19.06.2018

Lechner hat ambitionierte Pläne – bis zum Jahr 2025 soll der Umsatz des Oberflächenkonfektionärs um ein Drittel steigen. Von heute fast 100 Mio. auf dann 150 Mio. Euro. Der Geschäftsleitung ist bewusst: Dies wird nur im engen Kontakt mit Mitarbeitern, Handelskunden und Endverbrauchern gelingen. Transparenz ist das Gebot der Stunde in Rothenburg.

Lechner ist einer der führenden Arbeitsplattenkonfektionäre Europas. Mit einem neu aufgestellten Führungsteam will das Unternehmen in den nächsten Jahren deutlich wachsen (Foto von links): Peter Stephan (Bereichsleiter Finanzen und Verwaltung), Dr. Dirk Dantz (Geschäftsführer Produktion und Technik), Andrea Lechner-Meidel (Vorstand der Lechner Holding AG), Dirk Hollstein (Vorstand), Daniel Griehl (Bereichsleiter Vertrieb und Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung). Foto: Biermann

„Wir geben Küchen ein Gesicht“, heißt der aktuelle Lechner-Slogan, der den gestalterischen Wert der Arbeitsplatte in den Mittelpunkt rückt. Naturstein wie dieser hat das Potenzial dazu. Foto: Biermann

„Erst stabile Prozesse, dann Wachstum“, sagt Dr. Dirk Dantz, seit September 2017 neuer Lechner-Geschäftsführer Produktion und Technik. Foto: Biermann

Mehr als 20 Millionen Euro hat Lechner in eine neue Fertigung für steinartige Werkstoffe investiert. Hier werden auf 20.500 qm Fläche Naturstein, Quarzwerkstoff und Keramik konfektioniert. Foto: Biermann

Foto: Biermann

Foto: Biermann

Bis zu 580 Kilo wiegen die Rohplatten im Format 5,60 x 3,60 Meter. Für Arbeitsflächen ist das Glas 12 mm stark, für Nischenrückwände 6 mm. Foto: Biermann

Lechner setzt bei seinen Wachstumsplänen auf hochwertige Arbeitsflächen aus Stein, Keramik und Glas – aber auch auf kreativ gestaltete Nischenrückwände, wahlweise auch mit Licht. Neu ist die Möglichkeit, die Glasfläche unkompliziert zu wechseln. Dafür wurde das Magnet-System „Switchy“ entwickelt. Foto: Biermann

Noch immer vertraut nicht jeder Planer der Materialbeständigkeit von Glasarbeitsplatten. Dabei sind diese in ESG-Qualität (Einscheibensicherheitsglas) besonders robust wie Martin Kleyer (links) und Tim Schnaubelt aus der Abteilung Qualitätssicherung/Labor von Lechner bei diesem Bruchtest auf ungewöhnliche Weise demonstrieren. Foto: Biermann

Das Aufgebot ist groß und hochkarätig: Andrea Lechner-Meidel, Dirk Hollstein, Dr. Dirk Dantz, Peter Stephan, Daniel Griehl – die gesamte strategische und operative Führungsriege des Oberflächenspezialisten Lechner hat sich Zeit genommen, um der Branchenfachpresse Einblick ins Unternehmen zu gewähren, neue Produktionsanlagen zu zeigen und Fragen zu beantworten. Von denen stellen sich derzeit etliche, denn das Unternehmen hat ehrgeizige Ziele formuliert. Man will deutlich wachsen. Im Umsatz von heute 100 Mio. Euro innerhalb der nächsten sieben Jahre um ein Drittel auf 150 Mio. Euro. Dass es mit dem Plan allein nicht getan ist, wissen die Verantwortlichen genau. „Man wächst nicht einfach so, weil man sich vorgenommen hat zu wachsen“, bringt Vorstand Dirk Hollstein die Ausgangslage auf den Punkt. Dafür müsse das gesamte Unternehmen umgebaut, die Mitarbeiter mitgenommen und die Prozesse an diese Veränderungen ausgerichtet werden. Entsprechend munter geht es seit einiger Zeit in Rothenburg ob der Tauber zu. Neue leitende Angestellte wurden gewonnen, die Kapazitäten ausgebaut, innovative Produkte kreiert und die Abläufe zu den Kunden im Küchenfachhandel noch kundenorientierter gestaltet. Hinzu kommt eine kreative Endkundenansprache mit Bartträger „Wulli“ als Frontmann.

