09.06.2026

Mehr Aufmerksamkeit für Neugründer

Auf der Jahreshauptversammlung in Köln hatte Küchenring-Geschäftsführer Marcus Roth seinen ersten öffentlichen Auftritt. Seine zentralen Themen: Den Zusammenhalt der Gesellschafter weiter fördern und noch mehr Menschen für die Küchenbranche begeistern. Wieder steigende Umsatzzahlen geben Rückenwind.

„Wir werden keine sichtbare Marke und werden auch keine Dachmarkenstrategie verfolgen.“ Marcus Roth, Geschäftsführer Küchenring. Foto: Biermann

„Der Tag wird kommen, an dem es wieder aufwärts geht“, sagte Marko Steinmeier, kaufmännischer Geschäftsführer Küchenring, mit Blick auf die schwierige Stimmungslage in der Wirtschaft allgemein und in der Küchenbranche. Foto: Biermann

Dieser Beitrag ist in KÜCHENPLANER 5/6 2026 erschienen.
 


Marcus Roth führt den Rheinbacher Einkaufs- und Marketingverband seit dem 1. Dezember 2025. Als Geschäftsführer für Vertrieb, Marketing und Einkauf arbeitet er eng mit Marko Steinmeier, kaufmännischer Geschäftsführer, zusammen sowie mit Bernhard Achleitner, der die österreichischen Gesellschafter verantwortet. Nach 27 Jahren in der Industrie, zuletzt in verantwortlicher Vertriebsfunktion in der Geschäftsführung bei Häcker Küchen, beschreibt er den Wechsel so: „Ich habe genau das gefunden, was ich gesucht habe: ein tolles Team und einen echten Perspektivwechsel auf die andere Seite des Verhandlungstisches."
Roths Vorgänger Jürgen Feldmann hatte den Verband vor gut einem Jahr nach Diskrepanzen mit dem Beirat Knall auf Fall verlassen und gegen die fristlose Kündigung geklagt. Inzwischen einigten sich die Parteien auf einen Vergleich. Dieser spricht dem geschassten Geschäftsführer 40 % der Vergütung seines ursprünglich bis 31. Dezember 2028 laufenden Vertrages zu. Laut Beiratsvorsitzendem Michael Kraup haben sich beide Parteien zu einer Mäßigung in der Kommunikation verpflichtet. Im Protokoll des Landgerichts Bonn heiße es wörtlich, „auf das Waschen schmutziger Wäsche zu verzichten“. Der Vergleich datiert vom 5. März 2026.

Kurve dreht nach zwei schwachen Jahren
Der jetzt gemeldete Umsatzanstieg auf 573 Mio. Euro (+5,4 %) ist die erste Positivbewegung nach dem Allzeithoch von 694 Mio. Euro im Jahr 2022. Anschließend war der regulierte Umsatz der Verbundgruppe zwei Jahre in Folge zurückgegangen. Auf 604 Mio. (2023) und 543 Mio. (2024). Der Wert von 573 Mio. Euro für 2025 liegt damit noch deutlich unter dem Niveau der Boomjahre, markiert aber eine erste Gegenbewegung. Treiber ist die Hinwendung zur Qualitätsküche. Während Discounter und SB-Händler stark zu kämpfen haben, sieht die Lage bei Küchenspezialisten nicht ganz so trübe aus. „Ab über 10.000 Euro geht langsam die Sonne auf“, kommentierte Marko Steinmeier die Marktgegebenheiten, die allerdings weiter von schwierigen Rahmenbedingungen und gedrückter Stimmung geprägt bleiben. Alle Umsatzzahlen sind fakturierte Umsätze inklusive Mehrwertsteuer.
Aktuell zählt Der Küchenring 762 Gesellschafter in Deutschland und Österreich mit über 850 Standorten. 54 Neuzugängen im vergangenen Jahr stehen 21 Abgängen gegenüber, davon 18 durch Geschäftsaufgaben oder Insolvenzen. Drei weitere Gesellschafter wechselten zu anderen Verbänden.

Marktmacht im Verbund
Eingeordnet werden müssen die Zahlen in den Verbund mit Alliance und KüchenTreff. Seit 2020 kooperieren die drei Verbände in ausgewählten Leistungsbereichen mit Schwerpunkt Einkauf. Summiert kommen die Partner auf 2.095 Standorte in Europa und ein gemeinsames Einkaufsvolumen von 1,073 Mrd. Euro. Das ist laut Marko Steinmeier ein Plus von 3,97 % gegenüber 2024. Alle drei Verbände zusammen konnten ihren „Gesamtumsatz Küchenmöbel“ um 4,3 % auf 612,6 Mio. Euro (gerundet) steigern. Im Bereich Elektrogeräte steht ein Plus von 2,3 % auf 349,2 Mio. Euro, im Segment Spülen ein Plus von 6,3 % auf 65,3 Mio. Euro und im Zubehör inklusive Arbeitsplatten ein Plus von 10,9 % auf 49,8 Mio. Euro. Hauptlieferanten der jeweiligen Produktsegmente sind weiterhin Häcker Küchen, Miele, Blanco und Naber. Kooperationsintern liefen die Küchengeschäfte für den KüchenTreff im Jahr 2025 am besten (+7,35 %), gefolgt von Der Küchenring (+5,42 %) und Alliance (-0,68 %).

