Freitag, 18. Mai 2012 Heft 07/2009
 
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Gelebte Gemeinschaft

12.07.10 - 08:39 Uhr
DER KREIS. "Teamwork und Nachhaltigkeit" standen beim Kongress in Düsseldorf ganz oben auf der Agenda. Denn das seien nach wie vor die Erfolgsfaktoren für Küchenspezialisten, wie Ernst Martin-Schaible, geschäftsführender Gesellschafter, betonte.

Mr. Tagesthemen Ulrich Wickert: „Das ist natürlich ironisch gemeint.“

"Jetzt ist die Zeit zu Handeln", beschwor der Gründer und Inhaber von DER KREIS die Mitglieder in seiner Begrüßungsrede. Denn der Verbraucher suche nach Qualität, Beratung und Service - damit sei der mittelständische Küchenspezialist gefragt. Schaible: "Wir sollten nicht abwarten, wie sich die Wirtschaft weiter entwickelt, nicht zusehen, wie Großvermarkter die Marke Küche weiter verramschen." "Gemeinsam zum Erfolg - Jetzt!", lautete dementsprechend das praktische Motto des 31. Kongresses der europaweit agierenden Gruppe. "Küchenspezialisten sind Individualisten", so der Verbundchef, "aber erfolgreiches individuelles Handeln wird erst im Rahmen einer großen und starken Gemeinschaft möglich." Und das nach wie vor mit Erfolg: Schaible zufolge ist die Gemeinschaft der Küchen- und Badspezialisten im Vorjahr von 2101 auf 2216 Mitglieder gewachsen. Der Außenumsatz stieg 2009 um 1,5% auf nun 1,75 Mrd. Euro. Und das trotz eines massiven Einbruchs im holländischen Markt, der Nr. 2 im KREIS-Umsatzranking. Der Gesamtküchenmarkt in Holland ist 2009 um 38% eingebrochen. "Unsere Mitglieder haben lediglich 7% verloren", so Schaible, "das ist eine hervorragende Leistung. Den Durchschnittspreis pro verkaufte Küche konnten die KREIS-Mitglieder im vergangenen Jahr von 9887 Euro auf 10.480 Euro steigern.

Küche von Anfang an
Die Küche rückt in den Mittelpunkt des Lebens und beeinflusst die Architektur. Nachdem DER KREIS in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Coburg im vergangenen Jahr im Rahmen einer Ausstellung eindrucksvoll aufzeigte, wie neue Lebensräume entstehen, will die Verbundgruppe nun einen weiteren Schritt gehen, um die ­"Küche als den wichtigsten Raum im Haus" zu etablieren. Unter dem Motto "Architektur trifft Praxis" wird die Aktion "Küche im Mittelpunkt des Lebens" ausgeweitet. Dafür wollen Ernst-Martin Schaible und sein Team Architekturstudenten, Industrie und junge Unternehmen an einen Tisch bringen. Ziel ist, Aspekte der Küchenplanung wie ­Design, Qualität und Integration von Beginn an auf realistische Füße zu stellen. Dafür sei es unter anderem nötig, dass Studierende der Innenarchitektur einen realistischen Bezug zur Machbarkeit im Umgang mit Materialien bekämen, statt ihre Ideen im luftleeren Raum zu entwickeln. Die Umsetzung dieser Pläne steht weiterhin unter der Schirmherrschaft der im November 2009 gegründeten Anja Schaible Stiftung.

Nachfolge skizziert
Obwohl Verbundgruppengründer Ernst-Martin Schaible nach wie vor mit vollem Elan am Fortkommen der Küchen- und Badspezialisten arbeitet, hat er bereits Pläne für die Zeit nach seinem Ausscheiden vorgelegt. "Mit dem KREIS wird es auf jeden Fall auch nach mir weitergehen", betonte er. Für das operative Geschäft werde dann eine Unternehmensstiftung mit Vorstand und Aufsichtsrat zuständig sein. Die führenden Personen ständen bereits fest, wurden aber noch nicht öffentlich genannt. Schaible selbst werde sein gesamtes Vermögen der Anja Schaible Stiftung vermachen. Dies sei per Testament bereits fixiert.

Konzept für Bauherren
Auf der kongressbegleitenden Dienstleistungsmesse standen neben den Präsentationen der Partnerlieferanten Aktionen im Fokus, die gemeinsam mit den Mitgliedern im Marketingkreis entwickelt wurden und hier insbesondere auf die Neukundengewinnung zielen. Gezeigt wurde ein auf Bauherren ausgerichtetes Konzept zur Neukundengewinnung. Ebenfalls neu: Design und Präsentation des Moduls Lifting, das gerade jetzt in Zeiten steigenden Umweltbewusstseins und ener­getisch motivierter Küchenrenovierung mehr Verbraucherfrequenz in die Ausstellung der Küchenspezialisten bringen kann. "Entdecke Deine Küche neu" lautet der aktuelle Lifiting-Slogan.

