12.07.2020

Digitale Sprachassistenten sind auf dem Vormarsch – als App auf dem Smartphone genauso wie als „intelligente“ Lautsprecher für die Wohnung. 45% der Deutschen nutzen diese. Im vergangenen Jahr waren es erst 32%. Zu diesem Ergebnis kommt die Postbank Digitalstudie 2020. Erkenntnisse bietet die Studie auch zum Verhalten in Sachen Datenschutz.

 

Die Mehrheit der Bundesbürger gibt online nur Daten preis, die dringend erforderlich sind. Foto: obs/Postbank

Besonders die älteren Deutschen kommen demnach auf den Geschmack und lassen sich gern von Siri, Alexa und Co. assistieren. In der Altersgruppe der Menschen ab 40 Jahren legte die Nutzung besonders stark zu. Von den Bundesbürgern über 40 Jahren, den so genannten Digital Immigrants, waren es im vergangenen Jahr erst 25%, die digitale Sprachassistenten nutzten. In diesem Jahr sprechen bereits 38% von ihnen mit einem solchen digitalen Helfer. „Der sprunghafte Anstieg und das große Interesse der älteren Generation liegt in der Natur der Sache: Den Älteren, die nicht mit digitalen Geräten groß geworden sind, liegt die Nutzung von Sprachassistenten deutlich näher. Tippen, Scrollen und Wischen wird eher als umständlich empfunden“, sagt Thomas Brosch, Chief Digital Officer bei der Postbank.
 
Den digitalen Alltag sortieren
„Aber auch bei den jüngeren Deutschen steigt das Interesse weiter an. Kein Wunder, denn digitale Sprachassistenten sind praktische Alltagshelfer, die viele Prozesse beschleunigen“, sagt Brosch. In der Altersgruppe der unter 40-Jährigen sind die Nutzer digitaler Sprachassistenten in diesem Jahr erstmals in der Mehrheit: 59% nutzen ihre Unterstützung, im vergangenen Jahr waren es 48%. Die Einsatzmöglichkeiten der digitalen Helfer sind vielfältig. Sie können auf Zuruf zum Beispiel den Wetterbericht ansagen, Fragen beantworten, Musik, Podcasts oder Hörbücher abspielen oder die Terminplanung übernehmen. Auch im Smart Home sind digitale Assistenten zur Stelle. Per Sprachsteuerung lassen sich etwa die Beleuchtung oder elektronische Geräte im Haushalt ein- und ausschalten.
 
Google vor Alexa und Siri
Am häufigsten sprechen die Deutschen laut der repräsentativen Studie mit Google Assistant, 23% nutzen ihn. Alexa hat zugelegt und verdrängt in diesem Jahr Siri auf Platz drei. Amazons Echo mit Alexa kommt auf 18 Prozent, Siri von Apple auf 15% und Cortana von Microsoft auf 13%. Google Home wird von 13% genutzt, Alexa auf dem Tablet von 10%, sodass Google auch insgesamt in diesem Segment Marktführer ist. Die Jüngeren unter 40 Jahren nutzen Siri noch genauso häufig wie Amazons Echo, aber auch in dieser Altersgruppe ist Google Assistant am beliebtesten.
 
Familien häufiger als Singles
Überdurchschnittlich häufig werden Sprachassistenten in großen Familien genutzt. 59% der Haushalte mit vier Personen und mehr sprechen mit digitalen Assistenten. In Drei-Personen-Haushalten sind es ebenfalls noch überdurchschnittliche 58%. Wer allein lebt, nutzt auch eher selten einen digitalen Helfer wie Siri oder Alexa: Nur gut ein Drittel der Single-Haushalte spricht mit digitalen Assistenten.

Datenschutz: Die Kehrseite der Medaille
So bequem und nützlich Sprachassistenten auch sind: es gibt eine dunkle Seite der Medaille. Denn wie investigativ tätige Journalisten immer wieder beweisen, ist es um den Datenschutz nicht immer ordnungsgemäß bestellt, wenn ein Sprachassistent installiert ist. So wird immer wieder von automatischen Sprachaufzeichnungen und Serverkontakten mit den Anbietern berichtet. Dabei ist den Deutschen der Schutz ihrer Daten besonders wichtig. Auch das zeigt die Digitalstudie der Postbank.

Ältere geben nicht alles preis
Demnach schaut sich die große Mehrheit der Bundesbürger genau an, welche Angaben sie für Apps und Programme verraten muss – und beschränkt diese auf ein Minimum. 82% der Bundesbürger geben nur solche Daten frei, die für die Nutzung zwingend erforderlich sind. „Die Deutschen sind, was ihre Daten betrifft, sehr gewissenhaft und achten größtenteils genau darauf, was sie von sich preisgeben", sagt Thomas Brosch, Chief Digital Officer der Postbank.
59% der Deutschen wissen zumindest bei den meisten Anwendungen, die sie nutzen, welche Daten sie freigegeben haben, wie die Postbank-Studie belegt. Dass die Deutschen sensibel in Sachen Datenschutz sind, zeigt zudem auch die Debatte um die Corona-App und eine zentrale Speicherung der erfassten Daten - gegen die sich die Bundesregierung letztlich entschieden hat. Gleichwohl liest nur eine Minderheit der Bundesbürger Datenschutzbestimmungen ganz genau durch. 38% sagen von sich, dass sie diese Regelungen nur überfliegen.

Jüngere sind sorgloser
Im Vergleich der Generationen zeigt die Studie, dass Digital Immigrants, also die über 40-Jährigen, gewissenhafter mit ihren Daten umgehen. Fast zwei Drittel von ihnen wissen bei den meisten Anwendungen, welche Daten sie freigegeben haben. Bei jüngeren Nutzern unter 40 Jahren sieht das anders aus: Mehr als jeder Zweite kann hier nicht genau sagen, welche Daten er für die einzelnen Apps auf seinen Geräten freigegeben hat. 17% der unter 40-Jährigen wissen noch nicht einmal genau, bei welchen Anbietern sie einen Account besitzen und möglicherweise Daten freigegeben haben. Ein Viertel der Jüngeren wiederum liest Datenschutzbestimmungen im Netz erst gar nicht, sondern stimmt sofort zu.

Zur Postbank Digitalstudie 2020
Für die „Postbank Digitalstudie 2020 – Die digitalen Deutschen“ wurden im Februar und März dieses Jahres 3.035 Deutsche befragt. Die Postbank untersucht mit der Studie im sechsten Jahr in Folge, welche Entwicklungen sich in den verschiedenen Lebensbereichen der Bundesbürger in Bezug auf Digitalisierung allgemein und insbesondere zu Finanzthemen abzeichnen. Um eine bevölkerungsrepräsentative Struktur abzubilden, erfolgte eine Gewichtung der Stichprobe nach Bundesland (Proportionalisierung), Alter und Geschlecht. Als Referenzdatei wurde der Zensus 2011 des Statistischen Bundesamtes zugrunde gelegt. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet. Abweichungen in den Summen lassen sich durch Rundungsdifferenzen erklären, so die Studienmacher.

www.postbank.de