Markteinführung ausgesetzt
Kesseböhmer und Häfele entwickeln und produzieren Klappenbeschläge für Küchenmöbel bereits seit 2009 gemeinsam in einem Joint Venture. Produziert wird in der Nähe von Budapest. Am Markt treten beide Unternehmen getrennt auf. Kesseböhmer vertreibt das Produkt vorrangig an die Industrie, Häfele beliefert Handwerk und Handel. Kernstück der Entwicklung ist die patentierte U-Feder. Sie speichert auf acht Millimetern Bauraum so viel Kraft, dass sich der Beschlag vollständig in eine 16 Millimeter starke Seitenwand integrieren lässt und zugleich die Zahl der benötigten Varianten senkt. Der Red Dot Award: Product Design 2026 zeichnete das Ergebnis in der Kategorie „Best of the Best“ aus.
Zurückhaltende Investitionen bremsen die Einführung
Ausschlaggebend für die Pause ist nach Angaben beider Unternehmen die verhaltene Investitionsbereitschaft im Markt, verschärft durch gestiegene Rohstoff- und Energiekosten. Der Markthochlauf für neue Beschlaggenerationen habe sich zudem deutlich verzögert. Nach Angaben von Kesseböhmer setzte die deutsche Möbelindustrie im ersten Halbjahr 2026 rund 2,7 Prozent weniger um als im Vorjahr, die Küchenmöbelindustrie habe sich dabei erneut als stabilstes Segment behauptet.
Oliver Kesseböhmer, CEO der Kesseböhmer Unternehmensgruppe, sagt: „Ein Familienunternehmen denkt langfristig und nachhaltig, nicht in Produktzyklen. Mit ‚Free Slim‘ haben wir technisch alles erreicht, was wir uns vorgenommen hatten.“ Eine Innovation trage sich aber erst, wenn der Markt bereit sei, in sie zu investieren. Diese Bereitschaft sei heute nicht gegeben, so Kesseböhmer weiter. „Eine richtige Entscheidung von gestern ist deshalb nicht automatisch die richtige von heute. Dieser Schritt fällt uns nicht leicht, ist aber Ausdruck der Verantwortung, die wir für dieses Unternehmen tragen. Was morgen möglich ist, bestimmt der Markt.“
„Die Entscheidung folgt unserem Anspruch einer verantwortungsvollen Unternehmensführung“, kommentiert Gregor Riekena, CEO der Häfele Gruppe, die Entscheidung. „Innovation braucht den Mut zu investieren – genauso braucht es die Konsequenz, Investitionsentscheidungen an veränderten Marktrealitäten und belastbaren wirtschaftlichen Erkenntnissen neu auszurichten. Unsere Ambition bleibt dabei unverändert. Was wir anpassen, sind nicht unsere Ziele, sondern der richtige Zeitpunkt und der richtige Weg, sie wirtschaftlich erfolgreich zu erreichen.“
Was im Markt bleibt
Am bestehenden Sortiment ändert sich nichts. Bei Kesseböhmer bleiben die Klappenbeschläge „Duo“, „Maxi“, „FreeSpace“ und „Free Light“ unverändert im Programm. Laufende Projekte sind von der Entscheidung nicht betroffen. Der „Free Slim flap“ bleibt ebenfalls im Markt, bei Häfele allerdings nur in Deutschland. International pausiert der Konzern auch dieses bereits eingeführte Modell. Die im Projekt entstandenen Patente, Entwicklungen und Produktionskompetenzen bleiben bei beiden Unternehmen erhalten. Kesseböhmer und Häfele wollen sie als technologische Basis für künftige Beschlaggenerationen nutzen.


