08.02.2018

Im zweiten Quartal 2018 bringt Liebherr ein intelligentes Kühlgerät auf den Markt. Ausgestattet ist es mit der „SmartDeviceBox“ und zwei modularen Kameras. UVP: 899 Euro. Der vernetzte Kühlschrank ist das Ergebnis einer spannenden Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Smarter aus London.

Liebherr-Kühlgerät mit „FridgeCam“: Bei der Installation der modularen Kameras kann der Winkel für die Positionierung einfach und individuell eingestellt werden. Foto: Liebherr

Wir wollen unseren Kunden mit vernetzten Heimlösungen einen echten Mehrwert bieten“, erklärt Andreas Giesa, eBusiness-Manager von Liebherr. Foto: Liebherr

„Traditionsunternehmen trifft Start-up“ – diese ungewöhnliche Kooperation ist der Kühlgeräte-Hersteller Liebherr Mitte 2017 mit Smarter aus London eingegangen. Die große Gemeinsamkeit: Die beiden Unternehmen teilen dieselbe Vision von modular vernetzten Kühlgeräten. „Smarter und wir verfolgen dasselbe Ziel: Wir wollen unseren Kunden mit vernetzten Heimlösungen einen echten Mehrwert bieten“, erklärt Andreas Giesa, eBusiness-Manager von Liebherr. Und er ergänzt: „Bei jeder Entwicklung schauen wir gemeinsam durch die Kundenbrille.“ Gleichzeitig konzentrieren sich beide Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen. „Wir sind führend im Herstellen von Kühlgeräten, Smarter bringt seine Erfahrung mit der Vernetzung ein. Deshalb ist das Londoner Start-up der ideale Partner für die Kameras, die wir in unseren Kühlgeräten einsetzen.“ Diese machen durch Bildaufnahmen die im Kühlschrank eingelagerten Produkte sichtbar.

Zusammenarbeit in kleinen Teams
Sowohl Liebherr als auch Smarter sind Familienunternehmen. Dazu ist Smarter ein nicht mehr ganz so junges Start-up mit inzwischen 30 Mitarbeitern. „Das Unternehmen hat bereits vernetzte Kaffeemaschinen und Wasserkocher in Serienfertigung auf den Markt gebracht“, berichtet Giesa. Auf der IFA 2016 in Berlin wurde der erste Gedankenaustausch geführt – alles Weitere ging dann ganz schnell. Es folgten Gespräche auf der CES in Las Vegas im Januar 2017 und schließlich wurden im Juni die Verträge geschlossen.
Mit der Kooperation habe auch ein Wandel in der strategischen Ausrichtung von Liebherr stattgefunden, erläutert Andreas Giesa. Das heißt: Die Zusammenarbeit mit Smarter ist nicht projektbezogen, sondern sei langfristig geplant. Bereits zur Eurocucina in diesem April in Mailand werden weitere Innovationen vorgestellt, verspricht das Unternehmen. „Wir arbeiten in kleinen, agilen Teams. Dadurch sind wir flexibel, können schnell auf Änderungen reagieren.“

Technologisch immer aktuell bleiben
Drei Dinge waren Liebherr auf dem Weg zum vernetzten Kühlschrank wichtig. Erstens: Der Kühlgerätehersteller wollte kein elitäres Leuchtturm-Modell entwickeln, sondern seinen Kunden eine breite smarte Range von Geräten anbieten. Das Ergebnis: Inzwischen können mehr als 120 Modelle mit der „SmartDeviceBox“ und den Kameras ausgestattet werden – Tendenz steigend. Dabei ist es auch möglich, ältere Geräte zu vernetzen. „Es gibt sicherlich Kunden, die sich erst später entscheiden, die ‚SmartDeviceBox’ und die Kameras zu installieren. Die Möglichkeit halten wir ihnen durch unser System offen“, sagt Giesa.
Zweitens: Das Traditionsunternehmen möchte immer am Puls der Zeit bleiben. Andreas Giesa: „Die Kameratechnologie entwickelt sich enorm schnell weiter. In Zukunft sind auch 3D- oder Infrarotkameras denkbar.“ Das ist ein weiterer Grund, warum Liebherr die Kameras nicht fest installieren wollte, sondern bewusst die modulare Lösung wählte.
Drittens: Der Kunde soll die Mehrwerte spüren und vor allem erleben. Liebherr nennt es intelligentes Lebensmittel-Management. Konkret heißt das: Dadurch, dass der Nutzer über Endgeräte seinen Kühlschrank-Inhalt von überall her per Fotos überprüfen kann, werden Mehrfachkäufe unterbunden, das Wegwerfen von Lebensmitteln vermieden sowie Geld gespart.

