08.12.2008

Liebherr. Der Hersteller von Kühl- und Gefriergeräten steht traditionell für hohe Qualität. Ein neues Entwicklungszentrum stärkt seit Juni 2008 das Potenzial für Produktlösungen, die langfristig wachsendes Qualitätsbewusstsein erfüllen.

Günther Sproll (Marktingleiter Kühl- und Gefriergeräte), Wilfried King (Geschäftsführer Technik) und Bernd Neumann (Key-Account Manager Küchen-/Möbelfachhandel) im Ausstellungsraum des Zentrums (v.l.n.r.).

Es wirkt wie abgestimmt, ist aber purer Zufall: Anfang Juni 2008 eröffnete die Liebherr-Hausgeräte GmbH am Standort Ochsenhausen ein modernes Entwicklungszentrum. Im gleichen Zeitraum informierte das Bundesumweltministerium über den Umsetzungsstand der 29 Eckpunkte, die das „zweite Maßnahmenpaket des integrierten Ener­gie- und Klimaprogramms der Bundesregierung“ ausmachen, landläufig als zweites Klimaschutzpaket bezeichnet. Eckpunkt 8 betrifft energieeffiziente Produkte. Zur Frage, welchen Nutzen die Bundesbürger/innen davon haben, werden in der Veröffentlichung exemplarisch die sparsamen Effizienzklassen A+ und A++ von Kühlschränken angeführt* – und schon bewegen wir uns thematisch mittendrin im neuen Entwicklungszentrum des Technologieführers im Bereich Kühlen und Gefrieren: „Energieeffizienz war und ist bei Liebherr ein zentrales Thema, das bereits bei der Konzeption der Geräte einen maßgeblichen Einfluss hat“, betont Günther Sproll, Marketingleiter für den Produktbereich Kühl- und Gefriergeräte.
Verzahnte Entwicklung
Die Energieeffizienz der Geräte steht selbstverständlich nicht isoliert im Fokus der Entwicklungsarbeit. Auf den über 4000 Quadratmetern Nutzfläche des neuen Zentrums wird auf vier fachlichen Schwerpunktgebieten gearbeitet: Kältetechnik, Elektronik, Mechanik und Umwelt. Gemeinsames Ziel der 47 Mitarbeiter, darunter 20 Ingenieure, ist ein Qualitätsstandard der Produkte, der vorgegebene Normen nicht nur erfüllt, sondern diesen immer ein Stück voraus ist – und damit dem Grundprinzip der Unternehmensphilosophie folgt.
Forschung wird im Entwicklungszentrum nicht betrieben. Diesen Part übernehmen intensiv gepflegte Kontakte zu Universitäten, Technischen Hochschulen, Versuchsanstalten rund um alle fachspezifischen Disziplinen zur Kältetechnik. Das kontinuierlich aus diesen Quellen fließende Know-how unterstützt auf hohem Niveau die Kernkompetenz des neuen Zentrums, die Funktionsentwicklung. Die Ausstattung dazu ist sehens- und erlebenswert. Sie setzt sich zusammen aus Klima- und Geräuschmessräumen, einem Röntgenraum, Laboreinrichtungen und einem Musterbau. Diese Funktionsbereiche liegen im Erdgeschoss, auf der zweiten Etage die Büroräume. Zusätzlich integriert sind Schulungsräume, die mit neuester Kommunikationstechnik aufwarten und bis zu 50 Interessenten pro Lehrgang auch atmosphärisch eine super Plattform zur Informationsaufnahme bieten.