Alles wie immer – nur anders
Im Kern bleibt Lechner jedoch Lechner - trotz der grundlegenden Veränderungsbereitschaft. Sprich: Auch in Zukunft steht die Verarbeitung von Arbeitsflächen und Nischenrückwänden für die Küche im Mittelpunkt. Dabei setzt das Unternehmen auf Materialvielfalt und Verarbeitungskompetenz „aus einer Hand“ und bietet maßgeschneiderte Flächen aus Laminat, Massivholz, Naturstein, Quarzwerkstoff, Keramik und Glas. Hinzu kommen die eleganten Compact-Platten aus Laminat. Angelehnt an die aktuellen Küchentrends stehen eine Vielzahl von Materialstärken und Dekoren zur Verfügung, für den Unterbau oder je nach Material auch für den flächenbündigen oder unterbündigen Einbau von Kochfeldern und Spülen.
Ein weiterer Schwerpunkt und ein kontinuierlich wachsendes Geschäftsfeld ist die individuelle Gestaltung und Fertigung von Nischenrückwänden aus Glas oder Acryl. Mit modernsten Technologien im Siebdruck oder Digitaldruck bzw. in klassischen Lackierverfahren lassen sich kreative Unikate schaffen. Mit vorgegebenen Motiven, mit Wunschmotiven aus dem eigenen Fotoalbum oder trendstark in einer Uni-Farbe nach Wahl. Bei der Fertigung von Nischenrückwänden ist Losgröße 1 längst Alltag. Immer häufiger werden Lichtquellen gleich integriert und dem Handel montagefertig geliefert. Von oben per Aufsteckprofil oder komplett hinterleuchtet. Der neueste Coup ist der Wechselrahmen „Switchy“. Damit kann der Endkunde ganz einfach seine Nischenverkleidung aus Glas tauschen. Sogar selbstständig. Die Funktion basiert auf einem magnetischen Trägersystem.

Lechner misst und montiert
Grundlegende Basis für weiteres Wachstum seien kontinuierliche Investitionen in Fertigung, Produkte und Marke. Ebenso die Entwicklung der internen Prozesse, der Organisation sowie die Kommunikation mit den verschiedenen Kundengruppen.
Zielgruppe Nummer eins ist und bleibt der Küchenfachhandel. Fast 60% der Umsätze erwirtschaftet Lechner in diesem Segment. Dabei setzt das Unternehmen auf eine immer persönlichere Kundenbetreuung und einen flächendeckenden Kundenservice, der auch das Angebot für Aufmaß und Montage der hochwertigen Flächen abdeckt. Mit dem Aufmaßservice hat das Unternehmen offensichtlich einen Nerv im Fachhandel getroffen, wie Daniel Griehl, Bereichsleiter Vertrieb und Marketing, erläutert. Rund 60% aller Kommissionen wickeln die Handelskunden auf dieser Basis direkt mit den Fachleuten von Lechner ab. „Unser Wunsch ist es, unsere Kunden im Handel maximal und individuell in seinem Verkaufsprozess zu unterstützen“, fasst Griehl die Strategie zusammen.

