29.09.2014

Interview mit Stefano Provvedi, Airforce, zur Einführung der Energieeffizienzklasse bei Hauben.

Am Firmensitz in Fabriano / Italien unterhält Airforce ein eigenes Labor, um alle Aspekte der Lüftungseffizienz beobachten, messen und verbessern zu können. Foto: Airforce

In den Entwicklungsabteilungen der Haubenhersteller geht es derzeit munter zu. Jedes einzelne Modell wird entsprechend der zum 1. Januar 2015 in Kraft tretenden Energieeffizienzkriterien auf den Prüfstand gestellt und eingruppiert. Eine enorm wichtige Arbeit, denn beim Verbraucher genießt das Energielabel einen hohen Stellenwert.
Als einer der namhaften spezialisierten Haubenhersteller bereitet sich – wie alle anderen Hersteller und Importeure auch – das Unternehmen Airforce im italienischen Fabriano auf die Einführung des Energielabels vor. Und das nicht erst seit wenigen Monaten. Das konnte die Redaktion bei zwei Betriebsbesichtigungen vor zwei bzw. vier Jahren vor Ort feststellen. Dirk ­Biermann hat Stefano Provvedi, Vertriebsleiter bei ­Airforce, zu Details befragt.

Küchenplaner: Wie lange bereitet sich ihr Unternehmen bereits auf die Einführung des Energielabels vor?
Stefano Provvedi: Airforce hat sich auf die Einführung des Energielabels schon seit mehr als vier Jahren vorbereitet. Wir haben das Thema EEK z. B. unter anderem mit der Entwicklung unseres energiesparenden Dreiphasenmotors gestartet, den wir auf der ZOW 2010 vorgestellt haben. Dies war für Airforce zu diesem Zeitpunkt die wichtigste Entwicklung, um die Vorgaben rund um das Thema EEK zielgerichtet bearbeiten zu können. Dazu gehörte auch der Aufbau eines eigenen Labors, in dem wir die wichtigsten Aspekte testen können, wie z. B. Leis­tung, Beleuchtung, Fettabscheidung. Bereits im Vorfeld muss sichergestellt sein, dass diese Komponenten den Anforderungen entsprechen. Und das bevor Sie in eine Haube eingebaut werden. Für uns muss das Testergebnis zur EEK im grünen Bereich liegen, d. h. im Bereich A-C.

Küchenplaner: Energiesparende Motoren und der Einsatz von LEDs sind wichtige Kriterien, um den Energieeinsatz zu minimieren. Dokumentiert und damit vergleichbar gemacht werden aber auch Aspekte wie der Lärmpegel bzw. die Geräuscharmut. Wie hat sich ­Airforce darauf vorbereitet?
Stefano Provvedi: Da wir unsere Motoren und Motorgebläse selbst entwickeln, lag unser Schwerpunkt von Anfang an darauf, die Luftturbulenzen im Motor und in der Haube immer weiter zu reduzieren. Je reibungsloser die Luft in die Haube hineingelangt und je besser der Motor arbeitet, desto geringer sind die Geräusche.

Küchenplaner: Wie konnte der Fettabscheidegrad erhöht werden?
Stefano Provvedi: Wir haben in Zusammenarbeit mit unseren Zulieferanten alle Filter überarbeitet und verbessert, um einen höheren Fettabscheidegrad zu erreichen, so bringen wir z. B. in der Haube eine zusätzliche interne Fettfilterlage ein, mit der wir einen möglichst optimalen Fettabscheidegrad erreichen, ohne den Lufteingang zu reduzieren.

Küchenplaner: Fluiddynamische Effizienz ist ein ungewöhnlicher Begriff. Was ist darunter zu verstehen? Und wie gehen Ihre Ingenieure in diesem Punkt vor?
Stefano Provvedi: Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, der die Leistung des Motors und der Haube beeinflusst. Einfach dargestellt könnte man sagen, dass diese Effizienz von der Schnecke und dem Schaufelrad im Motor sowie der Geometrie der Haube beeinflusst wird. Das heißt: Bereits bei der Entwicklung des Motors sind diese beiden Komponenten im Motor entscheidend, um die bes­te fluiddynamische Effizienz zu erreichen. Erst wenn die Tests im Labor die Zielresultate ergeben haben, werden die Werkzeuge für die Haube gebaut.

Küchenplaner: Zu Beginn gibt es die Effizienzklassen A bis G. Wird es Ihrer Meinung nach gleich zu einer inflationären A-Klassifizierung der meisten Geräte kommen? Oder mit welcher „Verteilung“ rechnen Sie?
Stefano Provvedi: Es ist schwer zu sagen, wie sich der Markt entwickeln wird. Airforce hat, wie bereits eingangs erwähnt, eine breite Produktpalette, die mit einem „grünen“ Energielabel ausgestattet ist. Natürlich wären wir auch in der Lage fast alle unsere Hauben mit der EEK A zu labeln, hier sind wir jedoch sehr stark von den Anforderungen unserer Kunden abhängig, die natürlich auch mitentscheiden, in welcher EEK sie unser Produkt vermarkten möchten. Es wird also wohl so aussehen, dass im Markt noch viele Produkte im mittleren EEK-Bereich angesiedelt sein werden, während andere Vermarkter sicherlich auch noch die EEK-Bereiche D-E verkaufen werden. Wir sehen uns mit unseren Hauben mehr im „oberen EEK-Bereich“ angesiedelt.

Küchenplaner: In den nächsten Jahren folgen die Top-Klassifizierungen A+, A++ und A+++. Wird es bei der Haubenentwicklung zu markanten Effizienzsteigerungen kommen, die diese Ergänzungen rechtfertigt?
Stefano Provvedi: Wir stellen uns diesen Anforderungen gerne und arbeiten bereits täglich daran. Ob dies zu markanten Effizienzsteigerungen kommen wird, kann ich zurzeit noch nicht beantworten. Gerechtfertigt sind diese Ergänzungen aus meiner Sicht immer. Wir arbeiten dafür bereits an der Entwicklung von neuen Brushless-Motoren.

Küchenplaner: Vor welche besonderen Herausforderungen stellt ihr Unternehmen bzw. die gesamte Haubenbranche die Ökodesign-Richtlinie, die ebenfalls 2015 mit der ersten Stufe in Kraft tritt?
Stefano Provvedi: Die Erfüllung der Ökodesign-Richtlinie läuft bei Airforce bereits parallel zur Einführung der EEK. So wird z. B. eine neue Elektronik entwickelt, die zwei Intensivstufen hat, da der Luftstrom nach einer bestimmten Zeit automatisch auf 650m³/h reduziert werden muss. Das heißt, dass eine Haube, die in der Intensivstufe 850m³/h leistet, nach einer bestimmten Zeit automatisch auf 650m³/h herabgeregelt wird. Besondere Anforderungen sehen wir in dieser Richtlinie jedoch nicht.

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