09.04.2026

Ausstellerrochade auf der Küchenmeile in Ostwestfalen: Ein Ausstellerwechsel zieht den anderen nach sich. Das bereitet Spekulationen den Boden.

Dirk Biermann, Chefredakteur KÜCHENPLANER.

Update: Dies ist das Editorial aus KÜCHENPLANER 3 / 4 2026. Kurz nach Drucklegung hat die Schock GmbH gemeldet, künftig auf Gut Böckel einen Showroom zu beziehen und nicht mehr - wie in den letzten Jahren - auf der area30 auszustellen. Im vorliegenden Artikel (und damit auch in der Print-Version) wird Schock noch als einer der namhaften area30-Aussteller genannt. /dib


Das muntere Stühlerücken begann mit der Meldung, dass Franke und berbel ab September 2026 zusammen Quartier auf Gut Böckel beziehen. Initiiert wurde der Wechsel, weil Franke aus dem house4kitchen raus muss. Vermieter Schüller möchte die Gruppentochter Impuls Küchen, die bislang im benachbarten Kitchen Center Löhne (KCL) ausstellte, in der eigenen Immobilie unterbringen. Für die Konzernmarken Franke und berbel, die organisatorisch und personell eng verbunden sind, liegt eine gemeinsame Messepräsenz nahe. Die Frage „Zu mir oder zu Dir?" stellte sich bei der Standortsuche jedoch nicht. Eine gemeinsame repräsentative Ausstellung mit Ganzjahresnutzung sollte es sein. Dass diese auf Gut Böckel gefunden wurde, überrascht. Denn Ausstellungsfläche ist in dem historischen Gebäudeensemble rar. Und doch sind es 500 Quadratmeter geworden. Im Obergeschoss über „Pferdestall" und „Altes Schlittenmuseum". Wer den Geländeplan nicht auswendig aufsagen kann: Das ist am Eingang gleich rechts, direkt neben Blanco und über Beko und Smeg. Eine weitere Doppelausstellung formiert sich auf dem Areal fast in Sichtweite auf der gleichen Seite. Dort teilt sich Küppersbusch künftig die Räume mit Konzernmutter Midea. Der chinesische Hausgerätehersteller war wie berbel zuvor Aussteller auf der area30 in Löhne. Was die dortigen Verantwortlichen naturgemäß nicht begeistert, zumal sie in diesem Herbst nicht nur auf Midea und berbel verzichten müssen, sondern auch auf Samsung und Falmec. Beide Unternehmen wechseln von der area30 ins KCL. Samsung übernimmt die von Impuls Küchen freigemachte Fläche im Erdgeschoss, Falmec den einst von ewe Küchen genutzten Bereich direkt daneben. Die Begründung klingt bekannt: Wir wollen die Räumlichkeiten ganzjährig für Events und Schulungen nutzen.

Schnell und konsequent reagiert
Kommuniziert wurden diese Ausstellungswechsel von allen Beteiligten in kurzer Folge. So entstand der Eindruck, dass die area30 wie der Verlierer dieser Domino Days dasteht. Sollte das bis dato erfolgreiche Messezentrum in Löhne etwa nachhaltig an Zuspruch verlieren? Aufkommende Spekulationen in diese Richtung konterten Stammaussteller schnell und konsequent. Kevin Göbel (systemceram) und Mathias Meloh (Vogt) machten mit Statements deutlich: Die area30 ist und bleibt unsere Leitmesse. Hier treffen wir alle unsere wichtigen Kunden. Weitere namhafte area30-Aussteller applaudierten aus dem Off. Das Trendfairs-Team um Geschäftsführer Christopher Boss wird es zur Kenntnis genommen haben. Neben den Genannten hat die area30 noch einiges an Prominenz aufzubieten: Naber, Quooker, Schock, Strasser, AKP und einige mehr. Mit Rempp Küchen konnte sogar seit längerer Zeit wieder ein Küchenmöbelhersteller für den Herbst 2026 gewonnen werden. Und das soll erst der Anfang gewesen sein. Um mit den Möbelherstellern noch intensiver in Kontakt zu kommen, ist die Trendfairs GmbH neuer Kooperationspartner der Verbände der Holz- und Möbelindustrie NRW.

Etablierter Publikumsmagnet
Aussteller zu verlieren, ist für keinen Messeveranstalter erbaulich. Aber das Kommen und Gehen gehört zum Geschäft. Dass sich einige Unternehmer von einer ganzjährig nutzbaren Dauerausstellung mehr versprechen als von einer separaten einwöchigen Ausstellung, ist nachvollziehbar. Andere Firmen wiederum brauchen so ein Dauerdomizil nicht. Für diese Aussteller ist ein etablierter Publikumsmagnet wie die area30 goldrichtig. Mit Besucherzahlen von bis zu 12.000 Gästen lässt sich rechnen.
Im Gespräch mit der Redaktion macht Christopher Boss deutlich, dass sich der Messeveranstalter keineswegs auf diese natürliche Fluktuation und auf die in den vergangenen Jahren erarbeitete Strahlkraft verlassen will. „Messe muss sich immer auch etwas neu erfinden", sagt der Trendfairs-Geschäftsführer und formuliert zwei Zielgruppen: zufriedene Aussteller und zufriedene Besucher. Erreicht werden soll das mit einem klaren Fokus auf die Küchenausstattung nach dem Motto „Qualität vor Quantität", mit einem konzentrierten Rahmenprogramm, das markenübergreifende Impulse zu setzen weiß und damit weitere Zielgruppen wie Tischler und Architekten noch gezielter anspricht. Seit neuestem ist das area30-Rahmenprogramm von der Architektenkammer NRW als Fortbildungsveranstaltung zertifiziert. Als weiterer Trumpf könnte sich die internationale Leistungskraft der Trendfairs-Muttergesellschaft NürnbergMesse erweisen. Diese Internationalität wolle man sinnvoll nutzen und mit abgestimmten Angeboten weitere Aussteller aus dem europäischen Ausland überzeugen. Freie Stühle wird die area30 sicher auftreiben.

Dirk Biermann