Alle Infos auf einen Blick
Dafür hat das Unternehmen zur area30 im vergangenen September unter anderem ein neues Händlerportal mit persönlicher Startseite vorgestellt. Das System vernetzt alle für die Händler relevanten Vorgänge – von der Bestellung über die Produktion bis hin zur Lieferung und Montage. So stehen dem Händler immer aktuell alle erforderlichen Informationen zur Verfügung, die jederzeit an die Endkunden weitergegeben werden können.
Wird das Portal aufgerufen, gelangt der Händler auf seine persönliche Startseite, auf der er die für ihn relevanten Informationen kompakt und übersichtlich dargestellt bekommt. Dazu zählt zum Beispiel der Status der aktuellen Aufträge und die Termine des Tages. Dazu erhält er über ein Dashboard Auskunft über Neuheiten, die für ihn wichtig sein könnten. Die stets aktuelle Download-Funktion versorgt den Händler mit Produkt- und Preisinformationen. Wenn Fragen zum Status eines Auftrags offen sind, findet er sämtliche Informationen im Portal. Abgeschlossene Vorgänge werden archiviert und können in einer Übersichts- oder Detailansicht aufgerufen werden. So kann der Händler auch später noch jede Bestellung in allen Einzelheiten nachverfolgen. Eine Übersicht zum getätigten Umsatz verschafft zusätzlichen Überblick und soll die Buchführung erleichtern.

Endkunde lässt sich begeistern
Teil zwei der strategischen Überlegungen haben zum Ziel, das Thema Arbeitsfläche beim Endkunden immer besser zu verankern und diesen dafür zu begeistern. Die Botschaft lautet stets: Die Arbeitsfläche ist ein funktionales Gestaltungsobjekt, das das Design der Küche maßgeblich prägt und vom Küchennutzer individuell gewählt werden kann – auch über das Angebot des jeweiligen Küchenmöbelherstellers hinaus. Oder um es mit Unterstützung des aktuellen Werbeclaims von Lechner zu formulieren: Die Arbeitsfläche gibt der Küche das Gesicht. Der inzwischen landläufig bekannte Slogan schient zu greifen. Anhaltspunkte dafür sind mehr als 14 Mio. Views seit Januar 2017 beim Online-Konfigurator und 340.000 auf dieser Plattform von Kunden umgesetzte Küchenplanungen.

„Preisbereitschaft“ pflegen
Die zunehmende Begeisterung für hochwertige Arbeitsflächen und kreative Nischenverkleidungen lassen sich immer mehr Kunden was kosten. „Es gibt eine Preisbereitschaft“, fasst Vorstand Dirk Hollstein die Situation am Markt prägnant zusammen. Und er ergänzt: „Nun hoffen wir, dass der Handel mitzieht.“ Konkreter wird Hollstein in seiner Formulierung nicht, aber es braucht nicht viel Einfühlungsvermögen, um aus den Worten eine unterschwellige Besorgtheit herauszuhören, dass es Kräfte im Handel geben könnte, die auf kurzfristigen Umsatz setzen statt auf einen langfristig auskömmlichen Ertrag – und damit das Preisgefüge ins Rutschen bringen.

Fachkräfte selber ausbilden
Eine weitere wichtige Kundengruppe sind im Grunde die eigenen Mitarbeiter. Denn die müssen bei dem längst eingeläuteten Veränderungs- und Wachstumsprozess mitgenommen werden. „Und fit für die Zukunft gemacht werden“, wie Andrea Lechner-Meidel, Vorstand der Lechner Holding AG und Mitglied der Inhaberfamilie in zweiter Generation, ergänzt. Bei einer Arbeitslosenquote von 2% in der Region Rothenburg hat auch Lechner den Begriff Fachkräftemangel längst buchstabieren gelernt. Das gilt für Ingenieure ebenso wie für Fachkräfte in der Produktion. Aktuell besonders schwierig sei es, Fahrer für den eigenen Fuhrpark zu finden. Eine der Strategien gegen den Mangel an Fachkräfte sei die eigene Ausbildung. 12 Ausbildungsberufe stehen bei Lechner zu Wahl. 700 Männer und Frauen arbeiten aktuell für das Unternehmen, davon die meisten im fränkischen Rothenburg. Hinzu kommen zwei Standorte in Ungarn und Schweden. Dort werden ausschließlich Platten aus Laminat und Massivholz konfektioniert. Das Werk in Ungarn soll den osteuropäischen Markt versorgen, das in Schweden den skandinavischen.

