Der Innovationstreiber

Innovative Technologien unter mattschwarzer Glaskeramik mit integriertem Abzug: Das Kochfeld zieht immer mehr Wertschöpfung auf sich. Foto Neff
Der deutsche Hausgerätemarkt tut sich schwer. Zu Corona-Zeiten verhagelten der Industrie erst Brüche in den Lieferketten, dann die Hamster-Lagerhaltung im Handel das Geschäft. Dann rauschte die Anschaffungsneigung der Verbraucher in den Keller, wo sie bis heute verharrt. Nach Angaben des Herstellerverbands ZVEI sank der Inlandsumsatz der deutschen Elektro-Haushaltsgeräteindustrie 2025 erneut um 4 Prozent auf 9,71 Milliarden Euro. Doch nicht alle Produktsegmente leiden gleich. Das Kochfeld entzieht sich dem Negativtrend und legt in der Wertschöpfung sogar zu. Gründe sind technischer Natur mit Innovationen von Brückenfunktion über Vollflächeninduktion bis Vernetzung. Aber auch die Kombination von zwei separaten Gerätefunktionen im Kochfeldabzug. Das Kochfeld ist zum Innovationstreiber und Wertschöpfungsprimus in der Küche geworden. In keinem anderen Gerätesegment bündeln sich derzeit so viele Entwicklungen gleichzeitig. Hinzu kommt der Matt-Trend.
Matt wird Standard, Glanz bleibt
Der Trend zu matten Oberflächen, der Küchenfronten, Armaturen und Arbeitsplatten seit Jahren prägt, hat die Glaskeramik-Kochflächen inzwischen erreicht. Aktuelle Zahlen der GfK belegen, wie schnell sich das Bild dreht. 2023 spielte Matt am Herd praktisch keine Rolle, 2025 lag der Absatzanteil bei 4,6 Prozent, der Umsatzanteil aber bereits bei 14,7 Prozent. In den ersten drei Monaten 2026 kletterten beide Werte weiter, auf 7,7 Prozent Absatz- und 23,0 Prozent Umsatzanteil.
Doch es geht nicht allein um die Optik. Matte Kochfeldoberflächen sind auch nützlich, weil sie Gebrauchsspuren und Mikrokratzer deutlich besser als glänzende Glaskeramik kaschieren. Unabhängige Tests bestätigen diesen Vorteil regelmäßig. Fingerabdrücke und Wischstreifen, die auf glänzenden Flächen sofort auffallen, treten auf der matten Struktur kaum sichtbar hervor. Schmutz und eingebrannte Speisereste haften auf der mikrostrukturierten Oberfläche weniger stark an, was die Reinigung im Alltag erleichtert. Erst danach kommt die optische Wirkung, die Oberfläche schluckt Reflexionen von Decken- und Pendelleuchten und wirkt dadurch ruhiger, was sich besonders in offenen Wohnküchen bewährt. Kratzfrei ist eine matte Oberfläche damit trotzdem nicht, sie zeigt Gebrauchsspuren nur langsamer und schwächer als glänzende Glaskeramik.
Dass glänzende Kochfeldoberflächen trotzdem nicht kapitulieren müssen, zeigt eine Entwicklung aus Mainz. Der Glaskeramik-Hersteller Schott stellte schon 2016 mit „Miradur“ eine Beschichtung für seine Glaskeramikflächen der Marke „Ceran“ vor, die seit 2017 in Serie ist und von mehreren Geräteanbietern genutzt wird. Mit rund 10 GPa Universalhärte erreicht diese Beschichtung annähernd Diamantniveau. Der TÜV Rheinland hat die Kratzresistenz unabhängig geprüft. Herstellerangaben zufolge zeigen sich bis zu 95 Prozent weniger Kratzer durch Sandkörner und 70 Prozent weniger durch Scheuerschwämme im Vergleich zu klassischer Glaskeramik. Ganz unzerstörbar ist natürlich auch „Miradur“ nicht. Sehr harte, scharfkantige Partikel können unter hoher Last trotzdem Spuren hinterlassen. Für die Beratung beim Küchenverkauf hat das aber Bedeutung. Glanz und Matt liefern je nach Produktqualität beide eine Antwort auf dieselbe Kundenfrage nach Langlebigkeit und Pflegefreundlichkeit, nur mit unterschiedlichen technischen Mitteln.
