20.05.2026

Küchen im Plus, Möbel im Minus

Die deutsche Möbelindustrie hat das erste Quartal 2026 mit einem Umsatzrückgang von 3% abgeschlossen. Rund 3,8 Mrd. Euro setzte die Branche laut amtlicher Statistik um. Die Küchenmöbelindustrie bildet die Ausnahme: Ihr Umsatz stieg um 3,6% auf rund 1,4 Mrd. Euro.

Während die Möbelindustrie in Summe erneut an Umsatz verliert, kann die Küchenmöbelindustrie im 1. Quartal 2026 wieder leicht zulegen. (Foto: Blick in die Produktion bei Ballerina-Küchen). Foto: Biermann

Vor allem der Heimatmarkt der Möbelindustrie kommt nicht in Fahrt. Der Inlandsumsatz sank um 4,7% auf rund 2,5 Mrd. Euro, während das Auslandsgeschäft mit einem minimalen Plus von 0,3% auf rund 1,3 Mrd. Euro knapp im positiven Bereich blieb.
 
Alle Segmente im Minus
Außer der Küchenmöbelindustrie verzeichneten sämtliche Möbelsegmente teils kräftige Einbußen. Sonstige Möbel und Möbelteile (Wohn-, Ess- und Schlafzimmer) verloren 7,7 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro. Polstermöbel brachen um 9 Prozent auf 221 Millionen Euro ein, Büromöbel um 5 Prozent auf 464 Millionen Euro, Ladenmöbel um 3,8 Prozent auf 432 Millionen Euro. Die Matratzenindustrie als kleinstes Segment meldete ein Minus von 8 Prozent auf 110 Millionen Euro. Die Zahl der Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten sank im Quartalsdurchschnitt um 6,5 Prozent auf 374, die Zahl der Beschäftigten um 5,2 Prozent auf 65.454.
 
Kostendruck von mehreren Seiten
Zum schwachen Konsumklima kommen steigende Produktionskosten. Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der Deutschen Möbelindustrie, verweist auf Preiserhöhungen bei Spanplatten, Metallbeschlägen, Polsterschäumen und Logistikdienstleistungen. Die Ursache sieht er auch im geopolitischen Umfeld: „Der Anstieg der Inflationsrate infolge der Verteuerung der Energiepreise durch den Iran-Krieg verstärkt die Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher wieder." Die GfK meldete für April ein Zwei-Jahres-Tief bei der Anschaffungsneigung, das Ifo-Institut eine deutlich verschlechterte Branchenstimmung. Fast 30 Prozent der befragten Möbelhersteller planen im zweiten Quartal mit Kurzarbeit, nach 33 Prozent im ersten Quartal. Ohnehin belaste die Kombination aus US-Zollpolitik, steigenden Möbelimporten und stockendem Wohnungsbau die Branche, so Kurth.
 
Forderungen an die Politik
Der Verband drängt auf politische Impulse. Kurth fordert „steuerliche Entlastungen, Bürokratieabbau und – über den Bau-Turbo hinaus – weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Baukonjunktur" sowie günstigere Rahmenbedingungen für private Investitionen in Wohneigentum. „Mit den entsprechenden Impulsen setzt unsere Branche auf eine bessere Nachfrageentwicklung ab dem zweiten Halbjahr", so Kurth.
 
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