08.08.2018

Licht schafft Ambiente, Licht weckt Emotionen, Licht hat im Küchenalltag unschlagbare funktionale Vorteile. Was für die Küche allgemein gilt, kann nun noch direkter auch an der Kochstelle erfahren werden. Besonders beim Kochen mit Induktion. Dafür hat Glasspezialist SCHOTT die Neuheit CERAN EXCITE® entwickelt.

Dr. Jörn Besinger, Leiter Produktmanagement & New Business Development CERAN® des Spe­zial­glasherstel­lers SCHOTT AG.

Glaskeramik kann ganz verschieden farbig gestaltet werden, in Deutschland und ­Europa dominiert aber weiterhin die traditionelle schwarze Fläche. Die Integration von Licht ermöglicht nun ganz neue Lösungen. Umgesetzt werden kann das mit dem neuen Produktportfolio ­CERAN ­EXCITE® von SCHOTT CERAN®.

Licht als Leitsystem wird nach Meinung des Unternehmens beim Kochen mit Induktion immer wichtiger. Es unterstützt die Trends der Flächeninduktion und des minimalistischen Kochflächendekors. Licht im Heißbereich und dem Kontrollbereich könne hier die nötige Führung übernehmen und mache das Kochen intuitiver und smarter. Mit dem Produktportfolio CERAN EXCITE® hat das Unternehmen nun eine Systemlösung zur Serienreife gebracht, die es Hausgeräteherstellern ermöglicht, funktionale und ästhetische Lichtlösungen im Bereich der Kochfläche umzusetzen. Im KÜCHENPLANER-Interview erläutert Dr. Jörn ­Besinger, Leiter Produktmanagement & New ­Business Development ­CERAN®, Details zur Neuheit CERAN EXCITE® und wie es zu dieser Entwicklung kam.

KÜCHENPLANER: Sie beschäftigen sich derzeit intensiv mit Licht als Interaktions-Schnittstelle zwischen Kochfeld und Koch. Welche Überlegungen haben dazu geführt?
Dr. Jörn Besinger:
Auf Basis unserer Konsumentenforschung kategorisieren wir fünf verschiedene Nutzertypen, die wir aufgrund ihrer Interessen, Bedürfnisse und Lebensstile zur Zielgruppe für Geräte mit unterstützenden Lichtfunktionen zählen. Da gibt es beispielsweise denjenigen, der gerne und viel kocht und sich mehr Flexibilität beim Kochen wünscht, um parallel mehrere Speisen in unterschiedlichen Töpfen zubereiten zu können. Oder den leidenschaftlichen Koch-Typ, der das Kochen als sinnliches, elementares Erlebnis erfahren will und dem Induktion heute schlichtweg zu nüchtern ist. Familien mit Kindern hingegen legen viel Wert auf Sicherheit am Herd. Und Kunden mit hohen visuellen Ansprüchen wünschen sich ein ästhetisches High-End-Gerät, das die Küche zum Wohlfühl-Mittelpunkt des Hauses macht. Und dann gibt es noch die Technik-Fans, für die Induktion momentan noch nicht intelligent genug ist. Sie wünschen sich für ihren Herd innovative Funktionen, ähnlich wie bei ihren smarten mobilen Geräten. Wir glauben, dass Licht als Interaktions-Schnittstelle viele Funktionen unterstützen kann, die das Kochfeld flexibler, emotionaler, sicherer, ästhetischer und funktionaler machen – und damit den hohen Ansprüchen der Nutzer gerecht werden.

Und damit der nüchternen Induktion aus Nutzersicht Leben einhauchen?
Unsere Überlegungen zielen darauf, das Kochen auch mit Induktion wieder emotionaler zu gestalten. Induktion liegt im Trend und entwickelt sich dynamisch, von den Stückzahlen her und auch bezogen auf die technischen Möglichkeiten. Es geht weg von definierten Kochzonen und hin zur flexiblen Induktion sowie zur Flächeninduktion. Der Nutzer stellt den Topf dahin, wo es ihm sinnvoll erscheint, und das Gerät erkennt selbstständig, wo der Topf steht, und lenkt die Energie dorthin. Beim Kochen mit Induktion erhält der Nutzer aber kein visuelles oder haptisches Feedback mehr wie er es von Strahlungs- oder gar von Gaskochfeldern gewohnt ist. Bei der Strahlungsbeheizung gibt es Heizstrahler, die werden warm und leuchten rot. Der Nutzer sieht, dass etwas passiert, und kann es auch fühlen. Wenn man das Induktionskochen damit vergleicht, fällt auf, dass man auf den Knopf drückt – und eben nichts passiert. Man merkt zwar recht schnell, dass das Wasser kocht und das Essen warm wird, aber als Nutzer bekommt man vom Kochgerät selbst keine wahrnehmbare Reaktion. Daher haben wir uns mit dem Thema befasst und überlegt, wie sich mehr Emotionalität mit dem Induktionskochen verbinden lässt und haben Licht als Design- und Funktionselemente in die Kochfläche als Lösung implementiert.

