16.05.2018

Die deutsche Küchenindustrie hat 2017 keinen neuen Rekord aufgestellt – aber ihren Umsatz so gut wie gehalten. Angesicht der Pleiten einiger Küchenmöbelhersteller, allen voran der Alno AG, ist das ein bemerkenswertes Ergebnis. Das meint auch AMK-Geschäftsführer Volker Irle.

Der Umsatz der deutschen Küchenindustrie im Vergleich der letzten sieben Jahre. Quelle: AMK

AMK-Geschäftsführer Volker Irle (Foto links) präsentierte in Köln die aktuellen Zahlen der deutschen Küchenindustrie, Martina Sedlmaier von der GfK skizzierte die aktuellen Produkttrends. Foto: Kluge

2017 war für die Küchenbranche im Vergleich zu den Vorjahren ein eher schwieriges Jahr. Darüber sind sich inzwischen alle einig, und auch Geschäftsführer Volker Irle erinnerte bei der 9. Wirtschaftspressekonferenz des Branchenverbandes AMK in Köln an die Probleme, die durch diverse Unternehmensinsolvenzen entstanden sind. Dennoch war die Stimmung positiv. Immerhin ist es der Branche als Ganzes gelungen, den Umsatzrekord aus 2016 nahezu einzustellen. 11,57 Mrd. Euro erwirtschafteten die Unternehmen der deutschen Küchenindustrie in 2017. Im Jahr 2016 waren es 11,58 Mrd. Euro.

Nachfrage ungebrochen hoch
Drei Faktoren nannte Volker Irle für das dritte Überbieten der 11-Milliarden-Marke in Folge: 1. eine Nachfrage auf Rekordniveau, 2. eine weiterhin große Investitionsbereitschaft und 3. die Leistungsstärke der Küchenindustrie. In über 300.000 fertiggestellten Wohneinheiten in 2017 sieht er „einen Riesentreiber für die Nachfrage“.
Die steigende Investitionsbereitschaft der Kunden ist nach Ansicht der AMK auch dem niedrigen Zinssatz geschuldet. Zudem wandeln sich die gesellschaftlichen Werte, dem Erlebnis komme immer mehr Gewicht zu, dem Besitz weniger. „Die Küche löst das Auto als Statussymbol immer mehr ab“, lautet die Überzeugung.
Im Inland gab der Umsatz 2017 um 2 % nach. „Das klingt zunächst negativ“, räumte der Geschäftsführer ein, relativierte die abstrakte Zahl aber sogleich: „Es ist der zweitstärkste Wert der Industriegeschichte.“ Auch in Deutschland steht Qualität „Made in Germany“ obenan. „96% der Inlandsnachfrage wird auch aus dem Inland bedient.“

Im Export zugelegt
Lob verdiente sich die Industrie für ihren Exporterfolg. Der ist auf den Rekordwert von 5,03 Mrd. Euro (+2,58%) angewachsen. „Wir schaffen es, auch in anderen Märkten Kundenbedürfnisse zu verstehen und diese zu bedienen“, so Irle. Weiter einsam an der Spitze der Exportmärkte bei den Küchenmöbeln liegt Frankreich mit 470 Mio. Euro Umsatz (+7,5%). Mit 280 Mio. Euro (+11%) rangieren die Niederlande auf Platz zwei, die Schweiz schafft mit 182 Mio. Euro Platz drei. China rangiert in der Liste auf Platz sieben (92 Mio. Euro), aber dort liegt die Wachstumsrate bei Küchenmöbeln nach +20% in 2016 nun sogar bei +30% für 2017. Zudem sieht man seitens der AMK in China ein gigantisches Marktpotenzial. „Hochrechnungen sagen, dass dort im Jahr 2030 bis zu sieben Millionen Küchen allein in den Großstädten benötigt werden.“ Die Hersteller sind angesichts dieser Aussichten bereits regelmäßig auf den dortigen Messen, schließlich „wollen sie noch besser verstehen, wie die chinesische Küche aussieht“. Was im Reich der Mitte weiterhin fehlt, seien Küchenstudios oder Fachplaner, die mit dem Konsumenten die Küche planen.

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