21.01.2011

Die Welt schillert Grün. Wofür Ökos 30 Jahre lang milde belächelt oder dogmatisch angefeindet wurden, klappt nun wie am Schnürchen. Seitdem mit Bio Geld zu verdienen ist, hat die Wirtschaft dem in Wohlstand schwelgenden Teil der Menschheit ihr ökologisch korrektes Gewissen nahe bringen können. Das Öko-Bürgertum schwärmt nun nicht mehr allein theoretisch bei einem süffigen 98er Chianti von Stoffbeuteln beim Brötchenkauf, nein, die modernen Einkaufsaktivisten haben ihr Verhalten den weinseligen Absichtsbekundungen angepasst. Wie einst der junge Kommissar Rex schnüffelt eine neue Generation Konsumenten dynamisch durch Supermärkte und Naturkostläden. Die Objekte der Begierde: Öko-Siegel, Bio-Zertifikate und Fair Trade-Bescheinigungen. Wer die­se im Einzelfall ausgestellt hat und was sich dahinter verbirgt? Jetzt mal keine Spitzfindigkeiten. Blöd nur, dass die ökologisch korrekten Artikel teurer sind, als die vertraute Discount-Ware unbestimmter Herkunft. Aber für den Wochenendeinkauf bei Penny, Netto, Lidl oder Aldi kann man ja den Stadtteil wechseln. Oder das Internet nutzen. Da gibt es keine wachsamen Nachbarschaftsbrigaden, die an der Supermarktkasse den unbedachten Fehleinkauf mit einem forschen „Ach, Du kaufst ‚gut und billig’?“ quittieren und ein aussagekräftiges „so, so“ folgen lassen.

Im Küchenhandel prangen dem guten Gewissen immer häufiger die Buchstabenkombinationen PEFC® oder FSC® auf der frontgewordenen Stirn. Als Kürzel für nachhaltige Forstwirtschaft. Dies ist zweifelfrei sehr zu begrüßen und eine ebenso willkommene wie tragfähige Entscheidungshilfe für den digitalisierten 2.0-Kunden, der sich angewöhnt hat, die finale Küchenbestellung im ‚First Life’ über einige Jahre im ‚Second Life’ vorzubereiten. Zeit benötigt dieser Prozess wahrlich, denn die Vielfalt an Informationen, Erfahrungsberichten und Bewertungsforen im Internet ist ­enorm. Wer schon einmal versucht hat, es auszudrucken, weiß wovon die Rede ist. Andererseits: Sofern es sich nicht um den Lebensmittelkauf handelt, ist der bis zum Stehkragen informierte Kunde alles andere als blauäugig. Agiert das Unternehmen wirklich nachhaltig auf allen Ebenen? Oder prangt da etwa nur ein glanzloser Abklatsch auf der weißen Hochglanzfläche? Die Gemeindemitglieder bei Face­book, ­Twitter, ­MySpace, Lokalisten, Stayfriends, Xing, Studi-VZ und ­LinkedID werden Rat wissen. Als Händler sollte man darauf vorbereitet sein, wenn dieser Kunde 14 Monate später den Laden tatsächlich betritt. Wie sattelfest sind Ihre grünen Wurzeln? Unser Kurz-Test gibt Auskunft.

1. Der automatische Stromsparmodus des Espresso-Vollautomaten ist deaktiviert, damit es stets auf Knopfdruck frischen Kaffee gibt.
a)     Das darf doch nicht wahr sein. Wo ist die Bedienungsanleitung?
b)     Unsere Praktikantin sagt, das muss so sein.
c)     Ist mir schnuppe.

2. Auch Tagsüber brennt bei uns in allen Räumen das Licht.
a)     Und ich hab’ bei der letzten Weihnachtsfeier extra gesagt: Der Letzte macht immer das Licht aus.
b)     Unser Buchhalter leidet unter Winterdepressionen, der braucht das.
c)     Ist mir schnuppe.

3. Jeder Mitarbeiter hat einen eigenen Drucker und ein eigenes Faxgerät.
a)     Wiiiie bitte?
b)     Der Betriebsrat sagt, die Gewerkschaft sagt, dass das im Arbeitnehmerschutzgesetz steht.
c)     Ist mir schnuppe.

Haben Sie mehrheitlich a) angekreuzt? Ihr guter Wille und Ihre Handlungsbereitschaft sind famos. Weiter so!
Sie finden sich eher bei b) wieder? Herzlichen Glückwunsch: Sie sind als kollegialer Typ bei Ihren Mitarbeitern beliebt, wissen was Arbeitsteilung ist, und verstehen zu delegieren. Wenn Sie sich ab und zu daran erinnern, als Chef die Richtung vorzugeben, würde dies Ihr Profil zusätzlich schärfen.
Sie sind der c)-Typ? Nun. Sie haben Entwicklungspotenzial. Trauen Sie sich.
Verlag und Redaktion wünschen Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit, angenehme Weihnachten und einen unfallfreien Rutsch.

Dirk Biermann, Chefredakteur
d.biermann@kuechenplaner-magazin.de

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