Existenzen sichern
Kredite für Existenzgründungen, so sollte man meinen, bekommt man bei seiner Hausbank. Bis Ende 2007 war diese Annahme potenzieller Existenzgründer richtig, soweit ihnen die Kenntnisse alternativer Möglichkeiten fehlten und Kreditinstitute ihre Kunden mit entsprechenden Programmen umwarben. Die Programme existieren auch heute noch, nur scheint der Wille, diese einzusetzen, bei den Banken verloren gegangen zu sein. Unternehmensgründer müssen nach Alternativen suchen. "Existenzen neu aufzubauen und zu sichern ist schon aus Eigeninteresse und zur Sicherung des Mittelstands ein wesentliches Aufgabenfeld von Verbänden und dies branchenübergreifend", betonte Schaible. "Für uns, also für den Verbund, ist es für die Zukunftssicherung des Küchenfachhandels eminent wichtig, guten Nachwuchs, also engagierte Küchenspezialisten, in seinem Wunsch nach Selbstständigkeit aktiv zu unterstützen." Die Verhandlungen zur Kreditvergabe seien schwieriger geworden, die Realisierung eines eigenen Unternehmens ohne Profibegleitung sogar fast aussichtslos. Mit einem Verbund im Hintergrund können sich die Türen leichter öffnen. Das bestätige auch eine Studie des Zentralverbands Gewerblicher Verbundgruppen, ZGV.

Wenn in Düsseldorf mit einem Kölsch angestoßen wird, gilt dies als eine Gemeinschaftsgeste der besonderen Art. Paul Reinhold Linn (Referent), Ernst-Martin Schaible und Ulrich Wickert (von links) hatten da keinerlei Berührungsängste. Foto rechts: der Veranstaltungsmoderater.

"Existenzgründung beginnt mit dem Unternehmenskonzept", fuhr Schaible fort. "Dann ist unser Unternehmensberater an der Reihe, um die finanzielle Situation auszuloten, auf die dann das Vorhaben ausgerichtet werden muss. Also zum Beispiel auch, ob unser Partnerschaftsmodell Varia der richtige Weg ist, weil hier in Zusammenarbeit mit der Industrie die Gegenfinanzierung der Ausstellung günstig umzusetzen ist, oder ob eine individuellere Lösung besser passt. Küche 3000 ist eine weitere Möglichkeit, die aber in der Regel eher bei einer Neuaufstellung oder Unternehmenserweiterung zum Tragen kommt." Unternehmenssicherung, so Ernst-Martin Schaible, sei ein permanenter Prozess. Hier nutze DER KREIS die Erfahrung und den Ideenreichtum der europäischen Gemeinschaft. Soll heißen: "Wir entwickeln Marketingaktionen mit unseren Mitgliedern gemeinsam."

Hochkarätige Referenten
Betriebe, die ihre Aufgaben durch Teams in wechselnder Zusammensetzung lösen, erreichen beste Ergebnisse, weil diese von allen Beteiligten getragen werden, lautete der Tenor von Ulrich Wickert, dem hochkarätigsten Kongress-Referenten. Der Journalist, Buchautor und ehemalige Mr. Tagesthemen zeigte auf, wie wichtig ethische Regeln für die Gesellschaft generell und für den Unternehmensalltag sind. Insbesondere prangerte Wickert die überzogene Ökonomisierung des Lebens an und plädierte für die Besinnung auf Werte wie Vertrauen, Freiheit, Eigenverantwortung und Ehrlichkeit. "Wir müssen lernen, dass wir für uns selbst und innerhalb der Gesellschaft auch für andere Verantwortung übernehmen", so Wickert.
Weitere Denkanstöße gaben Reinhold Paul Linn ("wir brauchen mehr Kommunikation und Gemeinsamkeit, weil dies die Grundlagen für nachhaltigen Erfolg sind") und Unternehmensberater Ernst Lachmayr ("betriebswirtschaftliche Abläufe funktionieren in einem Netzwerk effektiver, wenn die­se vom Team getragen und verfolgt werden). Ausreichend Stoff also für die im Anschluss lebhaft geführte Podiumsdiskussion, bei der La-Cucina-Chefin Arntraud Krug, frischgebackene DER KREIS-Küchenspezialistin des Jahres, die Vorteile nachhaltigen Handelns im Team am Beispiel ihres Unternehmens verdeutlichte und Bauknecht Geschäftsführer Ralph Bestgen, der die Zukunftsvisionen des Geräteherstellers mit dem Konzept "Green Kitchen" darstellte, das durch energetische Nachhaltigkeit in der Branche bislang einmalig ist. "Zukunft entsteht durch Erfahrung und Kommunikation in der Gemeinschaft", sagte Podiumsteilnehmer Ben Bake.
Begeisterten Applaus erhielten zudem die Schauspieler des Unternehmenstheaters "Visual", die zur Einstimmung auf den Vortrag von Ulrich Wickert mit einer gehörigen Prise Humor Unternehmensabläufe auf die Schippe nahmen, um die Vorteile tatsächlich gemeinsamen Handelns und Umsetzens von Marketingaktionen im Verbund herauszukristallisieren und deutlich vor Augen zu führen.

www.kreis.de

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