27.04.2017

Tradition spielt die prägende Rolle in der DNA von BAX. Schließlich gehört der 1890 gegründete Detmolder Betrieb zu den ältesten Küchenmöbelherstellern Deutschlands. Und trotz einer turbulenten Firmengeschichte hat das Unternehmen seinen Platz gefunden: als Manufaktur mit industrieller Fertigung.

„Klassische ­Küchen durch sinnvolle Innovationen modern zu inszenieren, ist unser Credo“, sagt Robert Woelk, Vertriebsleiter von BAX. Fotos: Plaßhenrich

Der „Point of Sale“ von Bax besteht aus drei Unterschränken. Sie unterscheiden sich in Spanplatten-, Tischler­platten- und Massivholzkorpus. Dazu kann der Handelspartner die unterschiedlichen Auszugsysteme und Innenausstattungen präsentieren.

BAX inszeniert auch individuelle Landhausküchen, wie sie im Süden Englands häufig vorzufinden sind. Dies ist ein älteres Modell, dass im Firmensitz in Detmold ausgestellt ist.

Wie aus einem Guss: Diese moderne Küche integriert sich ideal ins Wohnumfeld.

Ostwestfälische Bodenständigkeit gepaart mit ehrgeizigen Mitarbeitern und dem richtigen Instinkt, seinem ursprünglichen Produkt treu zu bleiben. Mit dieser Leitidee geht BAX seinen Weg nach der Insolvenz im März 2011. „Wir verstehen uns immer noch als Handwerksbetrieb“, sagt Vertriebsleiter Robert Woelk. Und er fügt an: „Unser Credo lautet, klassische Küchen durch sinnvolle Innovationen modern zu inszenieren.“

Design ohne Blenden
Die Ideale von BAX fußen auf den vier Grundpfeilern Maßfreiheit, Vielfalt, Qualität und Handarbeit. So kann die Schrankbreite im 5-cm-Raster standardmäßig variiert werden. „Natürlich können wir auch zentimetergenau jedes andere Maß fertigen“, erklärt Woelk. Die Maßfreiheit schlägt sich nicht nur in der Breite nieder, sondern auch in Tiefe, Höhe, Aufteilung oder auch in der Innenausstattung. Durch die individuelle Fertigung der Fronten kann auch auf Ausgleichblenden verzichtet werden. Die stören ohnehin das klare Design.
Dazu will sich BAX durch Vielfalt auszeichnen. Von Melaminharz über Schichtstoff, Glas, Lack, Furnier oder Echtholz reicht die Bandbreite der Materialien für Oberflächen für Fronten und Arbeitsplatten. Der 1,2 Millimeter starke durchgefärbte Schichtstoff unterstreicht die Qualität der ausgewählten Materialien. Die hauseigene Lackiererei macht jede erdenkliche Farbe möglich – und sei sie noch so ausgefallen. Korpuskanten und Griffprofile können der Frontfarbe und dem Material folgen. Alleinstellungsmerkmale sind die Vorsatzrahmen und die eleganten einschlagenden Türen. Im Design kann BAX nach eigener Einschätzung von Landhaus bis „modern und grifflos“ alles.

Drei statt zwei Scharniere
Der dritte Grundpfeiler heißt Qualität. „Diese ist an vielen Details erkennbar und macht in der Summe den Unterschied aus“, ist sich Woelk sicher. Drehtüren ab einer Höhe von 75 Zentimetern werden zum Beispiel mit drei Scharnieren ausgestattet – üblich sind zwei. Weitere Beispiele für den Qualitätsanspruch: Das Korpusmaterial und die Einlegeböden sind 19 Millimeter stark. Rückwände bestehen aus einer acht Millimeter dicken Spanplatte. Die ist beidseitig beschichtet, rundum eingenutet und verklebt. Die Sockelblende wird aus einer Tischlerplatte gefertigt, ist wasserfest verleimt, beschichtet und mit Dichtungsprofil ausgestattet.
Die hohe Qualität realisiert BAX durch Handarbeit (Pfeiler Nr. 4) und eine hohe Fertigungstiefe. Holz­ober­flächen werden im Hause bearbeitet und veredelt durch Ölen, Schleifen, Wischen, Patinieren und Lackieren. Bei furnierten Fronten kann der Maserungsverlauf durchgehend ausgeführt werden. Um dieses Niveau zu halten, bildet BAX unter anderem Holztechniker aus.

