25.06.2019

Vor allem international ist die Urbanisierung eine Entwicklung, die das Wohnen vor grundlegend neue Herausforderungen stellen wird. Und bereits stellt. Denn immer mehr Menschen leben auf dieser Welt und immer mehr davon zieht es in die großen Ballungsgebiete. Dort wird Wohnraum knapp und teurer.

„Alexa, Frühstück“: In der „smart urban kitchen“ von Kesseböhmer zieht auf Wunsch auch ein Sprachassistent ein. In diesem Fall öffnet die programmierte Technik den Oberschrank und schaltet Licht und Kaffeemaschine ein. Foto: Biermann

Diese Entwicklung erfordert eine optimale Ausnutzung vorhandener Flächen und Komponenten für mehr Raum pro Quadratmeter. Die interzum 2019 zeigte gleich mehrfach, wie das umgesetzt werden kann. Mit bereits erhältlichen Standardprodukten. Und immer öfter mit Unterstützung von Sprachassistenten und weiteren „Smart Living“-Komponenten. Zwar haben gerade diese „Smart Living“ Umsetzungen in weiten Teilen noch den Charakter von Konzeptstudien, doch in ein, spätestens zwei Jahren, so die Initiatoren unternehmensübergreifend, dürfte dem Serieneinsatz nichts mehr im Wege stehen.

Alles drin auf 6 m2
Eine der Lösungen zum Wohnen der Zukunft steuerte Kesseböhmer mit der „urban smart kitchen“ bei. „Dabei geht es darum, mit intelligenter und smarter Beschlagtechnik Stauraum auf kleinen Grundrissen optimal auszunutzen und Übersicht und komfortablen Zugriff auf den Inhalt zu schaffen, optional auch per Sprachsteuerung“, sagt Kesseböhmer-Geschäftsführer Burkhard Schreiber. Und Holger Schmitz, Marketingleiter des Unternehmens, ergänzt: „Mit der ‚smart urban kitchen‘ zeigen wir, dass wir den Trend zur Digitalisierung mitgehen können und dass selbst auf kleinstem Raum niemand auf Komfort verzichten muss.“ Konkret umgesetzt wurde dieser Anspruch in einem Küchenszenario auf gerade mal 6 qm Fläche. Darin verbaut waren 11 Produkte des Unternehmens, unter anderem der platzsparende „Tandem Diagonal“ für 30 cm breite Schränke sowie der Prototyp eines Klapptischs mit integriertem Regal, der im Handumdrehen zusätzliche Arbeitsfläche bietet. Für den „smarten“ Anteil zeichnet die Amazon-Sprachsteuerung Alexa verantwortlich. Unter anderem werden beim Befehl „Frühstück“ automatisch Licht und Kaffeemaschine aktiviert und der Oberschrank mit dem Kaffeegeschirr geöffnet. Weitere programmierte Szenarien für „Abfall“ und „Abwasch“ gibt es auch. Und „Polizei“ – dann ist alles aus und gesperrt.

Auch Hailo und Wesco steuern mit Sprache
Überhaupt wurde auf der interzum viel mit Sprachassistenten experimentiert. Mit Alexa und darüber hinaus. So stellte Hailo eine sprachgesteuerte Version des „Libero 3.0“ vor, Wesco eine Alexa-Version für seine Abfalltrennsysteme, Rehau das „Future Apartment“, und bei Häfele dreht sich seit geraumer Zeit ohnehin viel um die Digitalisierung der Wohnwelten. Einer der Pioniere (schon seit 2014 mit dem ganzheitlich konzipierten Wohn- und Lebensprojekt KogniHome in Bielefeld) ist auch Hettich. Auf weitere sprachbasierte Steuerungen seiner Auszüge verzichtet das Unternehmen derzeit zwar bewusst, widmet sich dem Thema „Smart Living“ aber intensiv in einer Kooperation mit Rehau.

Auf Basis von „Servo-Drive“
Eine weitere Konzeptstudie kommt von Blum. „Servo-Drive smart“ lautet der programmatische Titel. Auch beim Blum-Konzept lassen sich Klappen, Auszüge, Geschirrspüler und Kühlschränke per Sprache bedienen. In anpassbaren Szenen wie beispielsweise „Einkäufe verstauen“ öffnen sich so komfortabel alle notwendigen Klappen und Auszüge. „In Verbindung mit Sprachassistenten verschiedener Anbieter entstehen zukünftig Möbelkonzepte, die dank moderner Technologien den Wohnkomfort steigern“, betont das Unternehmen. Denn: „Intelligente Geräte sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und Smart Home hält in immer mehr Haushalte Einzug. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem, den Menschen und die Dinge um ihn herum zu vernetzen – zum Beispiel durch das gesprochene Wort. Mit „Servo-Drive smart“ macht Blum den zukunftsweisenden Schritt, diese Konzepte auf Möbel zu übertragen.“ Dabei nutzt das Unternehmen eine Technik, die längst im Markt verankert ist: die elektrische Öffnungsunterstützung „Servo-Drive“ für Klappen und Auszüge. In Verbindung mit dem Schließsystem „Cabloxx“ lässt sich sogar eine sprachgesteuerte Kindersicherung schaffen. Den Müllauszug ohne Berührung zu öffnen ist ein weiteres nützliches Szenario.
Mit „Servo-Drive smart“ will der Beschlägehersteller seinen Partnern aus der Möbelbranche nun ermöglichen, smarte Konzepte in der Küche und in anderen Wohnbereichen umzusetzen. Ein wahrer Publikumsmagnet am Messestand war auch die Verbindung der Konzeptstudie „Servo-Drive smart“ mit dem neuen Sockelauszug „Space Step“. Mit dem Sprachbefehl „Alexa, mach mich größer“ fährt diese multifunktionale Sockellösung aus dem Korpus. Der Möbelnutzer hat so eine Tritterhöhung und erreicht sicher und einfach auch hohe Stauraum-Ebenen. Zusätzlichen Stauraum bietet der „Space Step“ auch. Das ist in allen Wohnbereichen nützlich, in der Küche und darüber hinaus. Herkömmlich durch Muskelkraft bedienen lässt sich der „Space Step“ aber auch.

Dirk Biermann

 

www.kesseboehmer.de

www.blum.com

www.hailo-einbautechnik.de

www.wesco.de