28.04.2017

Ihr Ziel stand früh fest: Bereits als Kinder wollten Michael T. Wurster und sein Cousin Simon Wurster das Wohnforum ihrer Väter übernehmen. Ihr Weg dorthin verlief allerdings nicht immer gradlinig. Beide nutzten die Chance, Erfahrungen außerhalb des Familienbetriebes zu sammeln. Und davon profitiert das traditionsreiche Möbelhaus jetzt. Zwei Generationen arbeiten Hand in Hand.

Die dritte und vierte Generation: Michael T. Wurster (von links), sein Vater Thomas sowie Simon Wurster und dessen Vater Matthias. Foto: Yakup Zeyrek

Seit 1923 hat das Wohnforum Wurster seinen Standort in Korn­west­heim (Baden-Würt­temberg). Am Altbau (rechts) ist noch der alte Schriftzug und das Schild mit dem Hobel zu erkennen, der auf die frühere Schreinerei hinweist. Der große, linke Teil wurde 1999 angebaut. Foto: Wurster

Im Wohnforum Wurster gibt es Küchen in den Stilen „Modern“, „Klassisch“, „Landhaus“ und „Patchwork“, ausgestattet mit namhaften Marken. Hier präsentiert Thomas Wurster eine Vollholzküche des Spezialisten Decker. Foto: Wurster

Das Wohnforum Wurster lädt seine Kunden zweimal im Jahr zu besonderen Events ein, um mit ihnen in ungezwungener Atmosphäre im Gespräch zu bleiben. Dafür wurde zuletzt erneut Nadia Ayche, Musicalsängerin und Mitglied des Pop-Trios Mr. President, verpflichtet. Foto: Yakup Zeyrek

Das Wohnforum Wurster an der Stuttgarter Straße in Kornwestheim vereint nicht nur Küchen, Polstermöbel oder Betten unter einem Dach. Es ist auch das Zentrum einer Familiengeschichte. Michael Wurster und Simon Wurster sind die vierte Generation, die das Möbelhaus eines Tages übernehmen wird. Aktuell führen ihre Väter Thomas und Matthias das Unternehmen.
Urgroßvater Friedrich hat als Tischlermeister 1923 begonnen. Er hat den Betrieb durch die Weltwirtschaftskrise der Weimarer Republik geführt, das Dritte Reich überlebt und ist nach dem 2. Weltkrieg voll durchgestartet. Das Familienunternehmen hat sich in den vergangenen 93 Jahren von einer kleinen Schreinerei zum Wohnforum Wurster entwickelt, das auf 5000 Quadratmetern auf fünf Etagen „Alles zum Wohnen“ anbietet.
Nachfolgend sind fünf Ebenen, Steps, Ideen und Projekte beschrieben, durch die das Wohnforum Wurster versucht, sich ein unverwechselbares Gesicht zu geben und in denen die Frage beantwortet wird, wie sich eine Generation auf die Nachfolge vorbereitet.

Ebene 1: Eine neue Generation wappnet sich für die Zukunft
Es ist ein großes Thema, das die gesamte Küchen- und Möbelbranche beschäftigt: die Nachfolgeregelung. Die Brüder Thomas und Matthias Wurster hatten das Glück, dass ihre Söhne sich bereits früh dafür interessierten, das Wohnforum zu übernehmen. Dennoch haben sie dem Nachwuchs die Gelegenheit gegeben, sich auszuprobieren.
Michael studierte an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, setzte auf seinen Bachelor in BWL den Master im Internationalen Projektmanagement. „Ich kann nur jedem, der den Anspruch hat, ein Unternehmen zu übernehmen, diese Hochschule empfehlen“, sagt Michael Wurster. Der 30-Jährige war von der Vielfalt und Tiefe der Studiengänge sowie der Praxisnähe begeistert. Er konnte sich ein breites Netzwerk aufbauen, veröffentlichte bereits mehrere Bücher, ist Dozent und Journalist. „Einige haben bestimmt gedacht, dass ich nicht mehr den Weg zurück zum Wohnforum finde. Für mich war jedoch immer klar, dass meine Zukunft im Familienbetrieb liegt.“
Simon (26) ließ sich zunächst als Schreiner ausbilden und absolvierte anschließend den staatlich geprüften Betriebswirt in Fachrichtung Möbelhandel an der Fachschule des Möbelhandels in Köln. Um sich auf die Nachfolge vorzubereiten, arbeitete er in verschiedenen Einrichtungshäusern. „Dadurch, dass Simon schon immer in der Möbelbranche tätig war, ergänzen wir uns ideal“, berichtet sein Cousin. Aber auch menschlich passt es. „Wir können uns auch deshalb von anderen Möbelhäusern abgrenzen, weil unsere Väter uns unsere Ideen umsetzen lassen“, erklärt Michael Wurster.

