13.09.2022

24 Korpusfarben, ein umfangreiches Frontenprogramm in unterschiedlichen Stärken, sechs Grifflosvarianten und individueller Maßzuschnitt. Die Kriterien „Vielfalt“ und „Flexibilität“ haben bei Rotpunkt Küchen einen besonderen Stellenwert. Der manchmal als „Variantenweltmeister“ bezeichnete Hersteller weiß aber auch: Es muss handhabbar bleiben. In der Planung und in der Produktion.

Plattenzuschnitt und Bekantung: Am Standort Getmold in Preußisch-Oldendorf nimmt die typische Rotpunkt-Vielfalt ihren Anfang. Foto: Biermann

Sven Herden, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing von Rotpunkt Küchen: „Die Vielfalt handhabbar machen.“ Foto: Biermann

Rotpunkt Küchen setzt in Getmold auf einen gut gefüllten Wareneingang. Foto: Biermann

„Robbi“ sortiert ein: Die automatische Robotersortierstation ist Teil der hochmodernen C-Teil-Linie, in die der Küchenmöbelhersteller jüngst 6 Millionen Euro investierte. Foto: Biermann

Kantenverarbeitung mit Null-Fuge. Foto: Biermann

Stollen sind gerade nicht modern. Aber wenn sie gefordert sind, werden auch diese in Getmold produziert. Hier aufgedoppelt mit einer Kante. Foto: Biermann

Ein wichtiger Aspekt für praktische Nachhaltigkeit: Die neue C-Teil-Linie reduziert die Schnittabfälle drastisch. Foto: Biermann

Wer an Rotpunkt Küchen denkt, hat spontan den Standort in Bünde-Ahle vor Augen. Die Gebäude mit den markanten roten Fensterrahmen und dem dynamischen „Greenline“-Logo auf Fahnen und Fuhrpark. In Bünde sind Montage und Logistik angesiedelt, die Verwaltung und die Ausstellung. Parallel dazu gibt es einen zweiten Standort. Rund 30 Autominuten von der Zentrale entfernt in Preußisch-Oldendorf, Ortsteil Getmold. Hier organisiert der Küchenmöbelhersteller die elementaren Fertigungsschritte, um mit den genannten Argumenten „Vielfalt“ und „Flexibilität“ glaubwürdig an den Markt gehen zu können.
Im Kern gestaltet Rotpunkt im Werk Getmold den Plattenzuschnitt. Das Rohmaterial für Korpen, Fronten, Wangen und Paneelsysteme türmt sich im Wareneingang in diesen Sommertagen bis unters Dach. Laut Sven Herden, Geschäftsführung Vertrieb und Marketing, hält das Unternehmen beschichtete Spanplatten in unterschiedlichen Stärken, Qualitäten und Dekoren bereit. Für die elegante Grifflosküche ebenso wie für den modernen Landhausstil. Inklusive Rückwände in 8-mm-Stärke und 19-mm-Querböden. Nebeneinandergelegt dürfte die bevorratete Ware für mehrere Fußballfelder reichen. Die umfangreiche Menge wirkt optisch imposant. „Wir schaffen damit Planungssicherheit für die anstehenden Wochen“, berichtet der Geschäftsführer. Schon seit längerem habe der Küchenmöbelhersteller die eigenen Lagerkapazitäten ausgebaut. Corona war auch für Rotpunkt ein Lehrmeister. Wie für viele in der Branche.

Neues Herz der Fertigung
Doch allein mit einem gut gefüllten Wareneingang ist es nicht getan, um die „Vielfalt handhabbar zu machen“, wie Sven Herden es formuliert. Das Unternehmen hat den Anfang der 1990er-Jahre in Getmold übernommenen Werkskomplex samt Maschinenpark beständig modernisiert. Das Plattenlager mit einer Nutzfläche von 5.000 qm stammt aus 2017. Neuer Mittelpunkt der Fertigung ist die automatisierte und robotergesteuerte C-Teil-Linie mit integrierter Sechs-Seiten Bohr- und Montageanlage vom renommierten Maschinenbauer Priess und Horstmann. Rund 6 Millionen Euro hat der Hersteller im Jahr 2000 dafür investiert. Verbunden ist die Anlage mit der Rotpunkt-EDV, sie verfügt aber über einen eigenen Server für das Fertigungsleitsystem. Das bringt täglich bis zu 2.500 Teile in die korrekte Reihenfolge. Und das auf Grundlage von Losgröße 1 inklusive aller Sonderzuschnitte.

