29.01.2026

Die Küche 2026 nimmt Abschied von der harten Kante und spricht die Sinne an. Formen werden weicher, Farben erdiger, Planungen durchgängiger und Technik unsichtbarer.

Im Stil der 1970er-Jahre: Trendfarbe „Yoko Silk“ in Kombination mit dem Dekor „Neo Rustico“. Elegante Akzente setzen die Arbeitsplatte in „Taj Mahal“-Nachbildung und die hochwertigen Vitrinenschränke mit Aluminiumrahmen in „Antique Brass“. (Ballerina) Foto: Biermann

Das ausgeweitete Rundwangen-Angebot steht im gesamten Mattlackprogramm sowie in ausgewählten Holzprogrammen zur Verfügung. (LEICHT) Foto: Biermann

Die neue Echtmetallfront „Zerox ME“ greift den Trend zu metallischen Oberflächen auf. Erhältlich sind „Inox“, „Brass“ (Foto) und „Copper. „Scandinavian Fjell Oak“ (Furnier) vervollständigt die wohnliche Ausstrahlung dieser Beispielplanung. (Rotpunkt Küchen) Foto: Biermann

Das Insel-Abschlussregal schafft einen eleganten Raum zum Verstauen und Präsentieren. Zum Beispiel können dort selten genutzte Gewürze schnell und griffbereit untergebracht werden. Charakteristisch für die Kollektion sind durchgehend abgerundete Möbelelemente sowie das neue Arbeitsplatten-Zwischenmaß 25 mm. (Schüller) Foto: Biermann

Landhausplanung mit einer Spur Extravaganz. Was aber eher dem Bodenbelag zuzuschreiben ist und nicht den Möbeln in „Avocado softmatt“ und „Kaschmir softmatt“. Nolte Küchen)

Die Auszug-Abschluss-Hochschränke sind eine clevere Lösung zur Nutzung schmaler Nischen am Zeilenende. In drei Breiten und zwei Höhen erhältlich, verwandeln sie ungenutzte Flächen in funktionalen Stauraum. Etwa für Besen, Bügelbrett, Vorräte oder Putzutensilien. LEICHT)

Nische, Wange, Arbeitsplatte, Frontelement: variantenreiche Massivholz-Veredlung für individuelle Planungen. (Wagner & Schönherr) Foto: Biermann

Mit dem Programm „Aura“ bietet der Hersteller erstmals Schichtstoff-Fronten an. Weitere Neuheiten sind „PerfectSense“-Oberflächen, gerundete, organische Formen und technische Updates, die den Nutzungskomfort erweitern sollen. Für die zeitgemäße Farbgestaltung wurden „Sandgrau“ (Foto, hier mit „Feineiche Hell NB“) und „Steinbeige“ aufgenommen. (Häcker, concept130) Foto: Biermann

Organische Formen sind die Basis des „Softline“-Konzepts, das durch die neue 39-mm-Radius-Wange aus „Fenix-Bloom“ erweitert wurde. Erhältlich ist es im gesamten Sortiment in 25 Farben. Auch die neuen, individuell gefertigten Edelstahl-Arbeitsplatten nehmen das geschwungene Design auf. (Sachsenküchen) Foto: Biermann

Ein besonderer Blickfang sind diese Kücheninseln im Werkbank-Stil, deren Stollenaufbau handwerkliche Anmutung mit klarer Linienführung verbindet. Das offene Regalsystem kann mit Einlegeböden und optionaler Beleuchtung kombiniert werden und lässt sich flexibel in unterschiedliche Grundrisse integrieren. (Rempp Küchen) Foto: Rempp

Die grundlegende Richtung, in die sich das Küchendesign bewegt, ist schon seit einiger Zeit definiert, zeigt sich aber immer fokussierter. Behaglich soll es sein, ruhig, harmonisch und klar strukturiert. Die Hersteller jonglieren mit internationalen Einrichtungsstilen, einer Prise Retro und einem matten Minimalismus, der sich bei aller Zurückhaltung nicht im Puristischen verliert. Also alles rund und ruhig auf Basis von wohnlichen Erdtönen und metallischen Akzenten? Durchaus. Aber nicht nur, wie die Impressionen aus den Ausstellungen der Küchenmöbelhersteller dokumentieren. In Summe zeigt sich eine Evolution des Cocooning. Entschleunigung daheim, während sich die Welt draußen überschlägt.