Eigenständigkeit trotz Kooperation
Auf Nachfrage unterstrich Marcus Roth, dass jeder der drei Verbände seine eigene Identität und Positionierung behält. Auch wenn der gemeinsame Einkauf intensiviert und die Kosten durch zusätzliche Synergien weiter gesenkt werden können. Bei seiner von Applaus begleiteten Antrittsrede vor den Gesellschaftern bekräftigte Marcus Roth: „Wir sind in erster Linie ein Einkaufsverband und leben von unseren Ausschüttungen.“ Diese beliefen sich für das Geschäftsjahr für die Küchenring-Gesellschafter auf 79,865 Mio. Euro. Nach 72,037 (2024), 81,483 (2023) und 90,070 (2022). Und eine weitere klare Aussage: „Der Küchenring wird keine sichtbare Marke und wir werden auch keine Dachmarkenstrategie verfolgen.“

Neugründer im Fokus
In den ersten Monaten seiner Amtszeit hat Marcus Roth zwei zentrale Themen ausgemacht, denen er eine besondere Aufmerksamkeit widmen wird. Die weitere Förderung der internen Kommunikation und des Erfahrungsaustauschs unter den Gesellschaftern sowie die Unterstützung von Neugründungen. Nach den 54 Neuzugängen im Jahr 2025 konnte der Verband im laufenden Jahr bis Anfang Mai 32 weitere neue Partner begrüßen. Gemeinsam mit Industriepartnern wie Nobilia, Schüller, Häcker und Blanco wurde ein Konzept entwickelt, das Neugründern die nötige Liquidität und das unternehmerische Knowhow verschaffen soll, um im Küchenhandel erfolgreich Fuß zu fassen. Aus Perspektive des Küchenrings soll die Unterstützung gewährleisten, die neuen Gesellschafter schnell fit für die Zentralregulierung zu machen. Nach Verbandsangaben sind bereits erste Effekte erkennbar. Details nennt der Verband nicht, spricht aber davon, dass der Kreis der Industriepartner, die das Neugründerkonzept individuell unterstützen, größer wird. Konkrete Gespräche laufen.

Marketingportal und Studiokonzept
Im Selbstverständnis, „in erster Linie ein Einkaufsverband zu sein“, haben begleitende Marketingaktivitäten dennoch ihren Platz. Sofern sie sich durch Effizienz beweisen. Was das bisher genutzte Marketingportal, das auf der Jahreshauptversammlung vor zwei Jahren vorgestellt wurde, offensichtlich nicht konnte. Denn der Küchenring hat den Dienstleister gewechselt und arbeitet künftig mit der KI-gestützten Plattform von Kooperationspartner KüchenTreff. Gesellschafter sollen über diese Plattform Social-Media-Beiträge auf Facebook, Instagram und LinkedIn automatisiert veröffentlichen können. Auch Google-Werbung und Printmaterialien werden über das Portal abgewickelt; ein Website-Baustein soll folgen.
Überarbeitet wurde zudem das Studiokonzept „System Plus 1". Ein neues Farb- und Dekorationskonzept soll gemeinsam mit dem Ladenbaupartner vorgestellt werden, ergänzt durch auf Ausstellungsküchen abgestimmte POS-Materialien.
Die nächste Jahreshauptversammlung findet am 22. und 23. Mai 2027 in München statt.

Dirk Biermann

 



Küchenplaner des Jahres
Ein Ausdruck der Strategie, mehr und laut Marcus Roth besonders auch junge Menschen für die Branche zu begeistern, ist die Unterstützung der Möbelfachschule (MöFa) in Köln. So erhielten acht Studierende nun die Möglichkeit, als Jury des Wettbewerbs „Küchenplaner des Jahres“ zu fungieren. Auf der Jahreshauptversammlung stellten Kim Schenk und Schulleiterin Sabine Gantzkow das Jury-Projekt vor. Eingereicht wurden 42 Planungen. Die Gewinner in drei Kategorien erhielten je ein Werbepaket im Wert von 2.500 Euro sowie ein iPhone 17 für die ausgezeichnete Planungsfachkraft:

  • Bis 12 m²: Küchen Concept, Thomas Kruse, Heßdorf
  • Bis 20 m²: Küchen Wurzbach GmbH, Frank Wurzbach, Saalfeld-Beulwitz
  • Ab 20 m²: Moderne Küchen, Johannes Hutterer, Laakirchen (Österreich)