13.05.2015

Bei der Möbeltechnik geht es in diesen Tagen viel um Individualität und modulare Plattformkonzepte. Damit lässt sich das Kücheninnenleben nach Kundenwunsch gestalten und Küchenmöbelhersteller können ihren Küchen vergleichsweise kostengünstig ein eigenes Gesicht geben, um sich so mit ihrem Angebot zu differenzieren. Ersparnisse in Fertigung und Logistik kommen hinzu. Die Möbelzulieferer haben ihre Hausaufgaben vorbildlich gemacht und bieten durch diese Vorarbeit einen Mehrwert für alle Beteiligte der Wertschöpfungskette.

An vier Messetagen besuchten 57.500 Fachbesucher die interzum 2015. Zu sehen gab es eine Menge: 1.561 Unternehmen präsentierten ihre Produkte, Studien und Konzepte. Foto: Biermann

Deutlich wurde auf der interzum 2015 in Köln: Das Auszugsdesign wird immer filigraner und wenn es das Marktsegment erlaubt gern per Unterflurtechnik realisiert, die Tage der doppelwandigen Auszugsysteme sind dennoch längst nicht gezählt. Ganz im Gegenteil: Blum modernisierte seine bewährte „Tandembox“, Hettich spendierte „InnoTech Atira“ ein modernes, eckiges Zargendesign und Grass präsentierte mit der „NovaPro Scala“ eine ganz besondere Designversion in dieser Bauart. „Scala“ zeigt sich ausnehmend schlank und kann mit verschieden gestalteten Zargen-Elementen bestückt werden. Frei nach dem Motto: „Individualisierung leicht gemacht.“

Montagefreundlich konzipiert
Auch bei Samet (mit den neuen Auszugssysteme "Smartflow" und "alphabox") und besonders bei Hettich drehte sich auf der interzum viel um den Schubkasten. Mit „ArciTech“ präsentierte das Unternehmen aus Kirchlengern schon vor zwei Jahren ein montagefreundlich konzipiertes Plattformkonzept, nun folgte neben den „InnoTech Atira“-Neuerungen das besonders puristisch und edel wirkende Unterflur-Schubkastensystem „AvanTech“ aus Aluminium. Für die Abrundung nach oben. Ebenfalls neu bei Hettich ist das Führungssystem „Actro 5D“, mit dem sich besonders schmale Fugen von gerade einmal einem Millimeter realisieren lassen – dank Einstellmöglichkeiten in fünf Dimensionen.

Reiheinweise Highlights
Weitere „Messe-Highlights“ aus dem Segment „Beschläge & Innenausstattung“ sind aus Sicht des KÜCHENPLANERS beispielhaft der höhenverstellbare Komfortbeschlag „iMove“ für den Oberschrank von Kesseböhmer, der optisch flexibel gestaltbare Apothekerauszug „Dispensa edition“, ebenfalls Kesseböhmer, das Scharnier-Konzept „Air“ sowie der eminent schlanke 9-mm-Alu-Auszug „Lineabox“ von Salice, die Premiere von „Tip-On Blumotion“ bei Blum, die Inneneinteilung „Tavinea 91“ von Grass sowie „TrendLine“ von Ninka für ein durchgehendes Innendesign.

Emotionale Umsetzung
Schon mehr als eine reine Produktneuheit ist „Cornerstone“ von Vauth-Sagel. Der Hersteller aus dem Weserbergland hat festgestellt, dass die Küchenecke entgegenläufiger Vermutung noch immer viel zu häufig planerisch vernachlässigt wird. Nun wurde ein Konzeptpaket geschnürt, um dieses Umsatzfeld zu erschließen – plattformgerecht umgesetzt auf Basis der Inhouse-Materialkompetenz und präsentiert in vier emotionalen Lebenswelten. Eine Präsentation, die begeisterte, und mit der sich das Unternehmen im Vergleich zu früheren Messeauftritten völlig neu darstellte.
Auch Blum hat sich einem Planungskonzept strategisch genähert und auf der interzum gezeigt, wie sich „echte“ grifflose Planungen mit einheitlich schmalen Frontfugen von lediglich 2,5 mm realisieren lassen - „perfekt bewegt“ wahlweise mit Klappen, Auszügen und Scharnieren.