Spiel von Optik und Funktion
Die Küche als stiller Rückzugsort? So weit geht es dann doch nicht. Schließlich reden wir vom lebendigen Mittelpunkt des Wohnens. Die Küche bleibt bei allem Anspruch an Wohnlichkeit DAS gesellige Zentrum und gleichzeitig ein Arbeitsraum, in dem Lebensmittel gelagert, vorbereitet und zubereitet werden. Gespült wird auch immer noch. Im Spiel von Funktion und Optik neigt sich die Waagschale aber spürbar in Richtung Gestaltung. Die Funktion zieht sich dezent zurück oder passt sich in der Formgebung an, bleibt aber selbstverständlich präsent. Geht ja nicht ohne. Damit wird die Küche – oder der Küchenbereich im offenen Wohnen – zu einem Raum, der noch intensiver als bisher Geborgenheit ausstrahlt und dennoch hoch funktional ist.

Ruhiges Gesamtbild
Der Trend zu Sinnlichkeit und Entschleunigung zeigt sich besonders in der Formensprache. Weiche Rundungen nehmen dem Kastenmöbel die Härte, Technik tritt wie eingangs erwähnt in den Hintergrund. Japandi, die Mischung aus japanischem Purismus und skandinavischer Behaglichkeit, prägt viele Entwürfe. Sanfte Linien fördern die Gemütlichkeit und schaffen Harmonie zwischen Küche und Wohnraum. Wobei die Farbwelten die Vermittlerrolle übernehmen. Sand, Taupe, Macchiato, Caramel oder Coffee dominieren die neuen Kollektionen. Warme Naturfarbtöne von Beige bis Sepia erzeugen Ruhe und Tiefe. Grün bleibt Akzentgeber: Salbei, Olive und Avocado vermitteln Frische und Naturnähe, ohne zu dominieren. Dunkle Kontraste wie Midnight oder Fjord bringen zusätzliche Eleganz in moderne Konzepte. Ebenso wie mattes Schwarz, das sich zunehmend von der Möbelfront zurückzieht und sich auf die Geräteoberflächen konzentriert. Holzdekore sind als Kombinationspartner ebenfalls allgegenwärtig, oft mit Synchronpore oder als Echtholzfurnier, um die Anmutung des Echten zu bewahren. Denn der Naturbezug steht hoch im Kurs und wird budgetkonform mit Naturstein, Keramik, Echt- oder Massivholz und massiver metallischer Materialität verkörpert. Ergänzend gewinnen auch in den Nachbildungen feine Stein- und Terrazzo-Optiken an Gewicht. Und Taj Mahal auf der Platte. Einheitlichkeit ist das Stichwort: Korpus, Front und Innenfarbe verschmelzen zu einem ruhigen Gesamtbild. Jegliche Form von Exzentrik fällt auf und wirkt umso strategischer gesetzt.

Schnell da, schnell weg
Gleichzeitig steht 2026 für robuste Eleganz. Anti-Fingerprint-Oberflächen sind Standard, ihre Haptik wird immer feiner. Neue Oberflächen verbinden Widerstandsfähigkeit mit samtiger Oberfläche. Auch das Innenleben folgt dieser Logik. Schmale Zargensysteme verfeinern das Design mit dunklen Lackierungen oder Titan-, Glas- und Holzoptiken. Hochschrankwände erhalten Auszugs-Abschlussschränke, Vorratsräume werden begehbar und auf den Arbeitsflächen bewegen sich leichtgängige Auszugstablare aus dem Aufsatzschrank und transportieren alles, was nützlich ist, aber ungenutzt im Weg rumsteht. Wer jetzt an den Thermomix oder eine Heißluftfritteuse denkt, liegt gar nicht so falsch. Bei alledem wird Licht immer mehr zum Stimmungsmacher.

Dirk Biermann