Steinkompetenz gebündelt
Am direktesten bildet Lechner seine breit aufgestellte handwerkliche Kompetenz am Firmensitz im fränkischen Rothenburg ab. Dafür wurde jüngst umfangreich in die Produktion investiert. Unter anderem wurde eine ganz neue Produktionshalle errichtet. Seit Beginn 2018 werden dort auf mehr als 20.000 qm Grundfläche hochwertige Platten aus steinartigen Werkstoffen konfektioniert, spricht aus Naturstein, Quarzwerkstoff und Keramik. Die Keramiklinie wird aktuell komplett in die neue Halle 8 verlegt. Nach erfolgreichem Umzug ist die komplette Kompetenz in der Steinverarbeitung dann dort gebündelt.
Die Bearbeitung von Natur- und Quarzstein hätten mit der neuen Produktionsfläche einen Quantensprung gemacht, sagt Dr. Dirk Dantz, seit rund einem dreiviertel Jahr als neuer Geschäftsführer Produktion & Technik in Unternehmen tätig, nun sei Keramik das nächste Thema, das weiter vorangetrieben werde.
Mit dem neuen Technikgeschäftsführer hat sich Lechner Erfahrungen aus der Automobilindustrie ins Haus geholt, einer in Sachen Fertigungstechnik hochspezialisierten Branche. So sind sämtliche Prozesse in der neuen Halle 8 inzwischen nach modernsten Lean-Management-Methoden ausgerichtet. Die Effizienz konnte auf dieser Basis laut Unternehmen bereits um 30 Prozent gesteigert werden. Zeitgleich wurde die Neuzuschnittquote um 50 Prozent reduziert.
Investiert hat Lechner in die neue Produktionshalle und in den Maschinenpark mehr als 20 Millionen Euro. Durch diese Optimierungen und Neuinvestitionen rechnet das Unternehmen damit, künftig „weit über 1000 Aufträge pro Woche“ bearbeiten zu können. Im vergangenen Jahr waren es in der Summe 140.000 Kommissionen mit 350.000 Einzelkomponenten.

100% Kundenzufriedenheit
Realisiert werden soll der Mengenzuwachs „selbstverständlich“ bei gleichbleibend hoher Qualität. An der führe auch in Wachstumsphasen nichts vorbei. Wobei die Qualitätsphilosophie jeden Arbeitsschritt durchdringe, vom digitalisierten Wareneingang bis zur 100%-Qualitätskontrolle vor Versand. Zudem unterhält Lechner ein eigenes Prüflabor, in dem sich aktuelle Materialien beweisen müssen und neue Ideen entwickelt werden. Jüngst wurde zum Beispiel die wasserbeständige Hahnlochbohrung für Laminat-Platten realisiert. „Eine der kleineren Neuerungen“, von denen Technik-Geschäftsführer Dr. Dirk Dantz berichtet. Ein technisch größeres Kaliber sei die Einführung der neuen Keramik-Linie in 12 mm Stärke gewesen.
Wobei Lechner seinen Qualitätsanspruch auch, aber nicht allein am Produkt orientiert. „Es geht um 100% Kundenzufriedenheit“, sagt Andrea Lechner-Meidel. Und die äußere sich in ganz unterschiedlichen Aspekten wie Qualität, Liefertreue und Verfügbarkeit bis hin zu Service und Kundenfokus. So wundert es nicht, dass die Auszeichnung „Exzellente Kundenberatung“, die das Unternehmen kürzlich von Focus Money und Deutschland-Test erhielt, bei Lechner einen besonderen Wert hat. Schließlich zähle man damit zu den Top 3 Unternehmen in Deutschland. (Dirk Biermann)

www.mylechner.de