05.01.2010

Küchen 2010. Die wichtigsten Trends von den Hausmessen in Ostwestfalen.

Etwas völlig Neuartiges, abgesehen von der Präsentation Warendorf by Philippe Starck, gab es nicht, dafür jede Menge Verfeinerungen, Veredelungen, Optimierungen und Perfektionierungen - sowohl bei Küchenmöbeln, Geräten und Zubehör, als auch bei den Fachhandelskonzepten sowie in der Wertschöpfungskette. Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

Das bleibt...
Die grifflose, modern-puristisch und elegant anmutende Küche: Sie ist nicht mehr nur für Käufer im Top-Preissegment erschwinglich, sondern wird in allen Preisklassen angeboten - auch mit dezenter Griffleiste. Hochglanzfronten sowie hochglänzendes Glas und Metall bei den E-Geräten und dem Zubehör werten die Küchenplanung noch mehr auf. Die Horizontale bleibt bei den neuen Küchenplanungen weiterhin stark betont. Bei der Verarbeitung der Holz­re­pros achten die Hersteller ebenso auf ein perfekt durchgängiges Dekorbild, wie bei furnierten Fronten. Die Neuheitenpräsentationen zeichnen sich insgesamt wieder durch ein sehr harmonisches und perfekt geplantes Fugenbild aus, das auf konsequent eingesetzte, firmenspezifische Rastermaße zurückzuführen ist. Ausgewogenheit, Komfort, Lifestyle, Genuss und Wellness sind weiterhin die wichtigsten Stichworte, die mit den neuen Küchen assoziiert werden.

