29.04.2024

„berbel bleibt eine Marke für den gehobenen Anspruch“

Der drastische Auftragsrückgang in der Küchenbranche führte bei berbel zu einschneidenden Veränderungen auf Mitarbeiterseite und auf der Führungsebene. Seit Sommer 2023 stellt sich das Unternehmen strategisch neu auf.

Dr. Patrick Jung. Foto: Biermann

Wir haben uns bei Interim-Geschäftsführer Dr. Patrick Jung zum Stand der Neuausrichtung erkundigt.
KÜCHENPLANER: Herr Dr. Jung, Sie sind als Interim-CEO angetreten, das Unternehmen berbel strategisch neu auszurichten. Wie sieht diese neue Strategie aus?
Dr. Patrick Jung: Kochen als Genusserlebnis wird die oberste Maxime von berbel bleiben. In diesem Zusammenhang haben wir uns neu aufgestellt. Zusätzlich zu unserem CFO Andreas Wolfsholz und unserem Vertriebsleiter Markus Wegmann sind Vera Beerboom und Jens Göcke in die Geschäftsleitung des Unternehmens befördert worden. Mit einer klaren, einfachen Struktur und kurzen Entscheidungswegen wollen wir das Unternehmen gezielt und mit der nötigen Konsequenz in die Zukunft führen.

Betrifft die Neuausrichtung auch die Produktpolitik? Wird sich das Sortiment verändern?
berbel wird sich auch in Zukunft den Veränderungen im Markt stellen. Zu einem genussvollen Kocherlebnis gehören Produkte, die Geruch und Dunst in der Küche ohne großen Lärm absaugen und sich auch einfach reinigen lassen. Dieser Herausforderung wollen wir uns mit unseren Produkten auch in Zukunft stellen. Im Umfeld unserer Produkte beschleunigt sich die Digitalisierung. Dies wird neue Produktgenerationen beeinflussen und möglicherweise sogar neue Geschäftsfelder öffnen.

Gibt es Änderungen bei der Positionierung? Ist berbel eine Marke für die gehobene Mitte oder den Premiummarkt? Gibt es im Zuge der Neuausrichtung eine Fokussierung auf bestimmte Marktsegmente? Wenn ja, welche?
berbel wird auch in Zukunft eine Marke in der gehobenen Mitte und im Premium-Bereich bleiben. Wir sehen darin eine Stärke unseres Unternehmens, auf die wir auch in Zukunft bauen wollen. Auch „Made in Germany“ bedeutet uns viel.

Es ist schwierig, Entscheidungen der Vergangenheit und der Vorgänger neutral einzuordnen. Aber war berbel mit dem „Downline“-Kochfeldabzug, der 2017 vorgestellt wurde, zu spät am Markt?
Entscheidungen aus der Vergangenheit kommentiere ich sehr ungern. Das Unternehmen musste in den letzten Monaten und Wochen mit unvollständigen Informationen Entscheidungen fällen, die ich nun retrospektiv – in Kenntnis der Entwicklung – beurteilen soll. Wir alle sind im Nachhinein intelligenter. Natürlich haben sich die Kochfeldabzüge rasant entwickelt und es freut mich, dass wir ein Teil dieser Entwicklung seit 2017 sind.

In unserem Messegespräch auf der area30 im September 2023 sprachen Sie davon, dass die Reduktion der Kosten die erste und vorrangige Aufgabe gewesen sei, um das Unternehmen am Markt zu halten. Wie dramatisch war die Lage im Sommer 2023?
Ein Unternehmen wird sich immer mit den Märkten entwickeln müssen. Unsere Maßnahmen im August sind eine logische Konsequenz der rückläufigen Konjunktur in der Bauindustrie. Davon war und ist die gesamte Branche betroffen.
 
Durch welche Maßnahmen konnten die Kosten reduziert werden?
Ein wesentlicher Teil der Kostenreduktionen waren Personalmaßnahmen, die 65 Mitarbeiter betroffen haben. Weitere Punkte waren Materialkosten und externe Dienstleistungen.

Welche Aufgaben liegen vor Ihnen?
Wir werden die Entwicklungen im Markt weiterhin aufmerksam verfolgen und unseren Weg zum Erfolg suchen. Dass damit Anpassungen in der Zukunft, wie auch in der Vergangenheit, nötig sind und waren, ist der normale Alltag eines jeden Unternehmens.

Welche Bedeutung hat die Erweiterung der Geschäftsleitung durch Vera Beerboom und Jens Göcke?
Eine gute Mischung von Erfahrung, Wissen und Können von Alt und Jung, sowie Tatendrang und Energie sind wichtig für jede Geschäftsleitung. Mit den Ernennungen von Frau Beerboom und Herrn Göcke wollen wir diese Mischung auch in unserer Führung abbilden und stärken.

Wie sehen Sie die Lage aktuell? Viele Unternehmen der Hausgeräteindustrie leiden derzeit unter massiven Auftragseinbrüchen.
Der Einbruch der Baugenehmigungen seit 2022 lässt nicht auf eine hohe Bautätigkeit in den künftigen Wochen und Monaten schließen. Ich gehe davon aus, dass die Bauindustrie jetzt ein stabiles Niveau finden und noch längere Zeit dort verharren wird.

Bleibt berbel eine Fachhandelsmarke? Oder öffnet sich die Marke offensiver weiteren Vertriebskanälen?
Die Marke berbel ist ein wichtiger Wert unseres Unternehmens, dem wir Sorge tragen wollen. Zurzeit fokussiert berbel sich auf den Fachhandel und das Geschäft mit den Verbänden. Dafür steht auch unsere Marke. Wir beobachten die Entwicklungen in den Märkten sehr intensiv und werden dann Veränderungen vornehmen, wenn das angezeigt ist. Zurzeit sehen wir keinen Grund für weitere erhebliche Veränderungen.

Was kann der Küchenfachhandel von der Marke berbel künftig erwarten?
Innovative Produkte und Dienstleistungen, die Kochen zu einem Genusserlebnis machen. Denn es sollte und muss um mehr gehen, als nur physische Produkte zu platzieren.

Dirk Biermann

Dieser Beitrag erscheint in der Ausgabe KÜCHENPLANER 3 / 4 2024. Versendet wird die Printausgabe am 26. April 2024. Das E-Paper steht Newsletter-Abonnenten bereits zur Verfügung. Hier geht es zum kostenfreien Newsletter: https://www.kuechenplaner-magazin.de/newsletter/anmeldung/anmeldeformular/