03.06.2026

Die deutsche Küchenbranche hat sich 2025 trotz schwieriger Rahmenbedingungen stabil entwickelt. Der Gesamtumsatz der Küchenmöbelindustrie lag mit rund 5,63 Mrd. Euro leicht unter Vorjahr. Erste positive Signale zum Jahresstart 2026; eine nachhaltige Erholung wird erst in den Folgejahren erwartet.

amk_pk_26_wolf_irle_weisser_gerwens.jpg Gaben auf der Wirtschaftspressekonferenz der AMK einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der deutschen Küchenbranche (Foto von links): Alexander Wolf (NIQ/GfK Consultant CSM I Elektrogroßgeräte), Volker Irle (CEO AMK), Bernd Weisser (nobilia-Werke), Christian Gerwens (Miele & Cie.) Foto: AMK

Auf der jährlichen Wirtschaftspressekonferenz gab die Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e. V. (AMK) einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der deutschen Küchenbranche. Die aktuellen Zahlen zeigen: Nach schwierigen Marktjahren hat sich die Küchenmöbelindustrie 2025 gefestigt. Der Gesamtumsatz der deutschen Küchenmöbelindustrie lag leicht unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig konnte der Küchenfachhandel in Deutschland seine Umsätze steigern. Der Start in das Jahr 2026 fiel bei der Industrie positiv aus, blieb in seiner Dynamik jedoch uneinheitlich. „Die Küchenbranche hat 2025 erneut gezeigt, dass sie auch in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld zu den stabilsten Bereichen der Möbelwirtschaft zählt“, sagt AMK Geschäftsführer Volker Irle. „Von einer nachhaltigen Erholung kann allerdings noch keine Rede sein. Konsumzurückhaltung, geopolitische Unsicherheiten und die schwache Entwicklung im Wohnungsbau prägen weiterhin das Marktumfeld.“

Vorgestellt wurden die Branchendaten neben Volker Irle (CEO der AMK) von den AMK-Vorstandssprechern Christian Gerwens (Miele & Cie.) und Bernd Weisser (nobilia-Werke) sowie Alexander Wolf (NIQ/GfK Consultant CSM I Elektrogroßgeräte).

Gesamtumsatz 2025 nahezu stabil

Die deutsche Küchenmöbelindustrie erzielte 2025 einen Gesamtumsatz von rund 5,63 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem leichten Rückgang von 0,42 Prozent. Der Inlandsumsatz entwickelte sich mit plus 0,08 Prozent nahezu seitwärts und erreichte rund 3,04 Milliarden Euro. Der Auslandsumsatz lag mit rund 2,59 Milliarden Euro um 1,01 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Exportquote blieb mit 46 Prozent auf hohem Niveau. „Die Zahlen zeigen, dass sich der Markt nach den Belastungen der vergangenen Jahre stabil entwickelt hat", erklärt Bernd Weisser. „Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Für eine stärkere Marktdynamik braucht es mehr Planungssicherheit, ein stabileres Konsumklima und neue Impulse aus dem Wohnungsbau." Im internationalen Geschäft verhinderte insbesondere die Entwicklung im wichtigsten Exportmarkt Frankreich ein besseres Ergebnis. Mehrere andere relevante Exportmärkte zeigten dagegen leichte Erholungstendenzen.

Rückgrat der Möbelbranche

Auch im Gesamtmarkt behaupteten Küchenmöbel ihre starke Position. Während der Möbelmarkt 2025 erneut leicht rückläufig war und mit minus 1,1 Prozent wieder auf dem Niveau von 2019 lag, entwickelte sich der Küchenmöbelmarkt im Vergleich zu anderen Warengruppen weiterhin robust. Küchenmöbel erreichten 2025 einen Anteil von 28,7 Prozent am Möbelmarkt und bleiben damit der bedeutendste Teilmarkt. „Die Küche hat in den vergangenen Jahren strukturell an Bedeutung gewonnen", so Bernd Weisser. „Homeoffice, veränderte Lebensgewohnheiten und der hohe Stellenwert des eigenen Zuhauses haben die Küche dauerhaft gestärkt. Sie ist heute mehr denn je zentraler Wohn- und Lebensbereich – und zugleich ein Investitionsgut, das sehr bewusst geplant wird."