Wenn das Kochfeld mitdenkt
Unter der Glaskeramik siedeln sich inzwischen immer weitere technische Innovationen an. Wobei es naturgemäß mit jedem Schritt Richtung Premium immer ausgefeilter wird. Dabei weicht die klassische Steuerung über Leistungsstufen zunehmend intelligenteren Assistenzsystemen. Temperatursensoren messen kontinuierlich am Boden des Kochgeschirrs und beeinflussen die Vorgänge, und wer statt einer Stufe eine Zieltemperatur wählt, muss sie nicht mehr überwachen. Das Kochfeld hält sie automatisch und verhindert so Anbrennen oder überhitztes Fett. Überkochschutz-Funktionen erkennen die physikalischen Veränderungen des Wassers kurz vor dem Siedepunkt und reduzieren die Leistung im richtigen Moment auf ein konstantes Köcheln. Manche Systeme bieten zusätzlich einen Kerntemperaturfühler für Bratenstücke, der die Garzeit fortlaufend berechnet und bei Erreichen der Zieltemperatur automatisch abschaltet, ergänzt um eine Sous-vide-Funktion, die eine Temperatur über Stunden konstant hält. Bei vollflächiger Induktion erkennt das Kochfeld Position und Größe des Topfs über die gesamte Fläche, feste Zonengrenzen entfallen, die Hitze folgt dem Kochgeschirr auch beim Verschieben.
Hinzu kommen hochauflösende TFT- oder LCD-Touchdisplays, die direkt auf der Kochfläche Schritt für Schritt mit App-Anbindung durch ein Rezept führen, von der Auswahl des Gerichts bis zur passenden Temperatur und Garzeit. Die Brückenfunktion verbindet zwei einzelne Kochzonen zu einer großen Fläche mit einheitlicher Temperatur- und Timer-Einstellung. Wer viel mit großen Pfannen und Brätern arbeitet, weiß das zu schätzen. Oder greift gleich zur Vollflächeninduktion.
Bei der Vernetzung setzt die Branche zunehmend auf den herstellerübergreifenden Smart-Home-Standard Matter, der Geräten unterschiedlicher Marken erlaubt, in einem gemeinsamen System zu kommunizieren. Bei aufeinander abgestimmten Systemen kommuniziert das Kochfeld zudem direkt mit dem Dunstabzug und regelt dessen Absaugleistung automatisch nach den aktiven Kochzonen, diese Kommunikation bleibt in aller Regel an eine Markenwelt gebunden. Für die Beratung ist das ein sachliches Argument für aufeinander abgestimmte Geräte-Sets aus einer Hand.
Der Abzug zieht ins Kochfeld
Kochdunst steigt physikalisch bedingt mit etwa einem Meter pro Sekunde nach oben. Ein integrierter Kochfeldabzug erzeugt eine kontrollierte Querströmung direkt am Topfrand. Diese ist mit vier bis neun Metern pro Sekunde deutlich schneller als der natürliche Auftrieb, wodurch Gerüche und Fettpartikel dort erfasst werden, wo sie entstehen. Das ist die Argumentation sämtlicher Anbieter von Kochfeldabzügen. Wie stark sich dieses Prinzip durchsetzt, zeigen aktuelle GfK-Zahlen, die zur AMK-Jahreswirtschaftspressekonferenz Anfang Juni präsentiert wurden. 2022 hatten Kochfelder mit integriertem Dunstabzug demnach einen Absatzanteil von 11,1 Prozent, 2025 waren es bereits 13,4 Prozent, bei einem Umsatzanteil von 44,4 Prozent. Fast jeder zweite Euro im Kochfeldmarkt entfällt damit inzwischen auf die integrierte Lösung. Und damit deutlich mehr, als der Absatzanteil vermuten lässt.
Bei beiden Trends, matten Oberflächen wie integrierten Abzügen, wächst der Umsatzanteil also deutlich schneller als der Absatzanteil. Die Wertschöpfung im Kochfeldmarkt konzentriert sich damit zunehmend auf innovationsstarke Segmente, während das reine Stückzahlgeschäft stagniert. Für Hersteller, die ausschließlich klassische, freistehende Dunstabzugshauben ohne eigenes Kochfeld- oder Kochfeldabzug-Angebot führen, verengt sich der Markt dadurch strukturell. Ihr Segment wächst wertmäßig kaum noch mit.
