17.07.2020

Die Corona-Pandemie hat bei Blum zu teils erheblichen Auftragsrückgängen geführt. Dennoch meldet der Beschlägespezialist einen positiven Abschluss des Wirtschaftsjahres 2019/2020. Der Gruppenumsatz stieg leicht um 14,9 Mio. Euro oder 0,8% auf jetzt 1.906,92 Mio. Euro.

Die Geschäftsführer Philipp und Martin Blum leiten den Beschlägespezialisten in 3. Generation. Foto: Blum

Die Kennzahlen des Wirtschaftsjahres 2019/2020. Grafik: Blum

Auch für das Vorarlbeger Unternehmen waren die letzten Monate extrem herausfordernd. Nach einem sehr guten Start ins gerade abgelaufene Wirtschaftsjahr folgte ab Mitte März der Einbruch. Im April und Mai sogar in einem „noch nie erlebten Umfang“, wie Geschäftsführer Philipp Blum in der Bilanzpressekonferenz berichtete. In der Folge wurde die Produktion vorübergehend heruntergefahren, Kurzarbeit eingeführt und unternehmensweit auf „Notbetreuung“ umgestellt. Der Schutz von Mitarbeitern und Kunden hatte oberste Priorität, gleichzeitig wurde aber auch die Liefersicherheit gewahrt. Ein Balanceakt, der die Flexibilität des gesamten Unternehmens beanspruchte. Seit Juni entspanne sich die Situation wieder, sagte Philipp Blum. Er betonte aber auch: „Die Krise ist längst nicht vorbei.“ Im Herbst werde zeigen, wie stabil die jetzige Situation sei. Entsprechend verhalten sind die Prognosen. Angesichts vieler Unsicherheiten sei im Grunde kein seriöser Ausblick möglich. Und so wird ein prägender Satz der Blum‘schen Rückschau gleichzeitig ein Blick nach vorn: „Die Krise hat den Wert langjähriger Partnerschaften aufgezeigt.“ Ein weiterer bedeutender Satz von Philipp Blum: „Wir haben durch Corona gelernt, nichts mehr selbstverständlich zu nehmen.“

Blick in die Bilanz
Nach einem guten Start des Wirtschaftsjahres (1. Juli 2019 bis 30.6.2020) sorgte das Corona-Virus vor allem ab April für starke Verwerfungen in den weltweiten Märkten und führte auch bei Blum zu starken Umsatzrückgängen. Dennoch konnte der Beschlägehersteller seine Kunden in über 120 Ländern durchgängig beliefern. Blum forciert weiter seine internationale Ausrichtung und hat mittlerweile 32 Tochtergesellschaften und Repräsentanzen weltweit. Das Unternehmen erwirtschaftet 97% des Umsatzes außerhalb Österreichs, davon 44% in der EU und 15% in den USA.

Wachstum und Einbußen
In Westeuropa waren Märkte wie Italien, Frankreich, England oder Spanien zum Teil wochenlang im Lockdown. Dies hat auch für Blum in dieser Region zu einem Umsatzrückgang geführt, der durch die relativ stabile Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) nicht ausgeglichen werden konnte. In Osteuropa konnte das Unternehmen hingegen trotz zum Teil erheblicher wirtschaftlicher Einschränkungen ein Wachstum verzeichnen. Geschäftsführer Philipp Blum: „Für uns bleibt die Europäische Union ein wesentlicher Stabilitätsfaktor. Das Offenhalten der Grenzen für den Güterverkehr zu jeder Zeit hat es uns ermöglicht, auch während der Krise unsere Kunden weltweit durchgehend zu beliefern.“ Der Umsatz in Nordamerika blieb auf dem Niveau des Vorjahres, in den Märkten Südamerikas musste Blum einen deutlichen Rückgang zum Vorjahresniveau hinnehmen. Im asiatisch-pazifischen Raum erzielte der Beschlägehersteller dank der weiterhin sehr positiven Entwicklung Chinas auch im abgelaufenen Wirtschaftsjahr eine Steigerung.

Investitionen und Produktionsstandorte
Die Gesamtinvestitionen für die Blum-Gruppe beliefen sich im Wirtschaftsjahr 2019/2020 auf 327 Mio. Euro. In Vorarlberg geht der Bau der Erweiterung im Werk 4 in Bregenz planmäßig voran. Hier entsteht bis Sommer 2021 eine neue Produktionshalle mit 49.000 Quadratmetern Nutzfläche und einem Hochregallager. Bei diesem Projekt setzt Blum erneut auf eine mehrgeschossige Bauweise, um die Flächenressourcen zu schonen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Werk 4 erwarb der Beschlägehersteller die Betriebsliegenschaft von Wolford, einem Hersteller hochwertiger Textilien. Die Gebäude sind langfristig an Wolford zurückvermietet, heute ungenutzte Flächen will Blum in absehbarer Zeit selbst nutzen. „Unsere Investitionen in der Region sind für uns ein klares Bekenntnis zum Standort Vorarlberg“, sagte Geschäftsführer Martin Blum.
Auch international finden wichtige Investitionen statt. In China ist der Baustart des neuen Produktionsstandortes inklusive automatischem Hochregallager erfolgt, mit der Fertigstellung rechnet Blum bis Ende 2022. Konzipiert ist es als lokales Montagewerk. In den USA wird die Erweiterung des Lagers und der Produktionsflächen bis Ende des Jahres fertiggestellt. In Kanada bezieht die örtliche Tochtergesellschaft im Spätherbst 2020 ein neues Gebäude mit Lager, Büro und Schauraum.

Mehr Beschäftigte und Auszubildende
Die Zahl der Beschäftigten liegt mit Stichtag 30.06.2020 bei 8 349 weltweit, davon 6180 in Vorarlberg, und damit bei 262 mehr als im Vorjahr. Ab September 2020 starten 94 neue Lehrlinge in Vorarlberg im Unternehmen – davon 23 Mädchen. Somit sind ab Herbst 378 Lehrlinge bei Blum Österreich in Ausbildung, wo nun seit einem halben Jahrhundert junge Menschen zu Fachexperten ausgebildet werden. 24 Lehrlinge bildet das Tochterunternehmen Blum USA zu Fachkräften aus, bei Blum Polen sind erstmals vier junge Menschen in der Lehre. „Die vergangenen Monate haben uns als Unternehmen sehr gefordert und wir nehmen einiges für die Zukunft mit. Ein Dank gilt unserer Mannschaft für die Einsatzbereitschaft und den Zusammenhalt“, betonte Philipp Blum und fügte ein schon oft gehörtes und dennoch aktuelles Statement hinzu: „Die Mitarbeiter sind der absolute Schlüssel zum Erfolg.“

Produktinnovationen für alle Wohnbereiche
Wie viele andere Unternehmen musste auch Blum durch die Corona-Krise auf wichtige lokale Messen verzichten. Der fehlende Kontakt mit Kunden hat die Vermarktung der Neuprodukte und Services deutlich erschwert und das Unternehmen vor ungewohnte Herausforderungen gestellt. „Umso schöner, dass unser neues Boxsystem ‚Merivobox‘ trotzdem den Weg in die Küchen und Möbel erster Kunden gefunden hat“, sagte Philipp Blum. Das neue „Pocketsystem“, eine Einschub-Lösung zum Verschließen großer Möbelfronten, wird voraussichtlich im nächsten Jahr an erste Kunden ausgeliefert. Die Interzum im kommenden Jahr soll dann wieder ein wichtiger Fixpunkt für das Unternehmen sein: Um Produktinnovationen mit Kunden und Partnern in der Möbelbranche zu diskutieren.

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