Ebene 2: Die Einrichtungsprofis
„Unser Ziel ist es, den Kunden glücklich zu machen und nicht in 20 Minuten einen Auftrag zu schreiben“, sagt Michael Wurster. Der 30-Jährige ist davon überzeugt, dass eine gute Beratung den Weg aus den aktuell aggressiven Rabattschlachten führt: „Wir bieten eine andere Form der Beratungskompetenz, erhalten die familiäre Atmosphäre und setzen dadurch bewusst einen Gegenpart zur anonymen Großfläche.“ Jeder im Wohnforum Wurster ist ein Einrichtungsprofi und besetzt verschiedene Nischen.
Matthias Wurster spezialisierte sich unter anderem auf das Einrichten von Seniorenwohnheimen. In Zeiten des demografischen Wandels eine Kompetenz, die ständig gefragt ist. Der Anbau von 1999 wurde auch deshalb barrierefrei geplant.

Ebene 3: Projekte und journalistische Aktivitäten
Die Einrichtungsprofis geben ihr Wissen auch im Internet weiter. Auf Focus online haben sie ihre eigene Kolumne, geben dort Einrichtungstipps und -ratschläge.
Dazu hat das Wohnforum-Team einen eigenen Wohnstiltest entwickelt. Innerhalb weniger Minuten findet jeder heraus, welcher Stil — sei es klassisch, Landhaus, Patchwork oder modern — zu ihm passt. Gleichzeitig wird eine Farb- und Materialpräferenz festgelegt. Das „Einrichtungsprofil“ basiert auf einem Persönlichkeitstest und zwei ergänzenden Workshops. Der Test wird von der Möfa empfohlen. „Wenn der Kunde ihn bereits gemacht hat, können wir ihn punktgenau beraten“, erklärt Michael Wurster.

Ebene 4: Service
Wo fängt Service an, wo hört er auf? Manche Kunden geben im Wohnforum ihren Haustürschlüssel ab, verabschieden sich in den Urlaub und ziehen anschließend in ihre neu eingerichtete Wohnung ein. Das zeugt von Vertrauen – und ist keine Seltenheit. Das Wohnforum bietet einen Hol- und Bringservice an, die Beratung ist das A & O.
Dazu verfügt Wurster über eine eigene Schreinerei, die Montage ist garantiert. Und zum Service zählt auch, dass ausschließlich qualitativ hochwertige Produkte verkauft werden. Schreinermeister Matthias Wurster prüft, welche Möbel ins Sortiment aufgenommen werden und welche draußen bleiben müssen.

Ebene 5: Die Individualisierung
Alle sprechen davon, nur wenige setzen den Trend der Individualisierung auch konsequent in ihren Unternehmen um. Das Wohnforum Wurster denkt immer wieder darüber nach, sich mit Kleinigkeiten von anderen Einrichtungshäusern abzusetzen. Denn die bleiben dem Kunden in Erinnerung. Wer eine Küche kauft, dem wird dazu ein signiertes Kochbuch des Fernsehkochs Kolja Kleeberg geschenkt.
Der Künstler Rainer Hüttner hat sein Atelier im Wohnforum. Seine Bilder hängen, die Skulpturen stehen in den Kojen und stechen damit aus der ewig gleichen 08/15-Deko hervor. Wenn ein Kunde ein Wohnumfeld sieht, das ihm gefällt und gleichzeitig woanders ein Bild nach seinem Geschmack entdeckt, werden beide Sachen zusammengebracht. Da wird schon mal ein Bild vom Berater abgenommen und für den Kunden ins gewünschte Umfeld gebracht. Ganz einfach.
Dazu veranstaltet das Wohnforum Wurster zweimal im Jahr Events. „So können wir in ungezwungener Atmosphäre das Gespräch mit den Kunden pflegen“, sagt ­Michael Wurster. Das Einrichtungshaus verwandelt sich in Konzerthalle und Marktplatz zugleich. Mit ­Nadia Ayche ist schon mehrmals eine bekannte Musicalsängerin aufgetreten. Dazu verkaufen befreundete Unternehmer regionale Produkte wie Honig oder Liköre, aber auch Olivenöl. Und Autohändler stellen ihre neuesten Modelle vor das Einrichtungshaus. „Dadurch besuchen uns auch Kunden, die aktuell keine Möbel brauchen aber vielleicht dann doch eine Idee mitnehmen“, erklärt Michael Wurster.
Das Wohnforum Wurster will anders sein und trotzdem seine traditionsreichen Wurzeln nicht verlieren. Ein Spagat, der gelingt.
Astrid Plaßhenrich

www.wohnforum-wurster.de
www.focus.de/immobilien/experten/einrichtungs-profis/