Geräte lernen dazu

Parallel öffnet sich Liebherr weiteren Partnern und setzt auf deren Expertise, um den privaten Nutzern immer neue Vorteile mit seinen Kühlgeräten zu bieten. Ziel sei zum Beispiel eine Objekterkennung. In deren Entwicklung ist Liebherr in Zusammenarbeit mit Microsoft bereits sehr weit. Dank einer Künstlichen Intelligenz (KI) lernt das System fortwährend Lebensmittel zu identifizieren. „‚Es lernt wie ein Kind beispielsweise rote Äpfel von Tomaten zu unterscheiden und wird dadurch immer genauer“, erklärt Giesa.
Mithilfe dieser Objekterkennung kann automatisch eine Einkaufsliste erstellt werden. Eine Kooperation mit der Einzelhandelskette Kaufland soll dafür sorgen, dass Einkäufe automatisch geliefert werden. Das System kann aber auch Rezeptvorschläge anhand der vorhandenen Lebensmittel erstellen. So können sowohl die zahlreichen Liebherr „FreshMAG“-Rezepte also auch Chefkoch-Rezepte zukünftig eine Inspirationshilfe sein, um die passende Kochanleitung zu finden. „Bis sich diese Ideen flächendeckend durchsetzen, wird es sicherlich noch einige Jahre dauern“, glaubt der eBusiness-Manager, „aber wir sind sicher, mit unserem modularen System auf dem richtigen Weg zu sein.“

Sensibler Umgang mit Kundendaten

Sensibel werden auch die Daten der Kunden behandelt. Die Bilder vom Kühlschrank-Innenraum werden in der Cloud gespeichert, die Kundendaten auf speziellen Liebherr-Servern. „Wir setzen dabei auf Systeme, die beispielsweise auch im Bankwesen eingesetzt werden“, erklärt Giesa. Wichtig sei aber auch die Transparenz. „Die Kunden wissen, welche Daten wir speichern. Sicherlich ist es aber auch ein Geben und Nehmen von Informationen, damit das System funktionieren und lernen kann.“
All das zeigt: Liebherr denkt ganzheitlich. Deswegen ist es dann vielleicht doch ein Leuchtturmprojekt? Giesa sieht das anders: „Es ist ein attraktives Leistungspaket zu einem guten Preis für viele unserer Kunden.“

„FridgeCam“ und „SmartDeviceBox“
Konzipiert ist die Kameratechnologie der „FridgeCam“ speziell für Temperaturen, die in einem Kühlschrank herrschen. Bei jedem Schließen des Kühlschranks wird ein Foto vom Innenraum zum Endgerät gesendet. Und das in „optimaler Qualität“, verspricht Liebherr. Um den gesamten Innenraum abdecken zu können, empfiehlt der Kühlgeräte-Hersteller eine „FridgeCam“ im Inneren des Gerätes anzubringen und eine in der Innentür zu platzieren.
Die „SmartDeviceBox“ ist die Verbindung des Kühlschranks mit dem Internet. Die Box wird in den entsprechenden Schacht unter der Blende des Kühlschranks geschoben und mithilfe der „SamrtDevice“-App per WLAN mit dem Router und dadurch mit dem Internet verbunden. Mit der „SmartDeviceBox“ und der App kann der Kühlschrank aus der Ferne bedient werden. So kann beispielsweise die Temperatur geregelt werden. Dazu werden Alarmmeldungen übermittelt, wie beispielsweise nach einem Stromausfall.

(Astrid Plaßhenrich)

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