KI, Mailand und der Handel im Erfahrungsgefängnis
Gastgeberin Catrin de Louw und Trendforscherin Alina Schartner. Foto: Trendfilter
Johannes Hofmann (jh artwork, Hamburg) eröffnete mit einer These, die das Thema KI-Transformation anders fasst als gewohnt. Die eigentliche Herausforderung sei organisatorischer und kultureller Art. Nach einer von Hofmann zitierten Analyse der Boston Consulting Group entfallen lediglich 20 Prozent der notwendigen Ressourcen auf technische Infrastruktur und zehn Prozent auf KI-Modelle; rund 70 Prozent müssten in Menschen, Prozesse und Kultur investiert werden. Tatsächliche Produktivitätssteigerungen durch KI lägen derzeit bei rund 20 Prozent, viele Effizienzversprechen würden überschätzt. „KI kann Markenwerte fördern, aber auch bedrohen", sagte Hofmann. „KI ist Chefsache", betonte er.
Drei Stilrichtungen und die Rückkehr der Emotion
Trendforscherin Alina Schartner analysierte die Milan Design Week und identifizierte Minimalismus, Maximalismus und den Midimalismus als die derzeit prägenden Stilrichtungen. Letzterer verbindet beide Pole, indem er Zurückhaltung und Opulenz bewusst kombiniert. Als übergreifendes Leitmotiv sieht Schartner die Rückkehr des Emotionalen: Design soll wieder stärker berühren. Zu den auffälligsten Tendenzen zählt sie die „Jewellerification" des Interior Designs, bei der Möbel und Einrichtungsobjekte zunehmend Gestaltungselemente aus der Schmuckwelt übernehmen. Bei Farben dominiert Rot in nahezu allen Nuancen; warmtonige Metalle wie Messing und Kupfer gewinnen gegenüber Edelstahl an Bedeutung.
Wenn Relevanz verloren geht, bleibt der Preis
Handelsexpertin Angelika Schindler-Obenhaus hielt der Möbelbranche ohne Präsentationsfolien den Spiegel vor. Ihr Kernbefund: Verlieren Marken an Relevanz, bleibt als Differenzierungsmerkmal häufig nur noch der Preis. „Preiskampf bedeutet immer, dass an anderer Stelle Wert verloren gegangen ist", sagte sie. Die Ursachen lägen in jahrzehntelangen Fehlentwicklungen: Standardisierung, Bestseller-Fokussierung, falsch getaktete Warenpräsenz, Factory-Outlet-Center und schließlich die Direktvermarktung der Hersteller als Konkurrenz zum Fachhandel. „Aus Partnerschaft wurde Konkurrenz. Aus einer Win-win-Beziehung wurde Kannibalisierung." Als Kern der Antwort darauf benannte sie die Verkaufsfläche: „Die Verkaufsfläche ist Bühne und kein Warenlager."
Greenlam Laminates neues Netzwerkmitglied
Im Rahmen des Newstickers stellte sich Greenlam Laminates als neues Mitglied im Netzwerk vor. Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten Herstellern von Hochdruckschichtstoffen (HPL) und hält in Asien einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Das europäische Geschäft wird von Lippstadt aus gesteuert, ein Zentrallager in Seevetal bevorratet dauerhaft Waren im Wert von 3,5 Millionen Euro. Greenlam arbeitet daran, petrochemische Bestandteile in Harzsystemen schrittweise durch natürliche Rohstoffe zu ersetzen, darunter Bestandteile aus Cashewschalen.
Mehr Emotionen
Zum Abschluss zog Gastgeberin Katrin de Louw ein übergreifendes Fazit des Veranstaltungstages. „Nach diesen Vorträgen diagnostizieren wir mehr denn je ein Defizit an Emotionen – im Handel, im Design und entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“ Dass dieses Defizit immer sichtbarer werde, sei auch eine Folge der zunehmenden Digitalisierung und der allgegenwärtigen Präsenz von Künstlicher Intelligenz.
Die nächste Veranstaltung des FURNITURE FUTURE FORUM findet am 12. November 2026 statt. Das Forum lädt zu den „MÖBELVISIONEN 2027" ein; erstmals wird die neue Trendfarbe „Sustained Color No. 10" des COLORNETWORK vorgestellt.
Ein ausführlicher Beitrag über die Veranstaltung folgt in KÜCHENPLANER 7/8 2026.