Standards individuell betrachten
Die Fertigungsstraße nimmt es mit Zuschnitten jeder Art auf. Inklusive Kantenverarbeitung mit Null-Fuge. Mit dieser Fertigungstechnologie hat sich Rotpunkt Küchen auf individuelle Kundenwünsche eingestellt. „Als Industrieunternehmen arbeiten wir selbstverständlich auf Basis eines Standardsortiments mit Standardmaßen und mit standardisierten Abläufen“, erläutert Sven Herden, „aber den Begriff Standard fassen wir so weit, dass wir individuell auf fast jeden Wunsch eingehen können.“ Angesichts der grundsätzlichen Variantenvielfalt des Sortiments charakterisierte Andreas Wagner, geschäftsführender Gesellschafter von Rotpunkt Küchen, den Hersteller einmal treffend als Variantenweltmeister. Die individuelle Umsetzung von Kundenwünschen kommt on top.
„Mit dieser Fertigungstechnologie bleiben wir stets flexibel“, fasst Sven Herden die Strategie zusammen und verweist auf Sonderfälle wie die mehrfach erwähnten individuellen Sondermaße oder exakt platzierte Ausfräsungen für LED-Beleuchtungen. Diese werden immer beliebter. Beispiele wie diese fordern auch in Bezug auf Verpackung und Logistik stimmige Lösungen. Im Durchschnitt verlassen vier Lkw-Fuhren Getmold werktäglich Richtung Zentrale in Bünde. Dort werden die Platten zu Schränken montiert, die Einzelteile zu Kommissionen ergänzt und auf den Weg zu den Handelskunden im In- und Ausland gebracht.

Inselfertigung mit Fließbandanbindung
Von den derzeit 330 Rotpunkt Mitarbeitenden (in Produktion und Verwaltung) sind rund 70 in Getmold beschäftigt. Im Stil einer Inselfertigung mit Fließbandanbindung hat der Küchenmöbelhersteller die Arbeitsschritte um die Mitarbeiter herum organisiert und baut bei Sonderfällen auch auf langjährig bewährte Maschinen. Auch dies ermögliche die gewünschte und notwendige Flexibilität selbst bei Lösungen mit geringen Stückzahlen. Zum Vergleich: Produktionen mit durchgehenden Fertigungsstraßen erlauben zwar hohe Mengen, lassen aber auch wenig Änderungen und Individualität zu.

Ausbau in Bünde
Die Bedeutung des Standorts in Preußisch-Oldendorf beschreibt Sven Herden simpel, aber eindrücklich: „Wenn kein Material aus Getmold kommt, steht Bünde.“ Doch angesichts der leistungsfähigen Ausstattung ist es um den kontinuierlichen Nachschub gut bestellt. Und so konzentriert sich das Unternehmen in der nächsten Zeit auf den Ausbau der Zentrale. Und das mit einem Investitionsvolumen von mehr als 10 Millionen Euro. Denn nach längerer Wartezeit wurden jetzt die Baugenehmigungen erteilt und die Vorarbeiten auf dem Werksgelände haben begonnen. Mit den geplanten, aber zeitlich noch nicht final fixierten Ausbauten ist auch eine Kapazitätserweiterung verbunden, in erster Linie geht es Rotpunkt Küchen jedoch um zusätzliche Aspekte. Corona habe gezeigt, dass „just-in-time“ neu definiert werden muss, deshalb stehen Erweiterungen der Lagerfläche für Warenannahme, Versand und Logistik auf dem Programm. Das soll die Verfügbarkeit für den Handel weiter verbessern. Parallel soll der Flächenzuwachs aber auch einzelne Montageschritte entzerren. Einige dafür nötigen Maschinen sind bereits bestellt. Verbunden mit den schon seit mehreren Jahren anvisierten Ausbauplänen in Bünde-Ahle sind zudem neue Gebäude für Schulung und Ausstellung. Konkrete Pläne liegen dafür aber noch nicht auf den Tisch. Erst sind die Lagerhallen und die Produktion dran.

Dirk Biermann

www.rotpunktkuechen.de