Travertin, Terrazzo und Taj Mahal
Die Aufwertung der Arbeitsplatte als prägendes Gestaltungselement und Treiber des Küchendurchschnittspreises ist eng mit echten Materialien verbunden. Allen voran Naturstein, Keramik und Quarzstein. In der Nische auch Massivholz, Edelstahl und Glas. Der traditionelle Schichtstoff bleibt das Material der Wahl im Einstieg und in der breiten Masse, erobert als schlanke Kompaktplatte aber gerade auch ambitioniertere Marktsegmente. Was dem Umstand geschuldet ist, dass sich inzwischen selbst das Premiumsegment mit den Preisen beherrschen muss, damit das Gesamtensemble verkaufbar bleibt. Was den Erfolg der „Naturmaterialien“ aber nicht schmälert. Auf die Aufwertung traditionellen Schichtstoffs zielen auch die optischen und haptischen Besonderheiten einzelner Oberflächen, die beim Fingerkuppentest einem Naturstein im „Leather-Look“ verdächtig ähneln. Hinzu kommt die Arbeitsplattenstärke 25 mm, die in diesem Herbst als neues Zwischenmaß gleich bei mehreren Herstellern ins Schichtstoff-Arbeitsplattenangebot eingeführt wurde (z.B. Schüller, nobilia, Ballerina, Nolte, Impuls). Diese Materialstärke wirkt deutlich eleganter als die herkömmlichen 38 mm und erleichtert im Vergleich zur 16-mm-Variante bei der Montage die flächenbündige Integration von Kochfeldern und Küchenspülen.
Eine interessante Neuheit ist auch das „Barboard“ von Schüller. Derartige Thekenmodule gab es zwar „schon immer“, doch das Schüller-Board schafft mit abgerundeten Ecken auf besonders elegante Weise eine zweite Ebene auf der Arbeitsplatte. Das eröffnet zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten, von der Zubereitung kleiner Speisen bis zum geselligen Austausch im offenen Wohnraum. Optional lassen sich auch Steckdosen in den Standfuß integrieren.
Optische Einbahnstraße
Auch bei Arbeitsplatten gibt es eine unübersehbare Bandbreite an Optiken und Farben. Von wildem Marmor bis zu den schlichten Unis für Ton-in-Ton-Lösungen. Dennoch geben Beige- und Cremetöne derzeit klar den Ton an. Wer im Herbst durch die Ausstellungen und Messehallen schlenderte, kam an einem Namen nicht vorbei: Taj Mahal. Das berühmte indische Mausoleum steht seit Jahrhunderten für die Vollendung in weißem Marmor. Genau diesem Inbegriff von Eleganz und Reinheit eifern heute nahezu alle Oberflächenhersteller nach. Kaum ein Material wird derzeit so häufig interpretiert, variiert und neu gedacht wie dieser feine, goldbeige Stein. Ob als Naturstein, Quarzkomposit, Keramik oder sogar Laminatnachbildung (bei Ballerina gesehen): Der „Taj-Mahal-Look“ gilt als Synonym für zeitlose Noblesse und harmonische Zurückhaltung. Seine zarte Maserung und die warmen, cremigen Töne verleihen Räumen eine luxuriöse Atmosphäre, ohne aufdringlich zu sein.
Auch Strasser hat sein eigenes „Taj Mahal“ entworfen. Die zwei neuen Dekore im Bereich Keramik heißen „Taj Mahal Silk“ und „Taj Mahal Lux Hochglanz“. Beide Oberflächen greifen warme, gold-beige Töne auf, die Wohnräumen eine ruhige, harmonische Atmosphäre verleihen. Die satinierte Variante „Silk“ zeichnet sich durch eine sanft matte Haptik aus, während „Lux Hochglanz“ mit einer polierten Oberfläche für zusätzliche Tiefe und Lichtreflexion sorgt.
Größte Keramikplatte am Markt
Keramikarbeitsplatten gewinnen in der Küchenplanung weiter an Bedeutung, da sie widerstandsfähig, hitzebeständig und pflegeleicht sind. Da sind sich alle Hersteller einig. Strasser bietet die neuen Dekore bereits ab einer Materialstärke von 12 Millimetern an. Das bietet sowohl gestalterisch größere Freiheit als auch reduziertes Gewicht. Auch andere Hersteller setzen auf das Feinsteinzeug. „Inzwischen ähnelt eine Keramik immer mehr einem Naturstein“, erläutert Silvia Biolo, Business Development Managerin von Optimum Surfaces. Das italienische Unternehmen stellt nach eigenen Angaben die größte heute auf dem Markt erhältliche Platte aus Feinsteinzeug her. Sie misst 1840 x 3300 mm. „Das gab es bisher noch nicht. Diese großflächigen Platten sind in der Lage, vielseitige Designvorstellungen zu erfüllen“, sagt Biolo. Die großformatigen Keramikplatten können nicht nur als Küchenoberflächen genutzt werden, sondern auch als Innen- und Außenwände, Badezimmermöbel, Arbeitsplatten oder Tische.
Zur Herstellung von Keramikarbeitsplatten bedient man sich Porzellanerde, Feldspat und Ton. Die Bestandteile werden unter hohem Druck und hoher Temperatur gebrannt, sodass daraus eines der widerstandsfähigsten Materialien entsteht. Keramik ist porenlos und nimmt somit weder Feuchtigkeit, Öle oder Fette auf. „Auch das sind große Vorteile gegenüber vielen anderen Materialien“, sagt Jenny Gramann, Assistentin der Geschäftsführung von AKP. Das Unternehmen aus Meiningen bietet die Platten in verschiedenen Stärken, auch in der 12 mm Dünnplattenoptik an. Dafür werden die Keramikarbeitsplatten an der Vorderkante auf Gehrung geschnitten und mit einem Trägermaterial hinterlegt, damit sie problemlos auf dem Korpus montiert werden können.
Platten aus der Kreislaufwirtschaft
Die Arbeitsplattentrends auf Keramik zu reduzieren, wird dem Angebot, wie eingangs erwähnt, allerdings nicht gerecht. Exemplarisch dafür stehen neben den geschilderten Entwicklungen im Schichtstoffbereich auch zukunftsweisende Materialien, die nicht nur optisch und funktional hochwertig sind, sondern auch Ansprüche an eine moderne Kreislaufwirtschaft erfüllen. Mit der Produktlinie „Alpinova“ zählt Strasser Steine hier bekanntlich zu den Pionieren. Auch in diesem Herbst zeigte das Unternehmen, dass sich gestalterischer Anspruch, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zunehmend verbinden lassen. Zur Einordnung: „Alpinova“-Platten bestehen zu etwa 90 Prozent aus zerkleinertem Naturstein und Feldspat, gebunden mit einem hochwertigen Harzanteil. Nach ihrem ersten Lebenszyklus können die Platten vollständig recycelt werden. Kunden haben die Möglichkeit, nicht mehr benötigte Arbeitsplatten über den Fachhandel zurückzugeben. Im sogenannten Re-Stoning-System werden diese Materialien zerkleinert und für die Produktion neuer Platten wiederverwendet. „Damit zählt Alpinova zu den innovativsten Ansätzen in der Küchenbranche, wenn es um echte Kreislaufwirtschaft geht“, sagt Kevin Barth, Vertriebsleiter von Strasser in Deutschland. Weitere Lösungen gibt es inzwischen von vielen führenden Arbeitsplattenspezialisten, unter anderem von Caesarstone und Dekker Zevenhuizen.