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Technik für jede Klimazone
In mehr als 28 Klimakammern stehen Kühl- und Gefriergeräte auf dem Prüfstand, die für den Export bestimmt sind: Hier werden Umgebungstemperaturen von 10°C bis zu 43°C und Luftfeuchtigkeiten von bis zu 90% simuliert. Bereits in den ersten Entwicklungsstadien ist es in den Klima-Messräumen möglich, auf Kältetechnik hinzuarbeiten, die exakt auf die realistischen Einsatzbedingungen in den unterschiedlichsten Klimaten zugeschneidert ist und sich den Gebrauchsgewohnheiten anpasst.
Wie verhält sich das Gerät bei 38°C und 80% Luftfeuchte, wenn die Tür geöffnet wird? Der mitteleuropäische Mensch ringt in diesem Klima nach Atem, das Gerät darf sich keinerlei „Missbehagen“ erlauben: Der Stromverbrauch würde steigen. Die Messdaten aus den Klimakammern liefern den Ingenieuren die Grundlage für den jeweils idealen technischen Aufbau des Geräts in einem bestimmten Klima, für das genau richtige Zusammenspiel aller technischen Komponenten einschließlich der elektronischen Steuerungen, der Auslegung der Verdampfer und der Abstimmung der optimalen Kompressoren.
Subjektiv gutes Geräusch
In einer Kulisse, die jeden Science-Fiction-Filmemacher begeistern würde, werden die Laufgeräusche der Geräte getestet. Mit einer Art Schaumstoffkissen vollgepackten Wänden wird in einem der Schallmessräume das menschliche Ohr nachgebildet. Nicht die Form, sondern das Hören an sich. Basis ist das Wissen, dass der Mensch niederfrequente Geräusche bei gleicher Lautstärke lieber hört als hochfrequente; es geht darum, ein leises und „subjektiv gutes Geräusch“ zu entwickeln. Bei der Prüfung des kompletten Gerätes gingen die hierzu notwendigen Informationen verloren, deshalb finden Messungen von Komponenten wie den Ventilatoren statt. Gute Luftleistung bei niedriger Geräuschentwicklung ist das Ziel, wenn in der Kammer bestimmte Betriebszustände des Geräts simuliert werden. 
Im zweiten Schallmessraum empfindet man beim Eintreten völlige Stille. Erst ganz nah am Gerät und bei sehr konzentriertem Horchen filtern sich leise Ventilatoren-Geräusche heraus. Um sie aufzunehmen, werden sogenannte „Low Noise Mikrofone“ eingesetzt. Zweites Mess-Instrument sind Schwingungssensoren, denn Ventilatoren erzeugen Vibrationen. Die Ergebnisse der erhobenen Daten münden schließlich in der Minimierung von Laufgeräuschen, ein Thema, das nach Meinung des Herstellers beim Endverbraucher zunehmend Bedeutung gewinnt.
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Nichts bleibt unbemerkt
Nach modernsten Gesichtspunkten ausgestattet sind ebenso alle weiteren Abteilungen des Entwicklungszentrums. Der Röntgenraum, der Kältetechnik transparent werden lässt – man sieht in Leitungen hinein, kann winzigste „Störstellen“ erkennen und ausgliedern. Der Laborbereich, in dem unter anderem Lebensdauerprüfungen durchgeführt werden. Alle wichtigen Komponenten müssen unter Beweis stellen, dass sie den Qualitätsanforderungen des Herstellers gewachsen sind. So werden Bauteile beispielsweise Feuchtigkeitsschocks und Temperaturschocks von
-80 bis +180°C ausgesetzt, wodurch innerhalb von zwei Wochen eine 15-jährige Lebensdauer simuliert wird. Ein Türöffnungsprüfstand mit fünf Prüfstellen klärt, welche Materialkombinationen die beste Gleitfähigkeit ergeben. Mit 100.000 Öffnungen pro Tür wird gemessen, ob und gegebenenfalls wie sie sich während ihrer Lebensdauer absenkt. Ganz großen Stellenwert haben Sicherheitsprüfungen wie zur Standfestigkeit der Geräte, zur Entzündlichkeit von Kunststoffen, zur Gefahr von Stromschlägen durch Wassereinfluss und vieles mehr. Integriert in den Laborbereich ist ein Musterbau, der dafür sorgt, „dass bereits in frühen Entwicklungsstadien Geräte und detailgetreue Musterteile zur Verfügung stehen, um notwendige Tests durchzuführen und entsprechende Erkenntnisse für die weitere Entwicklung abzuleiten“, wie es in einer Verlautbarung des Unternehmens heißt. 
Steigende Ansprüche
„Die Qualitätsanforderungen werden größer“, stellt Wilfried King fest, der als technischer Geschäftsführer für das gesamte Geschäftsfeld Kältetechnik inklusive Gewerbegeräten verantwortlich ist. Welche Richtung diese steigenden Ansprüche dann faktisch nehmen, ist zu Beginn einer Neuentwicklung trotz genauer Marktbeobachtungen, Trendanalysen und ähnlicher Instrumente nicht eindeutig zu definieren. Denn von der Idee bis zum serienreifen Produkt vergehen zwei, drei oder auch mehr Jahre intensiver Arbeit, die auf allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ebenen Veränderungen mit sich bringen. Ein Teil des Firmen-Selbstverständnisses besteht daher darin, „stetig eigene, weiterreichende Anforderungen zu formulieren, als sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt den Normen entsprechen“, so Wilfried King zur Entwicklungsstrategie bei Liebherr. Das Resultat des hohen Eigen-Anspruchs heißt Innovationskraft. Und dieser Motor erhält durch das Entwicklungszentrum entscheidende Impulse. (hb)
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