Küchenlogik im ganzen Haus
Der Blick in die Kollektionen 2026 der Küchenmöbelhersteller lässt keine Zweifel offen. Die Küche wird nicht mehr allein als abgeschlossener Raum gedacht, sondern immer häufiger als planerischer Ausgangspunkt für das Wohnen und Arbeiten im gesamten Haus. Fast alle Unternehmen erweitern ihre Systemlogik auf angrenzende Lebensbereiche. Wohnen, Bad, Ankleide, Hauswirtschaftsraum und zunehmend auch das Schlafzimmer werden Teil wohnraumübergreifender Konzepte. Allerdings je nach Hersteller in unterschiedlicher Konsequenz. Auffällig ist: Bei dieser Entwicklung geht es nicht um dekorative Ergänzungen oder lose Beimöbel. Entscheidend ist die Übertragung küchentypischer Prinzipien wie Raster, Maßlogik und Materialsysteme auf weitere Räume. Das Ergebnis sind durchgängige Einrichtungen, die sich optisch wie funktional ohne Stilbruch durch offene Grundrisse ziehen. Für den Handel entstehen damit neue Ansatzpunkte für eine ganzheitlichere Beratung über die Küche hinaus.
Die Küchenlogik als Maßstab
Die thematische Breite ist groß. Der Hauswirtschaftsraum rückt stärker in den Fokus und wird funktional wie gestalterisch aufgewertet. Stauraum, integrierte Technik und hochwertige Oberflächen holen den HWR aus der reinen Nebenfunktion. Das Bad entwickelt sich zum Möbelraum mit wohnlichen Fronten, abgestimmten Waschtischen und klarer Formsprache. Ankleiden und Kleiderschränke folgen denselben Maß- und Designlogiken wie die Küche. In einzelnen Konzepten wird auch das Schlafzimmer Teil der Gesamtplanung.
Parallel dazu gewinnt der Wohnbereich an Kontinuität. Sideboards, Regale, Vitrinen und Mediamöbel entstehen nicht mehr als Ergänzung, sondern als logische Verlängerung der Küchenarchitektur. Abgerundete Wangen, sanfte Übergänge und ruhige Farbkonzepte halten offene Räume zusammen. Die Küche bleibt sichtbar, verliert aber ihren solitären Charakter und ordnet sich stärker ins Gesamtbild ein.
Ein weiteres verbindendes Element ist die Integration von Technik. Funktionen wie Vorratshaltung, Reinigung oder Service verschwinden hinter Fronten oder werden unauffällig in Möbel integriert. Sichtbare Technik tritt zurück. Planung und Nutzung wirken aufgeräumter, ohne an Funktionalität zu verlieren.
So haben wir recherchiert
Um ein belastbares Bild zum aktuellen Stand des Konzepts „Mehr als Küche" zu zeichnen, hat die Redaktion alle relevanten Küchenmöbelhersteller gezielt befragt. Ausgangspunkt war die Frage, ob „Mehr als Küche" noch als Idee verstanden wird oder bereits fester Bestandteil der Sortiments- und Vermarktungsstrategie ist.
Der Fokus lag dabei nicht auf der grundsätzlichen Machbarkeit, Möbel für weitere Wohnbereiche auf Basis klassischer Küchentypen zu realisieren. Diese gilt als gesetzt. Entscheidend war vielmehr, ob Hersteller eigenständige Möbeltypen, Programme oder definierte Sets für angrenzende Lebensbereiche anbieten und wie systematisch diese in die bestehende Planung integriert sind.
Konkret wurden die Hersteller gebeten darzustellen, welche Lösungen sie aktuell für Wohnen, Essen, Bad, HWR, Garderobe, Ankleide und gegebenenfalls Schlafzimmer vorhalten. Ebenso wurde abgefragt, welche dieser Bereiche in den gängigen Küchenplanungsprogrammen abbildbar sind und in welchem Umfang. Ziel war es, nicht nur das Sortiment zu erfassen, sondern auch dessen praktische Relevanz für den Fachhandel.
Einordnung der Antworten
Die eingegangenen Rückmeldungen fielen in ihrer Tiefe sehr unterschiedlich aus. Einige Hersteller formulierten bewusst fokussiert und knapp, andere gingen ins Detail. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch auf den Umfang oder die Sortimentstiefe des jeweiligen Angebots schließen. Prägnante Antworten sind häufig Ausdruck klarer Systematik, während ausführliche Beschreibungen eher die Vielschichtigkeit einzelner Lösungen abbilden.
Zudem wurde deutlich, dass sich die Angaben nicht eins zu eins vergleichen lassen. Was der eine Hersteller explizit benennt, etwa Vitrinen, Durchgangstüren oder Lichtoptionen, kann beim anderen implizit Teil des Systems sein, ohne gesondert erwähnt zu werden. Die Abwesenheit eines Stichworts bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass diese Ausstattung fehlt.
Offen blieb in mehreren Antworten auch, wie eindeutig der Begriff des Sets definiert ist und wie Hersteller die Bedeutung der Planungssoftware-Integration bewerten. Ist sie Voraussetzung für effiziente Beratung oder vor allem Unterstützung im Planungsprozess?
Die Kreativität entscheidet
Übergreifend zeigte die Auswertung, dass sich die Küchenmöbelindustrie intensiv mit den Räumen außerhalb der Küche beschäftigt, auch wenn die Ausstattung der Küche in den allermeisten Fällen nach wie vor im Mittelpunkt steht. Ebenso deutlich wurde, dass sich mit den meisten Sortimenten grundsätzlich sehr frei planen lässt. Der verfügbare Spielraum hängt offenbar weniger von formalen Programmen ab als von der Kreativität und Erfahrung der Planerinnen und Planer.
Genau hier setzt das Konzept „Mehr als Küche" an. Es verschiebt den Fokus von einzelnen Möbeltypen hin zur Frage, wie systemisch, anschlussfähig und beratungsrelevant ein Sortiment über die Küche hinaus konzipiert ist.
Wer macht was in der Industrie?
In der Ausgabe KÜCHENPLANER 1/2 2026 stellen wir die Aktivitäten der Küchenmöbelindustrie zum Thema „Mehr als Küche“ umfangreich vor. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich der Ansatz betrachtet und umgesetzt wird.
Der vollständige Text ist in der Printausgabe sowie im E-Paper nachzulesen. Den direkten Zugang zum E-Paper bietet der kostenfreie wöchentliche Newsletter: www.kuechenplaner-magazin.de/newsletter