Kontinuierliche Entwicklung
Der Charakter der Tischlerei ist in der Produktionshalle deutlich zu spüren – und zu riechen. Holz-, Leim- und Farbgerüche liegen in der Luft. Vollautomatisierte Maschinenstraßen sucht man vergebens. Das Wort Manufaktur wird hier ernst genommen und mit Leben gefüllt. Aber selbstverständlich investierte die Unternehmensführung in jüngster Vergangenheit kontinuierlich in die Produktion, Prozesse wurden umgestellt und verbessert, Laufzeiten verkürzt. BAX wächst. „Kontinuierlich und kontrolliert“, betont ­Woelk, „wir wollen eine weitere Berg- und Talfahrt verhindern.“
Aktuell sind bei dem lippischen Unternehmen etwa 50 Mitarbeiter in Verwaltung und Fertigung beschäftigt. Sie haben einen großen Anteil daran, dass BAX nicht wie manch andere kleine Küchenmöbelhersteller in der Versenkung verschwunden ist. Viele von ihnen arbeiten seit mehreren Jahrzehnten in dem Betrieb, ihre Expertise und der Erfahrungsschatz sind groß und werden geschätzt.

Neue Märkte erschlossen
In Josef Wiese wurde 2011 ein Investor gefunden, der aktiv in der Geschäftsführung tätig ist. In den ers­ten Monaten seiner Unternehmenszugehörigkeit war er ständig unterwegs. Es galt, das Vertrauen der Händler und Lieferanten zurückzugewinnen und dadurch eine neue Basis für die Zusammenarbeit zu schaffen. Gleichzeitig wurden Handelsvertreter verpflichtet, die deutschlandweit die Kunden betreuen. Aktuell sind es sieben. Durch sie wurden neue Märkte erschlossen. So war BAX in einigen Gegenden vor noch fünf Jahren kaum vertreten. „Das hat sich bis heute deutlich verändert“, erklärt Woelk.
Inzwischen umfasst das Netz mehr als 300 Händler – Tendenz steigend. Der wichtigste ausländische Markt sind die Niederlande. Darüber hinaus ist der Hersteller in England, Österreich, Russland und China tätig. „Für die nächsten Schritte sehen wir in den angrenzenden Ländern noch genügend Wachstumspotenzial für individuelle Küchen“, sagt der Vertriebsleiter.

Schulungen für Händler
Für seine Händler bietet der Küchenmöbelhersteller u.a. einen speziellen „Point of Sale“ an. Der besteht aus drei Unterschränken. Diese unterscheiden sich in Spanplatten-, Tischlerplatten- und Massivholzkorpus. Dazu kann der Handelspartner die unterschiedlichen Auszugsysteme und Innenausstattungen präsentieren. Die Ideale von BAX können dem Endkunden dadurch auf sehr kleinem Raum plausibel gemacht werden.
Dazu schult das Unternehmen seine Handelspartner direkt im Unternehmen in Detmold. „Planer und Designer versuchen sich immer von der Konkurrenz abzuheben durch eine möglichst kundenindividuelle Planung. Mit uns ist das möglich“, sagt Robert Woelk. Bei BAX ist sich aber auch jeder bewusst, dass durch sie eine Nische besetzt wird. „Ziel ist es, immer bezahlbar zu bleiben und eine preisangemessene Individualität und Qualität zu liefern. In Ostwestfalen ist eben auch die Bodenständigkeit in vielen Unternehmen verankert.

Astrid Plaßhenrich

www.bax-kuechen.de