Inspiration vom Autodesign

Joaquín García Sanchis ist seit rund sechs Monaten Head of Global Design der Electrolux Group und damit auch für die Designstrategie der Konzernmarke AEG verantwortlich. Foto: Electrolux
Sein beruflicher Werdegang liegt fast zwanzig Jahre in der Automobilindustrie. Erste Aussagen zu seiner neuen Rolle, dokumentiert aus einem internen Electrolux-Interview, geben einen Hinweis darauf, welche Richtung er der Formensprache der Marken geben könnte.
Vor seiner aktuellen Tätigkeit bei Electrolux prägte García Sanchis am Royal College of Art in London seinen Blick auf Autodesign und arbeitete anschließend für mehrere europäische Automobilmarken. Diese Erfahrung überträgt er nun auf Haushaltsgeräte. Design solle unkompliziert wirken, auch wenn das Produkt dahinter komplex sei, sagt er. Entscheidend sei, dass Gestaltung Bestand habe, „zeitlos und nachhaltig“, wie er es nennt, „gebaut, um zu bestehen“.
In der Automobilbranche habe man genau untersucht, wie ein erster, emotionaler Eindruck eines Fahrzeugs mit einer langfristigen Bindung zusammenspiele, sagt García Sanchis. Ein Auto solle im Vorbeifahren Aufmerksamkeit wecken und im Alltag über Jahre überzeugen. Dieses Wechselspiel aus Anziehung und Dauer will er auf Electrolux und AEG übertragen.
Kompetenter Wettbewerb
Dasselbe Prinzip von Bestand prägt auch seine Antwort auf den wachsenden Wettbewerbsdruck aus Asien. Nach seiner Einschätzung verfügen asiatische Wettbewerber inzwischen über vergleichbare Ressourcen bei Personal, Kapital und Fachwissen, ihnen fehle aber die über Jahrzehnte gewachsene Markengeschichte. Skandinavischer Ursprung und Werte sollen deshalb erhalten bleiben, aber kontinuierlich weiterentwickelt werden, um Tempo und Entscheidungsfähigkeit zu steigern.
Auch die Nachhaltigkeitsstrategie knüpft an dieses Erbe an. Eine tragende Säule sind nach García Sanchis' Worten langlebige, reparierbare Produkte und ein zirkuläres Geschäftsmodell, das stärker als bisher das Verhalten der Konsumenten in den Blick nimmt.
Für seine eigene Prägung nennt er die 1950er- bis 1970er-Jahre als wichtigste Phase der Designgeschichte. Eine Zeit, in der Material, Charakter und physische Interaktion mehr zählten als Bildschirmtechnik. Ob sich diese Vorliebe in den kommenden Kollektionen von Electrolux und AEG niederschlägt, wird sich mit den ersten Produkten unter seiner Leitung. zeigen. /dib