Das kommt...
Mattlack-Fronten: Auch wenn Hochglanz immer noch in Führung liegt, so nimmt der Anteil an Mattlack zu. Auch die Kombination von hochglänzenden und matten Möbelfronten macht sich gut und erzeugt eine spannende Optik. Hochglänzendes Glas hat nach Aussagen der Hersteller den Zenit noch nicht ganz erreicht. Es wird nahezu überall in der Küche eingesetzt - als rückseitig bedruckte oder farbig lackierte Front, Nischenrückwand (z.B. kombiniert mit dem Front- oder einem Fantasiedekor), Regalboden, superdünne hochglänzende Arbeitsplatte (10 mm slim line), aber auch hinter den Möbelfronten bei immer mehr Schubkästen und Auszügen. Der Langzeittrend Cocooning/Homing nimmt immer stärkeren Einfluss auf die moderne Einbauküche. Gleichzeitig avanciert die neue Küche vor allem im gehobenen Preissegment zu einem die eigene Persönlichkeit unterstreichenden Sujet.
Die hoch aufgesetzte Esstheke in Glas und Edelstahl weicht zunehmend Butcherblock-ähnlichen Lösungen (starker Massivholzblock, an denen Gäste und Freunde den Aperitif einnehmen können). Die neuen Schichtstoff-Arbeitsplattendekore zeichnen sich durch dichte, fein- bis mittelkörnige Steinstrukturen mit hellen Aderungen aus - nur durch die Haptik vom Naturstein zu unterscheiden.
Bei den Farbtrends setzen die Hersteller auf klare, jedoch warm anmutende Weißtöne. Stark im Kommen sind alle Sand-, Natur- und Erdfarben sowie Farbstellungen in edlem Grau - z.B. Hellgrau, Dunkelgrau bis tief Anthrazit, auch Metallictöne, wie Silber und Grège (Mischung aus Grau und Beige). Farbige Akzente setzen tief dunkle Aubergine (auch Pflaume oder Purpur genannt), warm-dunkle Rot- und Gelbtöne.
Lichthelligkeit und Lichtfarbe sind ein weiterer Themenschwerpunkt: Die Zubehörindustrie hat den Wunsch des Fachhandels nach einem hellen und trotzdem behaglich anmutenden LED-Licht aufgegriffen und bietet energiesparsame, warm-weiße LEDs an. LEDS werden auch bei den E-Geräten und dem Zubehör vermehrt eingesetzt. Die Zukunft liegt laut Naber bei LED-Licht mit einem Tageslichtwert von 4500° bis 5100° Kelvin, doch das wird noch ein paar Jahre Entwicklungszeit in Anspruch nehmen.
Für maximalen Bewegungskomfort sorgen zunehmend elektrische und/oder mechanische Öffnungsunterstützungs- sowie Einzugs-/Schließdämpfungssysteme. Viel Wert wird auf eine noch schönere, funktionalere und ergonomischere Innenausstattung mit perfekt durchdachtem Stauraum gelegt. Last not least Multimedia: Ein LCD-TV, USB, DVD oder iPod-Interface mit HiFi-Lautsprechern sollte in keiner neuen Wohlfühl-Küche fehlen, denn die multimediale Verzahnung von Weißer und Brauner Ware schreitet fort.
Eine Gerätetechnik, die auf den ersten Blick weitestgehend unsichtbar ist und hinter den Möbelfronten verschwindet, ist eher im Spitzen-Segment anzutreffen. Das ist eine Frage der Ästhetik und natürlich auch des Kundenbudgets. In diese Kategorie fallen beispielsweise sicherlich die außergewöhnlichen und stark polarisierenden Warendorf-Kücheninterpretationen von Star-Designer Philippe Starck, die auf Gut Böckel inszeniert wurden. Der Redaktion hat vor allem die ganz neue Herangehensweise gefallen, beispielsweise bei dem Modell Tower, in dessen Mittelpunkt zwei drehbare Möbeltürme stehen. In den einen Turm wurde die Wärme-, in den anderen die Kältetechnik integriert. Doch so spannend der neue Ansatz ist, so ganz ausgereift scheint er noch nicht zu sein: Beim Bedienen der Einbau-Geräte steht die offene Möbeltür im Weg. Bei einer zeyko-Küche wurde das besser gelöst, denn dort lässt sich die Möbeltür während des Backens, Garens und Grillens komplett im Korpus versenken. Ansonsten haben in allen anderen Preis-Segmenten Einbau-Geräte die Nase vorne und hängen die Solisten ab. Auch beim Zubehör, beispielsweise bei den Spülen, geht der Trend in der Topklasse zu hoch funktionalen Design-Spülcentern, die nach Gebrauch komplett abdeckbar sind und sich auf Wunsch so ganz unauffällig machen können.
Der Megatrend Nachhaltigkeit, den sich als erste die Elektro-Gerätehersteller auf die Fahne geschrieben haben, zieht weitere Kreise und erfasst den einen und anderen Küchenmöbelhersteller, der sich die Produkte seiner Vorlieferanten inzwischen mit Argusaugen anschaut. Mit anderen Worten: Alle Zulieferteile werden in eigenen zusätzlichen Testlabors mit einem sehr hohen Anspruch geprüft, wie z.B. bei Nobilia.

Das geht...
Alles Überflüssige, Übertriebene und Opulente, wie beispielsweise der nostalgische Country-Style mit seinen Kranzgesimsen, Pilastern und auffallenden Griffen/Knöpfen. Ebenso Kassettenfronten und alle großen Zierbeschläge; auch sämtliche gelbstichigen Weißtöne (wie Creme, Vanille und Altweiß); alle kühl, steril oder sachlich anmutenden Farbstellungen sowie kaltes (LED)Licht - das alle hellen, vor allem jedoch die weißen Küchen viel zu steril und nüchtern wirken lässt. Ober- und Unterschränke mit Fachböden gehören zunehmend der Vergangenheit an. Auch im mittleren, vor allem jedoch im gehobenen Preissegment, verabschiedet sich das 60er-Planungsraster zugunsten eleganter Breitenmaße von  90 cm, 120 cm und 180 cm. (acg)
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