Investieren gegen die Flaute

Die Umsatzentwicklung und den operativen Cashflow bezeichnete Gruppenleitungssprecher Thomas Leissing (Foto) als stabil. „Aber für das, was wir investieren, ist es zu wenig.“ Foto: Bildschirmfoto
„Nach ersten positiven Anzeichen in einigen Märkten wurde die Hoffnung auf gesamtwirtschaftliche Stabilisierung durch die geopolitischen Spannungen im Frühjahr 2026 wieder deutlich abgeschwächt“, kommentierte Thomas Leissing, Sprecher der Gruppenleitung und Gruppenleiter Finanzen/Verwaltung, das Geschäftsjahr, das am 30. April ablief. Konkret meinte er den Krieg im Iran und als eine der Folgen die Behinderungen des Seewegs in der Straße von Hormus. Dennoch demonstrierte er Zuversicht und Selbstbewusstsein: „In einem Umfeld, das von Unsicherheit und hoher Dynamik geprägt war, konnten wir eine stabile Entwicklung erzielen. Das verdanken wir unseren verlässlichen Partnerschaften und dem großen Einsatz unserer rund 12.000 Mitarbeitenden weltweit.“
Der Umsatz der Egger Gruppe stieg um 3,4 Prozent. Das EBITDA blieb mit einem Plus von 0,1 Prozent nahezu unverändert, die EBITDA-Marge sank leicht auf 12,7 Prozent (Vorjahr: 13,1 Prozent). Die Eigenkapitalquote hielt sich stabil bei 41,6 Prozent. Gruppenweit produzierte Egger 10,9 Millionen Kubikmeter Holzwerkstoffe und Schnittholz, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr (10,8 Millionen).
4 % Plus mit dekorativen Produkten
Uneinheitlich entwickelten sich die beiden Produktbereiche von Egger. Decorative Products, das Segment für Möbel- und Innenausbau, wuchs unkonsolidiert um 4,0 Prozent auf 3.794,9 Millionen Euro. Building Products, zuständig für konstruktiven Holzbau und Fußboden, kam auf 714,0 Millionen Euro (+1,2 Prozent), gebremst nach Unternehmensangaben von der anhaltend schwachen Bauwirtschaft. Am herausforderndsten gestaltete sich die Lage laut Egger im deutschsprachigen Raum, wo hoher Margen- und Mengendruck vor allem bei industriellen Abnehmern lastet.
Investitionen im großen Stil
Auch im schwierigen Marktumfeld hielt Egger an seiner langjährigen Investitionsstrategie fest. 450,1 Millionen Euro flossen im Geschäftsjahr 2025/2026 in die industrielle Basis, Veredelungskapazitäten, Automatisierung, Energieversorgung und Kreislaufwirtschaft (Vorjahr: 435,0 Millionen Euro). Größtes Einzelprojekt bleibt der Ausbau des Werks Markt Bibart in Deutschland, in den Egger über drei Jahre mehr als 200 Millionen Euro investiert. Dort nahmen im Berichtsjahr zwei Kurztaktpressen den Betrieb auf, seither entstehen am Standort neben Rohspanplatten auch beschichtete dekorative Platten.
Kraftwerk setzt neuen Maßstab
Am Stammsitz von Egger in St. Johann in Tirol ging im Mai 2026 zudem das neue Kraftwerk erstmals ans Netz. Es soll künftig einen wesentlichen Beitrag zur erneuerbaren Energieversorgung des Standorts sowie zur regionalen Fernwärme leisten. 71 Prozent des Energieverbrauchs der Gruppe stammen mittlerweile aus erneuerbaren Quellen, beim Holzeinsatz liegt der Recyclinganteil gruppenweit bei 66 Prozent, in der Spanplattenproduktion bei 76 Prozent.
„Volatilität ist längst kein kurzfristiges Ausnahmephänomen mehr“, erklärte Hannes Mitterweissacher, Gruppenleitung Technik/Produktion, mit Blick auf die durch den Iran-Konflikt gestiegenen Kosten für Holz und chemische Rohstoffe. „Deshalb stärken wir gezielt die Grundlagen unseres Geschäfts mit einer leistungsfähigen Produktionsinfrastruktur, effizienten Prozessen, mehr Holz aus der Kreislaufwirtschaft und gezielten Investitionen in unsere Standorte.“
Ausblick bleibt verhalten
Für das laufende Geschäftsjahr 2026/2027 rechnet Egger nicht mit einer spürbaren Erholung der Märkte. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen blieben herausfordernd, ein breiter konjunktureller Aufschwung sei derzeit nicht erkennbar, hieß es. „Wir bleiben realistisch. Gleichzeitig wissen wir, dass Egger gut aufgestellt ist, und zwar mit einer starken industriellen Basis, klaren Prioritäten, einer stabilen finanziellen Basis und dem besten Team mit großer Tatkraft“, so Leissing.
Den vollständigen Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht zum Geschäftsjahr 2025/2026 veröffentlicht Egger online:https://www.egger.com/de/ueber-uns/credit-relations/?country=DE.