Umsatz und Auftragswert gesteigert

Das schlug sich in den Zahlen des Küchenfachhandels nieder: Laut GfK-Panelmarkt konnte der Küchenfachhandel in Deutschland seine Umsätze mit Küchenmöbeln um 3,9 Prozent steigern. Zwar ging die Verkaufsmenge um 1,3 Prozent zurück, der durchschnittliche Auftragswert stieg jedoch um 5,3 Prozent. Nach einem Preisplateau in den vergangenen beiden Jahren spricht dies für eine stärkere Orientierung der Verbraucherinnen und Verbraucher an höherwertigen Küchenlösungen. Der durchschnittliche Küchenpreis lag 2025 bei 12.177 Euro. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 stieg er weiter auf 12.404 Euro. Treiber dieser Entwicklung sind nicht allein allgemeine Preissteigerungen. Die GfK-Daten zeigen vielmehr eine wertorientierte Nachfrage: Gefragt sind unter anderem bessere Energieeffizienzklassen, größere Geschirrspüler, Kochfelder mit integriertem Dunstabzug sowie designorientierte Lösungen wie matte Oberflächen und schwarze Einbaubacköfen. „Der höhere Durchschnittswert zeigt, dass viele Kaufentscheidungen heute stärker über den erwarteten Nutzen getroffen werden", sagt Alexander Wolf, NIQ/GfK Consultant CSM I Elektrogroßgeräte. „Wer in eine neue Küche investiert, denkt langfristig. An Verbrauchskosten, Bedienkomfort, Platznutzung und die gestalterische Integration in den Wohnraum. Für den Küchenfachhandel ist das ein Vorteil, weil er diese Anforderungen in Beratung und Planung zusammenführen kann."

Hausgeräte: Küchenfachhandel gewinnt weiter an Bedeutung

Auch bei Hausgeräten zeigt sich die wachsende Bedeutung küchennaher Vertriebskanäle. Während der Gesamtmarkt für Haushaltsgeräte 2025 unter Druck stand, konnten die Küchenspezialisten ihren Anteil im Markt für die klassischen Haushaltsgroßgeräte laut GfK von 14,9 auf 15,6 Prozent ausbauen. Besonders deutlich wird die Stärke des Küchenfachhandels bei Einbaugeräten im Möbel- und Küchenfachhandel. Hier entwickelte sich das Geschäft 2025 positiv: Die Verkaufsmenge stieg um 0,8 Prozent, der Verkaufsumsatz um 2,0 Prozent und der durchschnittliche Auftragswert, beziehungsweise Preis um 1,2 Prozent. Damit hebt sich der Küchenfachhandel von anderen Vertriebskanälen ab, die 2025 stärker unter Druck geraten sind. „Hausgeräte werden im Küchenfachhandel nicht isoliert verkauft, sondern als Teil eines geplanten Gesamtsystems", sagt Christian Gerwens. „Genau darin liegt die Stärke dieses Vertriebskanals: Beratung, Planung, Möbel, Geräte und Nutzung werden zusammen gedacht."

