Massiv, wertig, schick
18.05.10 - 13:25 Uhr
imm cologne. Wenn Wohnwelten zusammenwachsen, sind Kenntnisse über die allgemeinen Wohntrends für Küchenspezialisten von besonderer Bedeutung.

Wertige und ökologisch korrekte Möbel gibt es längst auch in schick. Die imm zeigte wie.
Die Küche wächst in die Wohnräume hinein, Schlafzimmer und Bäder verschmelzen zu Spa-Oasen. Während die zweite Aussage des Satzes aktuell eher sanitäre Visionen als bundesdeutsche Realität beschreiben dürfte, handelt es sich bei der ersten Aussage längst um gelebten Alltag. Wo immer räumlich möglich, ist die Küche gleichzeitig Wohnraum und erobert als einstiger separierter Arbeitsraum das Speise- oder gleich das gesamte Wohnzimmer. Möglich machen dies ausgesprochen wohnlich verarbeitete Oberflächen und Materialien sowie einheitliche technische Ausführungen wie beispielsweise identische Kantenradien von Küchen- und Wohnmöbeln. So wirkt vieles wie aus einem Guss und dem schmucken Sideboard ist beim besten Willen nicht anzumerken, dass es wenige Meter weiter links oder rechts als Küchenoberschrank eine ebenso gute Figur macht.
Der Blick auf die konkreten Wohntrends der Saison macht deutlich: Die Megafarbe Weiß bleibt uns erhalten. Bei Bezugsstoffen für Polstermöbel ebenso wie als Oberfläche bei Kastenmöbeln. Würdevolle Farbakzente setzen verstärkt Aubergine- und vor allem Purpur-Töne. Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr matt-schwarze und blaue Farbtöne. Weiter großer Beliebtheit erfreut sich die Kombination von dunklen Hölzern mit Glas und Edelstahl. Esstische und Ess-Sessel sind in erster Linie eins: großformatig. Damit man in, auf und an ihnen lange bequem sitzen kann. Und für die rechte Stimmung sorgen variable LED-Leuchten in Schränken und Regalen.
Zu einem weiteren Megatrend entwickelt sich das Thema Nachhaltigkeit. Sogenannte Green-Line-Möbel erobern die Messehallen. Hersteller machen auf besonders nachhaltige Produktions- und Geschäftsmethoden via gedruckte Information aufmerksam - oder lassen gleich ihre Möbel sprechen. Robustes Naturdesign ist im Kommen. Was davon tatsächlich nachhaltige Qualität ist und nicht nur trendige Oberfläche mit Rauspund-Charme, will indes im Detail abgeklopft werden. Nachhaltigkeit ist IN - da sollte es nicht wundern, wenn manche Hersteller glauben, kostengünstig auf diesen Zug aufspringen zu können - bei wohldosierten, in Fernost angelegten Herstellungskosten.
Massivholz begehrt
Wem der Trend zur Nachhaltigkeit zweifelsfrei in die Karten spielt, sind die Hersteller wie zum Beispiel team 7 oder Göhring, die seit vielen Jahren konsequent auf Massiv- und Vollholz setzen und dies dem Zeitgeist entsprechend zu gestalten wissen. Frei nach dem team 7-Slogan: Design trifft Natur.
Dass auch die Initiative Pro Massivholz die Tendenz zur Wertigkeit feststellt, verwundert grundsätzlich wenig. Es ist ihr Kerngeschäft. Doch über die reine Image-Feststellung hinaus geben konkrete Zahlen dem Gesagten Wurzeln: "Heimische Massivholzmöbel sind ein begehrtes Gut, was dazu führt, dass die Hersteller von Massivholzmöbeln sich 2009 wirtschaftlich deutlich besser entwickelt als die sonstige Möbelbranche." Die positive Entwicklung sei auch auf der Internationalen Möbelmesse in Köln deutlich geworden: "Die imm cologne 2010 war für die Hersteller von Massivholzmöbeln eine durch und durch gelungene Veranstaltung zum Beginn des neuen Geschäftsjahres", berichtet der Vorsitzende der Initiative Pro Massivholz, Lucas Heumann. Laut interner Erhebungen der Initiative bei ihren Mitgliedsunternehmen haben die Hersteller von Massivholzmöbeln im vergangenen Jahr einen Zuwachs ihrer Umsätze von im Durchschnitt knapp 5% verbuchen können. "Dieses Ergebnis liegt deutlich oberhalb der Umsatzentwicklung der gesamten Möbelindustrie, die nach Angaben des Statistischen Bundesamtes per 30. November 2009 einen Umsatzrückgang von 12% verzeichnen musste", so Heumann.