Licht sehen Sie also als einen unverzichtbaren Bestandteil für das Produktdesign zukünftiger Geräte?
Ja, definitiv. Licht begleitet uns tagtäglich. Es bestimmt unseren Rhythmus und unseren Alltag. Es weist uns den Weg, führt Augen und Hände. Es gibt Sicherheit und Behaglichkeit. Es schafft faszinierende Erlebnisse und macht einfach Spaß. Kurzum: Licht ist eine hochemotionale Komponente, die Produkte aufregender macht.

Bei unserem letzten Zusammentreffen vor zwei Jahren stellten Sie uns Ihre Ideen zum Thema Licht noch als Konzeptstudie vor. Welche Fortschritte haben sich seitdem ergeben?
Ja, richtig. Zur IFA 2016 veröffentlichten wir eine erste Konzeptstudie mit Heißbereichsbeleuchtung und Kochzonenmarkierungen in verschiedenen LED-Farben. Seitdem haben wir daran gearbeitet die Technologie zur Marktreife zu bringen, was uns nun gelungen ist. Auf unserem Industrieevent parallel zur IFA 2018 in Berlin werden wir unseren Kunden marktfähige Lösungen präsentieren.

Können Sie die neuen Innovationen etwas konkreter beschreiben?
Unser neues Produktportfolio namens CERAN EXCITE® bietet marktreife, lichtoptimierte Systemlösungen für unsere Kunden aus der Hausgeräteindustrie, die wir mit einer Beratung durch unsere Applikationsexperten zusätzlich unterstützen. Das Portfolio besteht aus Materialien, die für verschiedene Lichtfarben optimiert sind, sowie aus funktionalen Beschichtungen, die konturscharfe und brillante Lichtelemente bei schwarzen Kochflächen ermöglichen. Im Kontrollbereich und erstmals auch im Bereich der Kochzonen – also dort, wo es heiß werden kann. Damit ermöglichen wir unseren Kunden, funktionale und ästhetische Lichtlösungen im Bereich der Kochfläche umzusetzen, zum Beispiel Kochzonenmarkierungen in verschiedenen LED-Farben und innovative Bedientechniken mit Licht.

Was bedeutet dies für die Produktentwicklung der Hausgerätehersteller?
Hersteller können ihr Produktdesign durch unsere Lichtlösungen exklusiver, eleganter und moderner gestalten, zum Beispiel durch helle, klare Lichtanzeigen im Be­dien­bereich und im Kochzonenbereich der Kochfläche.
Einen weiteren Vorteil sehen wir darin, dass Marken- und Produktlinien durch Lichtfarbgebung gestalterisch klarer differenziert werden – die Basislinie zum Beispiel wird mit roten LEDs ausgestaltet und die High-End Linie zum Beispiel mit weißen LEDs. Auch ein „360 Grad“ Design für die Küche ist denkbar – wir verwenden in der Industrie den Begriff „Family Design“. Dies bedeutet, dass Hausgeräte immer stärker aufeinander abgestimmt werden. Die Bedienoberfläche des Kochfeldes soll sowohl von der Funktionsweise als auch vom optischen Erscheinungsbild her identisch sein mit der Bedienung der Kaffeemaschine und des Backofens. Ein weiterer Vorteil unserer Lichtlösungen, den ich eingangs bereits erwähnte, ergibt sich insbesondere für das Kochen mit Induktion. Hersteller können ihre Geräte responsiver gestalten: Kochfelder geben mit Licht im Kochzonenbereich visuell Feedback und sorgen für mehr Kontrolle und Sicherheit beim Kochen. Den Ideen sind erstmal keine Grenzen gesetzt. Für die Umsetzung erarbeiten wir gemeinsam mit den Kunden maßgeschneiderte Lösungen und unterstützen sie bei der Applikation.

Wirkt sich das auch auf die Vernetzung von ­Geräten aus?
Lichtfeatures können smarte Lösungen zur Vernetzung und Kommunikation von Geräten untereinander visuell unterstützen. Wenn beispielsweise das Kochfeld mit dem Backofen, der Dunstabzugshaube und der Mikrowelle per Bluetooth kommuniziert, könnte ein leuchtendes Symbol diese Aktivität auf dem Kochfeld anzeigen.

In Kochgeräten dominiert heute noch immer rotes Licht als Bedienanzeige. Was sind denn allgemein die Herausforderungen, unterschiedliche Lichtfarben im Kochfeld umzusetzen?
Das ist gar nicht so einfach. Die besonderen Herausforderungen liegen darin, dass wir eine bestimmte Farbigkeit für die Bedienanzeigen erzielen wollen, beispielsweise soll ein spezielles Blau oder klares Weiß durch die schwarze Glaskeramik durchscheinen, ohne dass der Farbeindruck durch das Material verfälscht wird. Gleichzeitig sollen die Elektronik-Komponenten unter der Glaskeramik verborgen bleiben, sodass die Kochfläche gleichmäßig schwarz aussieht und Licht nur an den gewünschten Stellen erscheint. Um diesen Zustand zu erreichen, müssen wir die Eigenschaften unserer Glaskeramik in Bezug auf die Lichttransmission sehr präzise einstellen. Oftmals setzen wir Farbkompensationsfilter und zusätzliche Beschichtungen ein, um die optimalen Lichtfarben und Lichtverläufe zu gewährleisten.

