viel getan. Allein die Messepolitik der BSH. Diese zog viel Aufmerksamkeit auf sich. Allerdings lange Zeit hinter den Kulissen. Es war wohl das am besten gehütete offene Geheimnis der Branche, dass die Gerätemarke Bosch die Architekturwerkstatt verlässt und zur Konzernschwester Siemens ins IDF34 zieht. Im Grunde wusste es spätestens seit Mai so gut wie jeder, doch offiziell wurde es erst Anfang August bestätigt. Es musste halt viel geregelt werden, um vertraglich alles wasserdicht abzusichern. Mit dem Ex-Vermieter und dem neuen.

Die Zusammenführung von Siemens und Bosch ist die direkte Konsequenz aus der Umstellung auf den Mehrmarkenvertrieb der BSH und keine Entscheidung gegen die Architekturwerkstatt. Enrico Hoffmann, Head of Marketing and Sales Central Europe, beschreibt dies so: „Wir haben den Vertrieb unserer Marken erfolgreich unter einem organisatorischen Dach gebündelt. Deshalb ist es nur konsequent, dieses Mehrmarkensystem auch auf der Küchenmeile sichtbar zu machen. Mit dem gemeinsamen Auftritt in Löhne schaffen wir mehr Orientierung, kürzere Wege und ein klareres Erlebnis unserer Markenprofile für unsere Handelspartner.“ Im IDF34 werden Bosch und Siemens auf jeweils rund 290 Quadratmetern präsentiert, Constructa auf etwa 50 Quadratmetern. Auf einer weiteren Fläche von rund 70 Quadratmetern zeigt die BSH markenübergreifende Themen. Abgeschlossen wird dieser Vereinigungsprozess 2027, wenn auch Neff ins IDF34 zieht. Dann sind dort vier BSH-Marken mit ganzjährig nutzbaren Ausstellungen vereint: Siemens, Bosch, Neff und Constructa. Außen vor bleibt Gaggenau. Die Luxusmarke verbleibt bei Schüller und next125 im house4kitchen (h4k). Die räumliche Trennung wird mit der eigenständigen Organisation und dem Fokus von Gaggenau auf das High-End-Segment begründet.
Eine adäquate Ausstellungsfläche für eine Weltmarke wie Bosch Hausgeräte zaubert man nicht so aus dem Hut. Das gelingt nicht einmal dem rührigen IDF34-Initiator und Vermieter Kai Schäffer. Deshalb musste umstrukturiert werden: dekoraPUR / Kleiberit, Durotherm und Technistone haben die Ausstellergemeinschaft verlassen, Constructa wurde auf die bisherige Cateringfläche umgesiedelt. Essen und Trinken gibt es jetzt in einem Zelt auf der Parkplatzfläche am Eingang.

Die Lücke in der Architekturwerkstatt wird nach dem unerwarteten Weggang von Bosch weit vor dem Ende der vereinbarten Mietlaufzeit nicht gefüllt. Jedenfalls nicht in diesem Jahr. Das dürfte in nächster Zukunft schon anders aussehen. Dem Vernehmen nach soll es an Interessenten nicht mangeln. Es muss halt passen, denn mit LEICHT, Liebherr, V-Zug, Gessi, Dekker Zevenhuizen, Steel und Suter ist der Anspruch hoch. Unter dem Motto „Alles für den Lebensraum Küche“ ergänzen sich die Marken hervorragend. Offiziell heißt es: „Mit einem klaren Fokus auf hochwertige Verarbeitung, zeitlos elegante Formensprache und ausgewählte Materialien präsentieren die Aussteller der Architekturwerkstatt ihre aktuellen Kollektionen und Konzepte rund um den Lebensraum Küche. Auf rund 4000 qm vereint das Ausstellungskonzept renommierte Marken des Premiumsegments.“ Es bleibt spannend, wer sich diesem Gefüge anschließt.