Jahresstart 2026: Positive Zahlen, nachlassende Dynamik

Der Start in das Jahr 2026 fiel für die deutsche Küchenmöbelindustrie zunächst positiv aus. Im ersten Quartal stieg der Inlandsumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,22 Prozent auf rund 774 Millionen Euro. Der Exportumsatz legte um 4,01 Prozent auf rund 651 Millionen Euro zu. Insgesamt erzielte die deutsche Küchenmöbelindustrie von Januar bis März 2026 einen Gesamtumsatz von rund 1,43 Milliarden Euro, ein Plus von 3,58 Prozent. Die AMK bewertet diese Entwicklung vorsichtig. Der starke Jahresauftakt im Januar setzte sich in den Folgemonaten nicht in gleicher Weise fort. Für 2026 geht die AMK daher weiterhin von einer Seitwärtsbewegung aus. Eine nachhaltige Markterholung wird erst in den Folgejahren erwartet. „Die Zahlen zum Jahresstart sind ein positives Signal, aber noch kein Beleg für eine breite Markterholung", sagt Christian Gerwens. „Zwischen einer verbesserten Stimmung und einer tatsächlichen Kaufentscheidung liegt ein fragiler Prozess. Gerade bei größeren Investitionen wie einer neuen Küche reagieren Verbraucherinnen und Verbraucher sehr sensibel auf Unsicherheiten."

Konsumklima und Wohnungsbau bleiben zentrale Einflussfaktoren

Unsicherheiten prägen auch 2026 das gesamtwirtschaftliche Umfeld. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2026 unter der Voraussetzung einer schnellen Entspannung im Nahostkonflikt ein globales reales Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent. Für Deutschland geht das ifo Institut für Wirtschaftsforschung von einem BIP-Wachstum von 0,8 Prozent im Jahr 2026 und 1,2 Prozent im Jahr 2027 aus. In Hinblick auf das Konsumklima schlägt sich diese Perspektive bislang jedoch nur begrenzt nieder. Geopolitische Krisen, Inflationssorgen und Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung belasten insbesondere die Anschaffungsneigung, die für den Küchenkauf als langfristige Investitionsentscheidung besonders relevant ist.

Auch der Wohnungsbau bleibt ein entscheidender Faktor. Nachdem in Deutschland 2022 noch rund 300.000 neue Wohneinheiten fertiggestellt wurden, werden für 2026 voraussichtlich weniger als 200.000 Fertigstellungen erwartet. Erste positive Signale gibt es bei den Baugenehmigungen: Im Januar 2026 lagen diese um 8,4 Prozent über dem Vorjahresmonat. Zudem hat sich die Preisentwicklung bei den Baukosten wieder normalisiert.

Eine Belebung des Wohnungsmarktes könnte nach Einschätzung der AMK ab 2027 wieder stärkere Impulse für die Küchenbranche setzen. Neben dem Neubau bleibt die Modernisierung ein zentraler Nachfragetreiber. Nach AMK-Berechnungen stehen in rund 16 Millionen Wohneinheiten in Deutschland Küchen, die älter als 20 Jahre sind. Das entspricht 36 Prozent des Küchenbestands und zeigt ein erhebliches langfristiges Modernisierungspotenzial.

Ausblick: Küchenmöbel bleiben Wachstumstreiber bis 2030

Trotz der weiterhin anspruchsvollen Rahmenbedingungen rechnet die AMK mittelfristig mit positivem Wachstum. ⟵Küchenmöbel bleiben innerhalb der Möbelbranche der stabilste und wachstumsstärkste Teilmarkt. Bis 2030 wird eine positive Entwicklung erwartet; der Marktanteil von Küchenmöbeln dürfte dann nahezu 30 Prozent erreichen. Gestützt wird diese Entwicklung durch strukturelle Faktoren: Modernisierung, hochwertige Ausstattung, energieeffiziente Küchentechnik, offene Wohnkonzepte und die wachsende Bedeutung der Küche als zentraler Wohnbereich. Zudem entwickelt sich der Küchenmöbelmarkt vergleichsweise unabhängiger von kurzfristigen Konsumschwankungen als andere Möbelsegmente. „2026 wird voraussichtlich noch ein Übergangsjahr", fasst Volker Irle zusammen. „Die Branche hat sich stabil entwickelt, aber die Erholung bleibt fragil. Entscheidend wird sein, ob sich Konsumklima, Wohnungsbau und gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen weiter verbessern. Mittel- und langfristig bleibt die Küche jedoch einer der zentralen Wachstumstreiber der Möbelbranche."

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