Wie können wir uns denn den Umfang des neuen Portfolios vorstellen?
Unser Portfolio besteht aus drei verschiedenen Glaskeramik-Substraten, die eigens entwickelt und für den Einsatz mit Licht optimiert wurden. Unsere Substrate lassen sich um Beschichtungs- und Filterlösungen ergänzen.

Können Sie auf diese Glaskeramik-Substrate im Einzelnen genauer eingehen?
Die schwarze Glaskeramik „CERAN HIGHTRANS® eco S“ wurde speziell für rote Licht-Anwendungen entwickelt. Dabei wird auf die Noppen an der Unterseite verzichtet. So werden schärfere Lichtanzeigen im Bedienbereich und erstmalig auch im Kochzonenbereich möglich. Es wäre zum Beispiel möglich, auf aufgedruckte Kochzonenmarkierungen zu verzichten und stattdessen lichtbegrenzte Kochzonen in rotem Licht einzusetzen, die nur zu sehen sind, wenn die Kochzone aktiviert ist.
„CERAN HIGHTRANS® rubio“ ist ein Material, das auf Basis unserer schwarzen Kochfläche weiterent­wickelt wurde. Es weist eine deutlich verbesserte Lichttransmission auf und ist somit optimal geeignet für blaue und weiße Lichtanzeigen. CERAN HIGHTRANS® rubio gibt es als Variante mit Noppen auf der Unterseite für Lichtlösungen im Bedienbereich der Kochfläche (z. B. helle und klare 7-Segmentanzeigen in Weiß und Blau). Die Variante ohne Noppen auf der Unterseite ermöglicht sogar die Integration von monochromen TFT Displays und hellen, scharfen Lichtelementen im gesamten Kochfeld, zum Beispiel als lichtbegrenzte Kochzonenmarkierung. Ist die Kochfläche ausgeschaltet, sieht der Nutzer eine fast homogene Fläche. Erst mit der Aktivierung werden die Lichtelemente sichtbar.
Als Variante zu den schwarzen Glaskeramiken gibt es als drittes Substrat die transparente Glaskeramik „CERAN CLEARTRANS®“ mit schwarzer Unterseitenbeschichtung CLEAR luna black. Sie ermöglicht die Integration von hochauflösenden mehrfarbigen TFT Displays im Bedienbereich der Kochfläche.

Was ist das Besondere am Material für die lichtoptimierte Glaskeramik und was unterscheidet es von herkömmlicher Glaskeramik?
Das Material wurde auf Basis unserer schwarzen Kochfläche weiterentwickelt. Es weist die gleichen Eigenschaften und damit die gleichen Vorteile auf – unterscheidet sich aber durch eine deutlich verbesserte Lichttransmission gegenüber herkömmlicher Glaskeramik.

Was bedeutet eine „deutliche Verbesserung der Lichttransmission“ konkret?
Unser lichtoptimiertes Material ­CERAN HIGHTRANS® rubio lässt weißes Licht viermal heller durchscheinen als unsere herkömmliche schwarze Glaskeramik. Somit ist es optimal geeignet für blaue und weiße Lichtanzeigen.

Was hat es mit den von Ihnen eingangs erwähnten Filter- und Beschichtungs­lösungen auf sich?
Unsere Materialien lassen sich um Beschichtungs- und Filterlösungen ergänzen. Diese dienen der optimalen Anpassung des Farbortes der Lichtelemente, der Lichtformung und der homogenen Lichtverteilung. Licht kann dadurch in definierter Form mit hoher Konturschärfe gleichmäßig durch die Glaskeramik geführt werden. Im ausgeschalteten Zustand erscheint das Kochfeld als homogene schwarze Fläche.

Wann werden Glaskeramik-Kochfelder mit CERAN EXCITE® Lichtfeatures am Markt erhältlich sein?
Wir präsentieren dieses Portfolio zeitgleich zur IFA 2018 im Rahmen unseres exklusiven Industrieevents – der „SCHOTT CERAN® Experience 2018“ im ewerk in Berlin. Erste Geräte mit ­CERAN EXCITE® Lichtlösungen sind bereits jetzt von einigen „­Early ­Adaptors“ im europäischen Markt erhältlich. Eine Kochfläche mit CERAN HIGHTRANS® rubio und Miradur®-Beschichtung war bereits auf der Euro­cucina zu sehen. Aktuell sind viele Mus­ter ausgeliefert. Wann weitere fertige Produkte am Markt erhältlich sein werden, hängt immer von den Entwicklungsplänen unserer Kunden ab. Wir erwarten, dass es im Laufe des Jahres 2019 dazu kommt. Vielleicht zur IFA im kommenden Jahr.

www.schott-ceran.com