20.06.2023

Blick hinter die Kulissen (1): Lechner im Wandel

Bei Nachrichten muss es schnell gehen, bei Messebesuchen komprimiert. Auf den Pressereisen der AMK* bleibt mehr Zeit. Für Gespräche und für den Blick hinter die Kulissen. Die jüngste Veranstaltung führte auch zu Lechner.

Rund die Hälfte der Produktionsfläche bei Lechner sind den Natursteinen und weiteren steinähnlichen Werkstoffen (Keramik, Dekton) vorbehalten. Da sich die Bearbeitung von Naturstein und Quarzstein/Keramik/Dekton in den Details deutlich unterscheidet, fährt das Unternehmen zwei separate Linien. Foto: Biermann

Geschäftsführer Florian Mitzscherlich (Foto rechts) und Peter Fürst, seit Oktober 2022 Vertriebsleiter Deutschland Süd und Österreich. Schon 2007 bis 2019 gehörte Fürst dem Unternehmen als Verkaufsleiter an. Foto: Biermann

Seit der Übernahme des in die Insolvenz gerutschten Arbeitsplattenkonfektionärs Lechner durch die Livos-Gruppe im März 2022 laufen die Restrukturierungsmaßnahmen am Firmensitz in Rothenburg ob der Tauber auf vollen Touren. Inzwischen hat sich das Unternehmen in der Produktionsfläche verkleinert (von 90.000 m2 auf 40.000 m2), die Zahl der Arbeitsplätze verringert (von zuletzt 480 auf 350), die Kapazität reduziert (um „20 bis 30 Prozent“) und die Effizienz gesteigert. „Damit ist Lechner weiterhin einer der größten Konfektionäre Europas“, betont Geschäftsführer Florian Mitzscherlich gegenüber den Pressevertretern. Und das mit einer reichhaltigen Auswahl an Arbeitsflächen und Rückwänden. Das Vollsortiment beinhaltet alle gängigen Materialien: Laminat (inklusive Compactplatten), Massivholz, Glas, Naturstein, Keramik, Quarzstein und Dekton. Und diese Vielfalt soll bestehen bleiben. Ebenso der flächendeckende Aufmaß- und Montageservice und die klare Fokussierung auf den Küchenfachhandel. „Alles aus einer Hand und damit maximal einfach für den Küchenplaner“, lautet die Strategie. Also alles wie immer nur reduzierter? Nach außen mag das so wirken, doch intern unterzieht sich das Unternehmen derzeit nach der ersten Phase der akuten Reorganisation einem grundlegenden Wandel. Dafür werde das Führungsteam aktuell weiter verstärkt (durch den weiteren Geschäftsführer Wolfgang Zang) sowie Produkt und Services optimiert.

Konkrete Maßnahmen für mehr Effizienz
Hinter abstrakten Begriffen wie Reorganisation, Transformation und Optimierung verbergen sich konkrete Maßnahmen wie die Steigerung der Produktionseffizienz und eine verbesserte Produktionsplanung, um den Materialverschnitt zu begrenzen. Ein überlebenswichtiger Faktor sei zudem die Reduktion der „deutlichen Personalüberhänge“ gewesen. Wie erwähnt wurde die Belegschaft von 480 auf 350 verkleinert. Diese Maßnahme lässt sich aus zwei Perspektiven betrachtet: Arbeitsplatzverlust und Arbeitsplatzrettung. Für Florian Mitzscherlich gibt es keine zwei Meinungen: „Wir haben 350 Arbeitsplätze gerettet.“ Denn die Lage des insolventen Unternehmens war offensichtlich weitaus schwieriger als es vor dem Insolvenzantrag den Anschein hatte. Mit überdimensionierten Produktionsflächen und zu vielen Mitarbeitern. Zudem sei es dem Unternehmen gerade in den Jahren 2016, 2017 und 2018 nicht gelungen, sich auf veränderte Marktbedingungen einzustellen, so Mitzscherlich. Über interne Prozesse wie Produktionseffizienz und Auftragskalkulation lässt sich nur spekulieren. Direkte Schuldzuweisungen an das frühere Management sucht man in den Aussagen des aktuellen Geschäftsführers vergebens. Dennoch findet er klare Worte für das, was notwendig war und weiterhin ist, um das Unternehmen am Markt zu halten. Was auch die Geschäftsbeziehungen zu Ikea gilt. Der Möbelkonzern war viele Jahre einer der „sehr großen“ Kunden, doch seit Ende 2021 ist damit Schluss. Jedenfalls für die D. Lechner GmbH in Deutschland. Der Standort in Schweden ist weiterhin zu 70 Prozent mit Ikea-Aufträgen ausgelastet. Der Wegfall des Großkunden erklärt wohl auch zum Großteil den oben erwähnten „deutlichen Personalüberhang“. Warum es überhaupt zum Ende dieser Geschäftsbeziehung kam, wird nicht offiziell thematisiert. In den besten Zeiten des Unternehmens waren annährend 1.500 Menschen bei Lechner beschäftigt; direkt vor der Insolvenz sollen es noch 600 gewesen sein.

Stabile Umsätze bei weniger Menge
Für das laufende Wirtschaftsjahr rechnet Florian Mitzscherlich trotz der bekannten schwierigen Rahmenbedingungen mit einem stabilen Umsatz von 55 bis 58 Millionen Euro bei leichten Rückgängen in der Menge. 2022 lag der Umsatz bei 57,6 Millionen Euro. Kernmarkt für Lechner ist Deutschland. Hier erwirtschaftet das Unternehmen 84% seiner Erlöse. Hinzu kommen mit nennenswerten weiteren Umsätzen die Märkte Frankreich, Benelux, Österreich und Schweiz. Fast die Hälfte (48%) aller Arbeitsflächen und Rückwände werden aus Stein und steinartigen Werkstoffen produziert. Hinzu kommen 31% aus Glas (davon wiederum 95% Nischenrückwände) und 21% Holz- und Holzwerkstoffe. Dieses Portfolio soll wie betont in der Breite bestehen bleiben und doch weiter optimiert werden.

* Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e.V.; organisiert wurde die Rechercheveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem VDM (Verband der Deutschen Möbelindustrie)


Dieser Beitrag ist in KÜCHENPLANER 5/6 2023 erschienen.

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www.moebelindustrie.de