Auch im house4kitchen ändert sich die Zusammenstellung. Neff ist im Ausstellungsverbund mit Gaggenau zwar 2026 noch vor Ort, die Fläche von Franke, die es wie erwähnt aufs Gut Böckel zieht, wird in diesem Jahr aber von Impuls Küchen gefüllt. Inhaltlich erschließt sich dieser Wechsel erst auf den zweiten Blick, denn mit Schüller, next125, Gaggenau, Neff und Franke verfügte das h4k ähnlich wie die Architekturwerkstatt über ein Angebot, das sich auf hohem Niveau stimmig ergänzte. Wie passt also Impuls Küchen als Anbieter für Einstiegsküchen in dieses Portfolio? Die Antwort dürfte betriebswirtschaftlich motiviert sein. Denn Impuls Küchen gehört als Teil der Briloner Möbelwerke zur Schüller Gruppe, also dem Initiator und Betreiber des h4k. Die Überweisung der Miete für Impuls Küchen im benachbarten KCL (Kitchen Center Löhne) kann man sich künftig jedenfalls sparen.

Im Kitchen Center Löhne wiederum blieb die bisher von Impuls Küchen genutzte Fläche nicht lange verwaist. Samsung richtet dort eine Dauerausstellung ein, damit das auf AI und Vernetzung basierende Geräteangebot dem Fachhandel auch unterjährig bestmöglich vermittelt werden kann. Ähnliche Ambitionen verfolgt Falmec als weiterer neuer Mieter. Publikumsmagneten im KCL sind weiterhin AEG/Electrolux und Sachsenküchen.

Am wenigsten hört man in diesen Wochen vom Forum26 | Designwerkstatt in Rödinghausen. Laut Webauftritt sind alle Partner aus dem Vorjahr an Bord. Im Gegensatz zur Fach- und Ordermesse area30, über die seit dem Frühjahr viel debattiert wird. Wie schon gemeldet gab es mit berbel, Schock, Samsung, Falmec und Midea schmerzhafte Abgänge, mit Rempp Küchen, Team 7 (cube 30), Noodles und weiteren Ausstellern aber auch attraktive Zugänge. Interessant ist die von Geschäftsführer Christopher Boss und seinem Trendfairs-Team angestoßene Entwicklung der area30. Im Gespräch mit dem KÜCHENPLANER betonte Boss, nicht zwingend die größte Messe sein zu wollen, sondern die relevanteste. Erreicht werden soll das mit neuen Formaten und Kooperationen wie dem neuen Shuttle zwischen Bad Salzuflen (M.O.W.) und Löhne (area30).
Neu im Programm der area30 sind Guided Tours, die Besucher strukturiert zu passenden Ausstellern, Themen und Innovationen führen sollen. Die Anmeldung dazu ist online oder spontan vor Ort möglich. Ebenfalls neu ist der „LongTuesday“ am 22. September mit verlängerten Öffnungszeiten bis in den Abend. Am Mittwoch, 23. September, richtet sich der „Tag des Zollstocks“ gezielt an Tischler und Schreiner, mit geführten Touren und Fachvorträgen auf der Eventbühne „stage“. Und auf der dürfte es in diesem Jahr sicherlich nicht langweilig werden. Branchenbekannte Referentinnen und Referenten geben sich von Sonntag bis Mittwoch das Mikrofon in die Hand. Auf dem Programm stehen Vorträge zu aktuellen Herausforderungen der Branche, veränderten Marktbedingungen und neuen Geschäftsmodellen. Aber auch zu Social Media, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Weitere Themen sind Fachkräfte, Weiterbildung und Nachhaltigkeit. Eine Übersicht dazu lesen Sie in dieser Ausgabe unter dem Titel „Bühne für Branchenthemen“ auf den Seiten 52/53.
Laut Aussage des Messeveranstalters Trendfairs soll die area30 noch stärker an den Bedürfnissen der Fachbesucher ausgerichtet werden. „Gleichzeitig bleibt unser Anspruch unverändert: Die area30 ist und bleibt eine Ordermesse, hier werden Geschäfte angebahnt und Entscheidungen getroffen“, unterstreicht Christopher Boss. Das komplette Interview mit dem Trendfairs-Geschäftsführer lesen Sie hier: https://www.kuechenplaner-magazin.de/themen/detail/news/die-area30-entwickelt-sich-im-dialog/.

Dirk Biermann

 



Weitere Messe-News
Dieser Beitrag konzentriert sich auf die organisatorischen Veränderungen in den genannten Ausstellungszentren, die parallel zu den Hausausstellungen der Küchenmöbelhersteller im Rahmen der Küchenmeile stattfinden. Der Beitrag geht nicht auf Neuheiten von Küchenmöbelherstellern oder Ausstattern ein.