01.03.2021

Eine verlängerte Arbeitsplatte ist noch lange kein Homeoffice. Ein separater Hochschrank mit Einschub­türen, arretierbaren Tablarauszügen und Regalen vielleicht schon. Vielleicht auch ein optisch abgetrennter Bereich im Übergang von der Küche zum Ess-Platz? Ideen zur Integration eines Büro­arbeits­platzes.

Gesehen bei Häcker Küchen im September 2020. Vorne Küche … Foto: Häcker

… und der Büroarbeitsplatz ums Eck. Foto: Häcker

Aus einem Guss: Das Frontdekor (in diesem Fall „Alteiche Cognac“) wird über die Küche hinaus ins Umfeld des Büroarbeitsplatzes fortgeführt. Foto: Häcker

Aus einem Guss: Das Frontdekor (in diesem Fall „Alteiche Cognac“) wird über die Küche hinaus ins Umfeld des Büroarbeitsplatzes fortgeführt. Foto: Häcker

Rollwagen wie hier „FreeMOBILE“ (von Ballerina-Küchen) sind in vielen Fällen praktisch. Im Küchenalltag, am Ess­tisch, auf der Terrasse oder wie hier im Wohnraum. Eine Helferfunktion im Homeoffice ist ebenso vorstellbar. Foto: Ballerina-Küchen

Das frei stehende Planungskonzept „Raum im Raum“ von LEICHT Küchen – bisher als begehbarer Hauswirtschaftsraum bekannt – bekommt bei dieser Planung eine neue Funktion. Angelehnt an moderne Arbeitsmodelle des 21. Jahrhunderts und die damit sich verändernden Bedürfnisse an das eigene Zuhause ist der in den Raum integrierte Kubus als flexibler Büroraum gestaltet. Umgesetzt wurde dies hier mit der neuen vertikal strukturierten Gestaltungsoberfläche „Bossa“ in heller Eiche. Foto: LEICHT / P. Schumacher

Auch Brigitte Küchen ­hatte sich zur Hausmesse 2020 ­Gedanken gemacht, wie ein Büro­arbeits­platz ins Küchenumfeld integriert werden kann. Foto: Brigitte Küchen

Raumgestaltungssysteme verbinden und unterteilen je nach Situation. Und das mit homogenen Material- und Farbkonzepten, hier z.B. als halbtransparente Abtrennung zwischen Büro und Küche. Foto: AMK

Direkt in die nobilia-Küchenzeile integriert: Mit etwas Phantasie auch für die Home­office-Anwendung vorstellbar. Foto: nobilia

Die Module dieses offenen und flexiblen Küchensystems lassen sich frei konfigurieren sowie werkzeuglos auf- und abbauen – zu einer kreativen Kochwerkstatt inklusive Homeoffice-Ecke. Foto: Naber

Immer mehr Küchenmöbelhersteller (wie hier rational) bieten Lösungen für die Ausstattung von Speisekammern. Ein Homeoffice könnte so auch separiert werden. Foto: Biermann

Vielseitiges Schrankkonzept in 120 cm Breite und mit ­Pocket-Doors. Es lässt sich individuell ausstatten: auch als Homeoffice. Foto: AMK

Lösung für kleine Küchen und überschaubare Home­office-Anforderungen. Foto: Häcker

Wer in den letzten Wochen von zu Hause arbeiten musste, durfte oder konnte, hat es aus diversen Perspektiven erlebt: Das Homeoffice hat Vor- und Nachteile. Keine Frage: Die zeitliche Flexibilität bietet im Vergleich zum organisierten Büroalltag willkommene Freiräume. Doch die mangelnde Struktur von außen lädt auch den Schlendrian ein. Erst noch einen dritten, vierten oder fünften Kaffee? Oder ein kleiner Snack zwischendurch? Die Fens­ter müssten auch mal wieder geputzt und die Tüten mit der ausrangierten Garderobe zur Altkleidersammlung gebracht werden. Ablenkungen lugen im Homeoffice aus den wunderlichsten Nischen. Und das ist nur die Beschreibung einer Light-Variante für Singles oder Paare. Wenn Kinder im Haushalt leben, führt dies zu einer ungleich anspruchsvolleren Dynamik.