Downdraft in drei Bauformen
Wenn wir über den Dunstabzug nach unten sprechen und dessen Marktbedeutung beleuchten, müssen der Vollständigkeit halber separate Downdraft-Systeme ebenfalls genannt werden. Diese Gruppe besteht aus drei Systemen mit identischer Technologie, aber unterschiedlicher Umsetzung. Bei der aufsteigenden Glasschirm-Lösung fährt eine Glasscheibe motorisch aus der Arbeitsplatte direkt hinter dem Kochfeld hoch, eine Luftführung hinter der Scheibe fängt den Dunst unabhängig von Topfgröße und -position ab und verschwindet nach dem Kochen wieder vollständig in der Arbeitsplatte. Eine zweite Variante verzichtet auf die Glasscheibe und arbeitet mit einem ausfahrbaren Lüftermodul, das sich am hinteren oder seitlichen Rand des Kochfelds aus der Arbeitsplatte hebt, den Dunst seitlich ansaugt und sich im Ruhezustand wieder vollständig absenkt. Bei Domino-Kochfeldern, die sich aus einzelnen 30-Zentimeter-Modulen zusammensetzen, sitzt der Abzug meist als eigenes, 10 bis 20 Zentimeter breites Modul in der Mitte zwischen zwei Kochzonen und saugt von beiden Seiten an. Für die Planung gilt bei den beiden ausfahrbaren Varianten dieselbe Einschränkung, sie brauchen Platz zum Ausfahren senkrecht hinter dem Kochfeld.
Vorteile und Einschränkungen
Die Vorteile des Kochfeldabzugs gegenüber einer klassischen Dunstabzugshaube sind offensichtlich. Der Kochfeldabzug verschwindet bündig in der Arbeitsplatte und lässt in offenen Küchen freie Sichtachsen zu. Weil der Motor des Kombigeräts im Unterschrank arbeitet, wirkt er zudem leiser als eine kopfnahe Haube. Auch bei der Reinigung liegt er vorn, Einströmdüsen und Filter lassen sich von oben entnehmen und direkt in der Spülmaschine reinigen, während eine klassische Wand- oder Inselhaube das Abwischen großer Gehäuseflächen über Kopf verlangt.
Beim Thema Stauraum kehrt sich der Vorteil um. Die klassische Wandhaube beansprucht keinen Platz im Schrank, während der Kochfeldabzug dort Motor und Kanäle unterbringen muss. Was kürzere Schubladen erfordert. Diese Einschränkung ist der Preis für die architektonische Freiheit.
Zwei Ausgangslagen für ein Gespräch
Doch im Küchenverkauf geht es irgendwann um exakt diese Entscheidung: Soll es ein Kochfeldabzug sein oder die klassische Kombination von Kochfeld und externer Haube? Für die Bedarfsermittlung lohnt sich eine Unterscheidung, die entlang des baulichen Spielraums verläuft und sich nicht in der Frage „Neubau oder Modernisierung?“ erschöpft.
Der bestandsorientierte Modernisierer tauscht die Küche innerhalb der vorhandenen Raumstruktur. Wände, Lüftungswege und Stromanschlüsse bleiben unverändert. Sein Vergleichsmaßstab ist die eigene, oft bis zwanzig Jahre alte Ausstattung. Das macht ihn pragmatisch und preissensibel gegenüber Mehrkosten, deren Nutzen sich nicht sofort erschließt.
Der Kunde mit offenem baulichem Rahmen, ob im Neubau oder bei der Sanierung mit Mauerdurchbruch, denkt dagegen in einem größeren Zusammenhang. Hier geht es um offene Sichtachsen, die Lichtstimmung und das Zusammenspiel mit dem angrenzenden Wohnraum. Für einen solchen Kunden zählt weniger der Vergleich mit dem Alten als das Bild vom fertigen Raum. Deshalb trägt hier das Systemdenken am weitesten, und das Zusammenspiel aus Kochfeld und Abzug als architektonisches Element kann am deutlichsten punkten. Wer diese beiden Ausgangslagen auseinanderhält, kann das Gespräch besser lenken.
Dirk Biermann
Ein Markenname, keine Beheizungsart
Wer über Kochfelder spricht, wird meist früher als später bei „Ceran“ landen. Dieser Begriff ist im Markt zu einem Sammelbegriff geworden, der selbst in Fachkreisen immer noch falsch interpretiert wird. Der Name „Ceran“ ist ein eingetragenes Warenzeichen des Glasherstellers Schott mit Sitz in Mainz (Schreibweise CERAN) und bezeichnet eine bestimmte Glaskeramik für Kochflächen. Es ist kein Heizprinzip.
Bei Elektrokochfeldern gibt es zwei Beheizungsarten, Induktion und Strahlungswärme, beide setzen auf eine Glaskeramikfläche als Kochoberfläche. Trägt diese Fläche den Namen CERAN, stammt sie von Schott, unabhängig davon, ob darunter ein Induktionsfeld oder ein klassischer Strahlungsheizkörper arbeitet.