Wesentlicher Grund ist nach Überzeugung der Initiative die Stabilität des Binnenmarktes in der Bundesrepublik Deutschland sowie in Österreich und der Schweiz. Hier liegen laut Heumann die Kernmärkte der Massivholzmöbel-Hersteller: "Darüber hinaus ist es unseren Mitgliedern gelungen, die besondere Werthaltigkeit von Massivholzmöbeln sowohl dem Handel als auch dem Endverbraucher zu vermitteln." Dies liege nicht nur an überdurchschnittlichen Qualitätsanforderungen, sondern ganz besonders am modernen Design und am hohen gesundheitlichen und ökologischen Anspruch von Massivholzmöbeln. "Der Verbraucher hat die Werthaltigkeit dieser Möbel erkannt und ist auch bereit, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen. Damit hat sich erneut bestätigt, dass die Vermittlung und Realisierung von hohen Qualitätsansprüchen ein besseres Vermarktungsinstrument ist, als Rabattschlachten und Ramsch-Aktionen", so Heumann.
Stabile Bilanz
Rund 100.000 Besucher sowie etwas mehr Aussteller im Vergleich zum Vorjahr sind zu Beginn des Jahres zur Möbelmesse geströmt: Aus Sicht der Koelnmesse wurden die hohen Erwartungen an die imm cologne als "eine der wichtigsten Messen für die weltweite Einrichtungsbranche" damit erfüllt. Und das trotz einer Verkürzung der Messedauer um einen Tag. "Die Aussteller haben sich mit ihrer Innovationskraft gegen die Krise gestemmt. Dafür sind sie mit guten Geschäften belohnt worden", so Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse. Die positive Stimmung, die während der ganzen Messedauer in den Hallen vorherrschte, unterstrich auch Dirk-Uwe Klaas: "Dies war seit Jahren die mit Abstand erfolgreichste Möbelmesse. Mitten in der Krise haben die Fachbesucher und die Endkunden eindrucksvoll bestätigt, dass die imm cologne zu alter Stärke zurückgefunden hat", so der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Wie die Koelnmesse und der VDM als ideeller Träger der imm cologne meldeten, wurde die "erfolgreiche Zusammenarbeit" über die imm cologne 2010 hinaus langfristig vertraglich verlängert.
Mit 1053 Unternehmen präsentierten etwa zehn Aussteller mehr als 2009 sich und ihr Angebot. Der Auslandsanteil lag bei 58%. Die Zahl der inländischen Aussteller legte um 7% zu. "Damit ist die imm cologne weltweit eine der wenigen Konsumgütermessen, die gegen den Trend überaus stabil bleibt", so Gerald Böse. Dieses gute Ergebnis spiegele sich auch in den Besucherzahlen wider. Im Gegensatz zum letzten Jahr sei die Zahl der Fachbesucher aus dem Ausland wieder angestiegen (+5,7%). Vor allem in den für den Export wichtigen Regionen Nordamerika (+23%) und Osteuropa (+18%) habe die Messe punkten können. Zugewinne wurden zudem in Asien und Südamerika erreicht. Das Inland blieb stabil, nachdem es im Vorjahr deutlich zugelegt hatte. "Dieses Ergebnis sehe ich als Beweis dafür, dass unsere vielfältigen Aktionen in Richtung der nationalen und internationalen Besucher wie etwa unsere VIP-Packages erfolgreich waren", so Udo Traeger, Geschäftsbereichsleiter, Wohnen, Einrichten und Textil der Koelnmesse. Und noch eine Zahl: Rund 80% der Besucher zeigten sich mit der Erreichung ihrer Besuchsziele sehr zufrieden oder zufrieden und gaben an, die Messe auch 2011 besuchen zu wollen. Das ergab eine durchgeführte Besucherbefragung.