Eine Frage des Raums
Um die gesundheitlichen, sozialen oder psychischen Auswirkungen der Arbeit im Homeoffice soll es in diesem Beitrag aber nicht gehen. Auch nicht über den Sinn oder Unsinn einer rechtlich verordneten Heimarbeit. Diese Geschichten werden an anderen Stellen erzählt. Die Frage, welcher Raum fürs Homeoffice der geeignetste sein könnte, rückt schon näher: Das über den Tag meist verwaiste Schlafzimmer? Der ebenfalls nur temporär genutzte Wohnungsflur? Der Wohnraum mit dem Couchtisch vor der Entertainment-Wand? Oder doch der großzügige Esszimmer-Tisch? Wer ein separates Zimmer nutzen kann, zählt gewiss zu den privilegierteren Heimarbeitern. Ein Luxus. Andererseits vielleicht auch nicht. Im Grunde bleibt alles ziemlich subjektiv. Manche lieben es besonders ruhig und erwarten eine geschlossene Tür zwischen sich und der Außenwelt, manche blühen erst auf, wenn um sie herum das Leben pulsiert wie in einem Großraumbüro und es im Minutenrhythmus blinkt, klingelt, piepst und vibriert. Und natürlich hängt die Frage nach dem Optimum von den grundsätzlichen räumlichen Gegebenheiten ab, von den konkreten Notwendigkeiten, die die Tätigkeit mit sich bringt (viele Video-Konferenzen oder weitgehend kontaktfreies Arbeiten in Stille) und von der Anzahl der zwei- und vierbeinigen Mitbewohner und deren Nervenstärke. Doch auch darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen. Jedenfalls nicht vorrangig. Dieser Text steigt ein, wenn die Entscheidung getroffen ist, in der Küche oder in unmittelbarer Nähe einen Homeoffice-Arbeitsplatz zu integrieren. Warum auch immer. Also wenn der Planungsbereich eines Küchenplaners tangiert wird. Was könnte zu beachten sein, wenn Kunden dieses Bedürfnis berücksichtigt wissen wollen?

Viel Oberflächlichkeit
Die Ideenfindung zum Kitchenoffice führt nach der ersten eigenständigen Gedankensammlung ins Internet. Mal sehen, was das Schwarmwissen zu bieten hat. Vergleichsweise ernüchternd, so der erste Eindruck. Die Ergebnisse auf den ersten beiden Suchmaschinen-Seiten zur Anfrage „Homeoffice in der Küche“ bieten viel Oberflächlichkeit. Als gäbe es kein größeres Glück, eingepfercht zwischen Kochfeld und Apothekerauszug Quartalsberichte zu erstellen, kreative Geistesblitze heraufzubeschwören oder Texte höchster Güte zu verfassen. Wie praktisch die kurzen Wege doch seien. Zum Toaster, zum Kaffeevollautomaten und zum Kühlschrank. Und welche Zeitersparnis das mit sich bringe. Hurra!

Klassiker überzeugen
Also muss gesiebt werden. Wie immer im Internet. Der romantisierende Marketingkitsch in das eine Körbchen, tragfähige Tipps ins andere. Wenig überraschend glänzen am Schluss wohlbekannte Klassiker: gutes Licht, körpergerechte Arbeitshöhen, genügend Platz auf der Platte und Stauraum für alles, was nicht überall herumliegen soll oder sollte. Betriebsgeheimnisse und die Datenschutzgrundverordnung ziehen schließlich mit ein ins Homeoffice. Also sollten vertrauliche Daten und Passwörter gut verschlossen bleiben. Auch wenn davon auszugehen ist, dass sich der Publikumsverkehr in den halböffentlichen Privatgemächern in Grenzen hält.

Gesammelte Ideen
Kommen wir zu den Möglichkeiten und Anregungen, die sich auftun, wenn das Homeoffice in der Küche oder küchennah realisiert werden soll. Eine Sammlung ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Sortierung nach Relevanz:

  • Ausgangspunkt jeder ordnungsgemäßen Schreibtischarbeit ist eine ausreichend große Arbeitsfläche. Das konkrete Maß hängt natürlich von den zu erledigenden Arbeiten ab. Braucht es lediglich Platz für einen Laptop oder müssen mehrere Monitore und ein Drucker installiert werden? Vielleicht bieten sich natürliche Nischen im Raum an. Wenn Platz nicht die vorrangige Herausforderung ist, also zum Beispiel bei offenen Wohnraumplanungen, empfehlen sich Arbeitsflächen mit 160 cm in der Breite und 60 bis 80 cm in der Tiefe.
  • Die motorische Höhenverstellbarkeit der Arbeitsfläche ist komfortabel, gesundheitsfördernd und an allen Standorten einfach realisierbar. Auf Wunsch auch mit Akku-Betrieb. Besonders effektiv ist eine solche Lösung in Kombination mit einem Steh-Sitz-Hocker.
  • Offene Ablageflächen und geschlossener Stauraum gehen im besten Fall Hand in Hand. Damit optisch Ruhe und Ordnung gewahrt bleiben.
  • Die zur Küchenmeile 2020 ins Rampenlicht geschobenen Roll-Elemente und Servier-Wagen könnten thematisch genutzt werden. Vielleicht entwerfen die Hersteller sogar schon bald dem Zeitgeist entsprechend spezielle Homeoffice-Varianten.
  • Sonst tun es auch herkömmliche Bürocontainer auf Rollen. Die können nach getaner Arbeit sogar in anderen Räumen geparkt werden.
  • Oder die spezialisierten Innenausstattungen der Standardmöbel. Auch hier ist manches möglich: Ordnungs­sys­teme, die Essig, Öl, Gewürzen und Besteck eine Heimat bieten, sollten es mit etwas Feintuning auch mit Tackern, Lochern und der Kugel­schreibersammlung aufnehmen.
  • Der Goldstandard eines clever inte­grier­ten Büro-Arbeitsplatzes ist – und das ist jetzt vollständig subjektiv zu verstehen – der Hochschrank mit Einschubtüren, ausziehbaren belastbaren Tablaren, Regalen und abschließbaren Möbelelementen. Damit bleibt Arbeit Arbeit und Feierabend Feierabend. Zumindest optisch. Und am nächsten Tag ist alles umgehend griffbereit. Natürlich fordert eine solche Umsetzung den nötigen Raum, kann aber auch in unterschiedlichen Breiten realisiert werden.
  • Silberstandard: Den vorhandenen Heimsekretär mit offenem und geschlossenem Stauraum umbauen. Auch damit lässt sich fix Ordnung schaffen, wenn es genug ist mit der Büroarbeit.
  • Schnelle Lösungen lassen sich laut Branchenverband AMK mit offenen, modularen und erweiterbaren Regal­sys­temen realisieren. Im Nu seien diese aufgebaut, an die Wand montiert oder zwischen Decke und Boden verspannt. Manche sind sogar ab Werk mit einer integrierten Beleuchtung ausgestattet.
  • Eine weitere interessante Option sind multifunktionale Raumgestaltungs­sys­teme mit offenen und geschlossenen, festen und verschiebbaren Elementen und das Ganze in einem durchgängigen Material- und Farbkonzept. Sie eignen sich zur Unterteilung und Neustrukturierung von Räumen und punkten insbesondere in kleinen Apartments (z. B. als Raumteiler). Wenn nur sehr wenig Platz zur Verfügung steht, dienen sie auch als Sichtschutz, hinter dem sich ein kleiner Arbeitsplatz verbirgt. Für Individualität und Flexibilität sorgt diverses Zubehör (z. B. Boxen, Regale), das sich in ein solches Raumgestaltungssystem integrieren lässt. (Quelle: AMK)
  • Wenn möglich sollte die Büroarbeitsfläche seitlich zum Fenster positioniert werden, damit es im Monitor-Display nicht spiegelt, die Sonne nicht blendet oder die Aussicht während der Arbeit nicht ablenkt.
  • Der konzentrierten Arbeit förderlich ist ein gleichmäßig erhellter Raum mit blendfrei positionierten Leuchten und zusätzliche punktuelle Lichtquellen mit Tageslichtfarbe.
  • Immer und überall wichtig: Lademöglichkeiten für die elektronischen Helfer. Also Strom- und USB-Anschlüsse in Arbeitsflächen und / oder Tischbeinen einplanen. Oder gleich integrierte Flächen zur Induktionsaufladung für das Smartphone. Wer mit einer Ansammlung von Dreiersteckern arbeitet, schafft sich nur ungewollte Stolper­fallen.
  • Ein geeigneter Platz fürs Homeoffice in offenen Wohnraum-Küchen kann wie schon angedeutet der Übergang vom Kochbereich ins wohnlichere Ess-Areal sein. Weil dann niemand beim Kochen im Weg sitzt und wegen der aus Gestaltungsgründen auf der Hand liegenden Überlegung, das Dekor des Mobiliars homogen fortzuführen. Und weil Regale ohnehin schöne Übergänge schaffen.
  • Für den Notfall: Wenn wirklich nichts anderes geht, geht natürlich immer der Esstisch. Das ist auf jeden Fall besser, als direkt an der verlängerten Arbeitsfläche der Kochinsel zu sitzen und mit dem Team per Video zu konferieren, während gleich nebenan auf dem Herd die Fischsuppe ­simmert.

Das Fazit
Nur weil eine Standardküche über Flächen verfügt, auf denen ein Laptop abgestellt werden kann, eignet sie sich noch nicht als Home­office-Arbeitsplatz. Zumindest nicht für jeden. Büroarbeit am Küchentisch ist möglich, aber gewiss keine Dauerlösung. Eine Ecke in der Küche genügt nicht für Video-Konferenzen und täglich viele Stunden Büroalltag. Dennoch gibt es mit den Standardangeboten der Küchenmöbelhersteller und Innenausstatter praktikable Möglichkeiten, um kundenspezifische und bedürfnisorientierte Lösungen für einen Home­office-Arbeitsplatz zu kreieren. In der Küche – aber vielleicht auch mit „Küchen­produkten“ in einem anderen Raum der Wohnung oder als „Raum in Raum“. Ein offenes Gespräch über die konkrete individuelle Situation kann Bedürfnisse und Möglichkeiten zusammenbringen.

Dirk Biermann