Die prägenden Trends

  • Individualisierung: Vielfalt in allen Bereichen, auch Losgröße eins. Neue, mutige Kombinationen, verrückte Ideen, Trends von übermorgen für Farben, Dekore, Designs, Muster. Große Designkompetenz trotz technischer Hauptfunktion.
  • Materialeinsparung: Von der Schraube, über die Leichtbauplatte, über den Lederzuschnitt hin zu intelligenten Schaumstoffen/Schäumen von der Natur inspiriert, mit Hohlräumen und trotzdem stabil.
  • Ressourcenschonung: technische Weiterentwicklung von Materialien sowie von Herstellungs- und Recyclingverfahren.
  • Demografischer Wandel/Mobilität: Aufstehhilfen, Rollen, Beschläge zum einfachen auseinandernehmen und dem Transport von Sofas, einfache Bedienbarkeit und viel Komfort.
  • Konnektivität: Apps, Bluetooth und W-LAN für Lichtsteuerung, Möbelschlösser, Höhenverstellbarkeit. Auch immer mehr Software für individuelle Bestellung,
  • Beispiel: Matratzenhärte.
  • Zukunftstechnologien: 3-D-Drucker: Eine Technologie, die gerade dazu ansetzt in vielen Bereichen der Produktion und vor allem im Design Einzug zu halten.

Details zu diesen und vielen weiteren interzum-Neuheiten aus den Bereichen „Möbeltechnik“ und „Oberflächen & Dekore“ lesen Sie in der Ausgabe KÜCHENPLANER 5/6 2015; Rubrik „Küchenfertigung“. Erscheinungstermin ist der 5. Juni 2015.

Besucherplus trotz Bahnstreik
Über 57.500 Fachbesucher aus 143 Ländern zählte die Messegesellschaft an den vier Messetagen. Das bedeutet ein Plus von 8,5% im Vergleich zu 2013. Angesichts des deutschlandweiten Bahnstreiks während des gesamten Messeverlaufs ein Top-Ergebnis. Der von der Koelnmesse kurzfristig organisierte Shuttle-Service ab den Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf sowie der Möbelregion Ostwestfalen sei sehr gut angenommen worden und sicherte so einen reibungslosen Transfer der Besucher nach Köln. „Das Plus bei den Besuchern spricht nicht nur für die Attraktivität der gezeigten Innovationen und Lösungen unserer Aussteller, sondern unterstreicht auch die Bedeutung der interzum für die Branche. Es gibt weltweit keine zweite Veranstaltung, die so wichtige innovative und wirtschaftliche Impulse für diese Industrie setzt wie die interzum,“ so das Fazit von Katharina C. Hamma, Geschäftsführerin der Koelnmesse.
Mit 41.000 Besuchern aus dem Ausland (plus 17%) war die interzum 2015 wieder eine sehr internationale Messe. Zum einen kamen deutlich mehr Besucher aus Europa, hier vor allem aus Italien und den traditionell starken Ländern Großbritannien, Spanien, den Niederlanden sowie aus Polen, zum anderen wurde ein deutliches Plus bei Messegästen aus Asien, hier besonders aus China, registriert. Sehr gut entwickelt haben sich auch die Besucherzahlen aus den USA (plus 25%), Südamerika (plus 21%) und Indien (plus 34%).
Mit 1.561 Unternehmen aus 57 Ländern waren in Köln nicht nur alle marktführenden Unternehmen vertreten, sondern auch viele kleine Ideenschmieden.
Die nächste interzum findet vom 16. bis 19. Mai 2017 statt. Wieder in Köln.

www.interzum.de