Alle Zahlen stammen von der Koelnmesse und seien nach den Richtlinien der Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen (FKM) berechnet.
Rund 30 Mrd. Euro für Möbel
Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel blickt zufrieden auf das abgelaufene Jahr zurück. "29,7 Mrd. Euro haben die Deutschen im Jahr 2009 für Möbel und Küchen ausgegeben", erläuterte Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM), anlässlich der imm cologne-Wirtschaftspressekonferenz. Hinzu kommen die vom Möbelhandel verkauften Fachsortimente wie Teppiche, Heimtextilien, Tisch- und Küchenaccessoires im Volumen von 6 Mrd. Euro. Gegenüber 2008 konnte die Branche ihren Umsatz sogar leicht steigern.
Grothkopp: "Die Möbel- und Küchenbranche ist eine typische, mittelständische Einzelhandelsbranche. Nach wie vor gibt es eine große Bandbreite an Vertriebsformen. Vom Mitnahmemarkt über das spezialisierte Fachgeschäft bis hin zum großen Wohnkaufhaus - das Angebot ist vielseitig. Dank starker Einkaufsverbände, zu denen rund 80 Prozent aller Handelsbetriebe gehören, können in dieser Branche auch kleinere und mittlere Unternehmen erfolgreich existieren. Nur ein Viertel des Umsatzes macht der SB-Bereich aus, einschließlich des geringfügigen Anteils der branchenfremden Vertriebswege wie Baumärkte. Discount-Verhältnisse wie bei Gütern des täglichen Bedarfs sind bei Möbeln nicht denkbar."
Für BVDM-Präsident Hans Strothoff steht fest, dass der deutsche Möbelhandel in 2009 unerwartet gut abgeschnitten hat und zu den Gewinnern gehört: "Beim Wettbewerb um das verfügbare Einkommen der Kunden hat er Marktanteile gewonnen. Bemerkenswert ist dies, weil die Branche komplett ohne staatliche Unterstützung arbeitet." Im Gegenteil, sie stehe im Wettbewerb privater Investitionen zur Automobilbranche, die mit milliardenschwerer staatlicher Subvention einen Zulassungsrekord feiern konnte und Kaufkraft abgezogen hat, die im Bereich Möbel, Küchen und Elektrogeräte nicht ausgegeben wurde.
Ein Blick auf die Sortimentsbereiche zeige, dass Küchenmöbel mit 28% Umsatzanteil nach wie vor die stärkste Warengruppe sind, gefolgt von Polstermöbeln mit 18% sowie Schlaf- und Wohnzimmern mit jeweils 12%. Dass spezialisierte Fachgeschäfte sich in einem hart umkämpften Markt gut behaupten können, zeige die Tatsache, dass 41% des Küchenabsatzes über Küchenspezialhäuser und Küchenfachmärkte erfolge, so Strothoff.
Die nächste imm cologne findet vom 18.-23. Januar 2011 statt. Dann mit umfangreicher Küchenbeteiligung im Rahmen der internationalen Küchenmesse LivingKitchen®. Die internationale Küchenmesse wird als eigenständige Veranstaltung im zweijährigen Turnus stattfinden. Sie hat drei Publikumstage und soll namhafte nationale und internationale Aussteller der gesamten Küchenindustrie vereinen. Die LivingKitchen® zeigt also nicht nur Küchenmöbel und Einbaugeräte, sondern auch Spülen, Armaturen, veredelte Küchenarbeitsplatten und Küchenaccessoires, Licht und Dienstleistungen.
www.imm-cologne.de
www.moebelhandel.org
www.livingkitchen-cologne.de
Die nackten Zahlen
An der imm cologne 2010 beteiligten sich 1053 Unternehmen aus 51 Ländern. Darunter befanden sich 408 Aussteller und 31 zusätzlich vertretene Unternehmen aus Deutschland sowie 586 Aussteller und 28 zusätzlich vertretene Unternehmen aus dem Ausland. Der Auslandsanteil betrug 58%. Insgesamt haben laut Messegesellschaft 100.000 Besucher die Eingangstore passiert.
Quelle: Koelnmesse

Das moderne Messezentrum Köln zählt inzwischen zu den fünf größten Messezentren Europas. Zur imm kamen laut Veranstalter rund 100.000 Besucher.
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