01.09.2026

Die deutsche Möbelindustrie ist im ersten Halbjahr 2026 um 2,7 % auf einen Umsatz von 7,7 Milliarden Euro geschrumpft. Einzig die Küchenmöbelindustrie legte zu. Um 1 % auf rund 2,9 Milliarden Euro. Das gaben die Verbände der deutschen Möbelindustrie in Köln bekannt.

Verbandsgeschäftsführer Jan Kurth berichtete in Köln über die Geschäftsentwicklung der deutschen Möbelindustrie im ersten Halbjahr 2026. Foto: VDM

Die Küchenmöbelindustrie war den Verbandsangaben zufolge das einzige Segment der Branche, das im ersten Halbjahr zulegen konnte, während die übrige Möbelindustrie insgesamt Umsatz einbüßte. Insgesamt sank der Umsatz der 374 Betriebe von Januar bis Juni um 2,7 %. Besonders schwach entwickelte sich dabei das Inlandsgeschäft mit einem Minus von 4,1 % auf rund 5 Milliarden Euro, während die Auslandsumsätze mit 2,7 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahresniveau lagen. Die Exportquote kletterte um einen Prozentpunkt auf 35,2 %.

Andere Segmente deutlich unter Druck

Verhalten verlief die Entwicklung bei Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln sowie Möbelteilen, deren Umsatz um 5 % auf 2,3 Milliarden Euro zurückging. Die Polstermöbelindustrie verzeichnete ein Minus von 10 % auf 423 Millionen Euro, die Matratzenhersteller blieben um 5,1 % hinter dem Vorjahr zurück. Auch die Büro- und Ladenmöbelproduzenten mussten mit einem Rückgang von 3,5 % einen Umsatzverlust hinnehmen.

Kosten, Kurzarbeit und Wohnungsbau

Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie, beschrieb die Lage bei der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz in Köln als angespannt: „Für unsere Unternehmen bleiben die Rahmenbedingungen äußerst herausfordernd.“ Neben einem anhaltend schwachen Konsumklima belasteten steigende Material-, Energie- und Lohnkosten sowie bürokratische Anforderungen die Branche, erklärte Kurth. Hinzu kämen ausbleibende Impulse aus dem Wohnungsbau und ein wachsender internationaler Wettbewerbsdruck. Für das dritte Quartal 2026 planten einer Verbandsumfrage zufolge 40 % der Unternehmen Kurzarbeit.

1,35 Millionen Wohnungen fehlen

Einen wesentlichen Einfluss auf die Nachfrage hat nach Einschätzung Kurths der weiterhin stockende Wohnungsbau. Die Zahl der Baugenehmigungen nahm im ersten Halbjahr zwar wieder zu, die Fertigstellungen sollen laut Prognosen aber erneut sinken und deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf liegen. Weniger Neubauten und Umzüge führten unmittelbar zu einer geringeren Nachfrage nach Möbeln, so Kurth. Laut einem Bericht des Pestel-Instituts fehlen in Deutschland 1,35 Millionen Wohnungen.

Ausreichende Übergangsfristen gefordert

Einen hohen Aufwand bringen zudem die wachsenden regulatorischen Anforderungen auf europäischer Ebene mit sich. Die Umsetzung der EU-Ökodesign-Verordnung mit dem Digitalen Produktpass sowie weitere Vorgaben wie die europäische Verpackungsverordnung erfordern nach Verbandsangaben erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen. Die Möbelindustrie fordert deshalb praxisgerechte Regelungen und ausreichende Übergangsfristen, um die Nachhaltigkeitsziele wirtschaftlich umsetzen zu können.

Konzentrationen bereiten Sorgen

Sorge bereitet der Branche außerdem die fortschreitende Konzentration im Möbelhandel. „Unsere mittelständischen Möbelproduzenten sehen sich immer weniger, zugleich aber immer größeren Handelspartnern gegenüber“, stellte Kurth fest. Die geplante Übernahme der Porta-Gruppe durch XXXLutz bewertete er entsprechend kritisch.

Export uneinheitlich, Import bleibt hoch

Beim Exportgeschäft zeigten sich im ersten Halbjahr erhebliche Unterschiede bei den Top-10-Absatzregionen. Auf den drei wichtigsten Märkten – Frankreich (plus 2,6 %), Schweiz (plus 2,1 %) und den Niederlanden (plus 0,1 %) – konnten die deutschen Möbelhersteller ihre Lieferungen steigern. Auch in Belgien, Polen und Spanien gab es Zuwächse. Zu Einbußen kam es dagegen in Österreich (minus 3,3 %), dem Vereinigten Königreich (minus 6,5 %) und Italien (minus 2,6 %). Ein kräftiges Minus musste die deutsche Möbelindustrie in den Vereinigten Staaten hinnehmen, wo die Ausfuhren aufgrund der US-Zölle um fast 15 % sanken. In China kam es aufgrund der schwachen Nachfrage zu einem Minus von 2,1 %.

Der Importdruck bleibt unterdessen weiterhin hoch, auch wenn die Möbeleinfuhren in den ersten sechs Monaten um 4,3 % zurückgingen. Rund 60 % der in Deutschland verkauften Möbel stammten in diesem Zeitraum aus dem Ausland. Im Jahr 2019 hatte der Importanteil erst bei 44 % gelegen. Die mit weitem Abstand größten Lieferländer China (minus 2,4 %) und Polen (minus 1,5 %) mussten im ersten Halbjahr leichte Abschläge hinnehmen. Zusammen stehen sie für 60 % der Möbelimporte. Auch aus Italien, der Türkei, Vietnam und Rumänien wurden weniger Möbel eingeführt. 

„Beim Blick nach China sollten wir nicht naiv sein: Dort werden Produktion und Export staatlich gelenkt und subventioniert“, sagte Kurth. Die aktuelle Schwemme chinesischer Importware sei kein Zufall und auch auf eine massiv unterbewertete chinesische Währung zurückzuführen, so der Verbandsgeschäftsführer. Er forderte auf EU-Ebene eine Diskussion um die Einführung allgemeiner Schutzzölle.

Vorsichtiger Blick auf das Gesamtjahr

Trotz des herausfordernden Marktumfelds sieht Kurth dennoch gute Perspektiven für die deutschen Hersteller. Wachstumspotenziale lägen insbesondere in der Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen, in neuen Vertriebswegen, im Objektgeschäft und in einer stärkeren internationalen Ausrichtung. „Möbel ‚Made in Germany‘ stehen für hohe handwerkliche und industrielle Kompetenz, erstklassige Qualität, verantwortungsvolle Produktionsbedingungen, kurze Transportwege und verlässliche Lieferketten“, sagte Kurth. Diese Stärken gelte es noch stärker sichtbar zu machen, und die Attraktivität der Produkte für Verbraucher weiter zu erhöhen.

Für das Gesamtjahr 2026 bleibt der Verband trotzdem vorsichtig. „Wir rechnen mit einem Umsatzrückgang von rund 3 %“, prognostizierte Kurth. Die Mehrheit der Hersteller erwarte im weiteren Jahresverlauf keine spürbare Belebung der Nachfrage über die üblichen Saisoneffekte hinaus.

www.moebelindustrie.de