Garantiert einmalig
06.07.10 - 08:14 Uhr
Pfister Möbelwerkstatt. Der Spezialist für Vollholzmöbel ging Anfang des Jahres mit einer außergewöhnlichen Vertriebsidee an den Start: Für jeden Handelspartner ein eigenes, exklusives Küchen-Design.
![]() Inklusive Verkleidung des Dunstabzugs eine runde Sache: Exakt nach Kundenwunsch realisierte Inselküche mit Ahornfronten und einem Anbautisch aus Birnbaumholz. Der Begriff "Unikat" fällt im Küchenhandels-Alltag häufiger. Gemeint ist in der Regel die individuelle Planung für Endkunden, die auch bei identischem Möbelprogramm aufgrund verschiedener Raumgrößen, Grundrisse, Materialkombinationen, Ausstattungswünsche von Projekt zu Projekt "einmalig" daherkommt. Das Unternehmen Pfister Möbelwerkstatt in Angelbachtal bei Heidelberg setzt nun seine eigene Unikat-Definition in die Tat um: Angesprochen sind Fachhändler und Küchenstudios im Hochwertsegment, die ihren Kunden ein Küchenmöbel-Design aus Massiv- bzw. Vollholz anbieten wollen, das ausschließlich über den eigenen Betrieb lieferbar ist. Voraus geht in Zusammenarbeit mit dem Händler eine Analyse der Zielgruppe, sodass das Küchen-Design den spezifischen Anforderungen in jedem Aspekt treffsicher entspricht. Sehr erfolgreich einem internationalen Publikum vorgestellt wurde das innovative Konzept während der imm 2010 in Köln.
Die Ausstellungsküche "Die Welle" wurde ausnahmsweise mit Starkfurnierfronten in Ahorn gebaut: Ziel war es, den durchgehenden Kern (die Maserung) zu zeigen. Die Spüle und die Glaseinbaufläche für das Kochfeld wurden der Frontlinie entsprechend individuell gefertigt. Die kreativen Köpfe hinter der Idee sind die Brüder Uwe und Jürgen Pfister. Uwe Pfister ist Techniker der Fachrichtung Holz und im Unternehmen zuständig für Vertrieb, Verwaltung und Designentwicklung. Jürgen Pfister ist Schreinermeister und verantwortlich für Produktion und Personal. Aktuell sind das acht Mitarbeiter - darunter sieben (!) Schreinermeister - und ein Auszubildender: "Ein gutes Team ist wichtig. Durch unsere hoch qualifizierten Mitarbeiter garantieren wir das hohe Qualitätsniveau, auf das wir Wert legen und für das wir bekannt sind", kommentiert Uwe Pfister das anspruchsvolle Mitarbeiterprofil.
Geräte-Einbauschrank für Backofen, Wärmeschublade und zwei Schubladen-Kühlgeräte: Das Möbel ist formaler Gegenpol zu der organischen Frontlinie der "Welle" - ein spannungsvoller Kontrast. Spezialität Obstbaum-Hölzer
Topmodern aus Kern-Ahorn mit Nussbaum-Arbeitsflächen aus dem Kraichgau: Inselküche mit Imbissplatz. Die Thekenfront ist mit einer maßgefertigten Edelstahlfläche verkleidet. Fantasievoll in Szene gesetzt: Die Skyline der Einbauschränke. Eine Unternehmens-Spezialität ist die Fertigung von Möbeln aus Obstbaum-Hölzern wie Kirsche, Birne, Apfel oder Zwetschge. Dieses Holz liefern jedes Jahr im Spätwinter regionale Bauern und Förster an. Sie verkaufen ihre im Winter gefällten Bäume an das Unternehmen, das dann einmal im Frühling ein mobiles Sägewerk bestellt, um aus den Stämmen Bretter in 3 bis 4 cm Dicke zuschneiden zu lassen - aus dieser Materialwahl resultiert der Begriff "Vollholz", zum Einsatz kommen hauptsächlich aus qualitativ hochwertigen Brettern selbst gefertigte Vollholzplatten.
Bequem zugreifen: Eine Abstellfläche unter dem Backofen mit seitlichem Anschlag bringt zusätzlich Komfort. Dem natürlichen Schwundverhalten von Holz wird ebenfalls mit der Verarbeitung der einzelnen Bretter entgegengewirkt. So wird die traditionelle Regel "Kern oben an Kern unten, Splint oben an Splint unten" sorgsam befolgt: Holz reagiert im verbauten Zustand grundsätzlich auf den Feuchtegrad der Umgebungsluft, es arbeitet. Durch das Zusammenlegen der Bretter nach obiger Regel lässt sich verhindern, dass nach dem Verleimen beispielsweise leichte Wölbungen entstehen. Stattdessen wird das Arbeiten des Holzes auf die gesamte Brettfläche verteilt. Das Möbel hat noch nach vielen Gebrauchsjahren - "es soll so lange halten, wie das Stammwachstum gedauert hat" - seine planen Oberflächen. Erhöht wird die Lebensdauer der Möbel auch durch die weitere Holzverarbeitung, dazu gehören handwerklich präzise gefertigte, klassische Holzverbindungen wie verzinkte Schubladen, Zapfen- und Schwalbenschwanzverbindungen. Technisch hochwertige, moderne Beschläge erlauben dabei die komfortable Handhabung.
Praktisches Extra in Nussbaum: Auszug mit integrierter Waage. Nicht gerechnet hatten die Brüder zu diesem Zeitpunkt mit der Beobachtungsgabe der Nachbarn und deren Begeisterung über das eigenwillige Möbeldesign. Es kamen derart viele Anfragen zu den unkonventionellen Stücken, dass sich die beiden entschlossen, das Hobby zum Beruf zu machen und 1986 ihre Schreinerei gründeten. Bereits 1988 konnte die kleine Werkstatt nicht mehr mit der Auftragslage mithalten, sodass eine Halle samt 40 Ar großem Gelände angemietet wurde. Etwa vier Jahre später folgten der Kauf des Areals und die Einstellung der ersten Mitarbeiter. 1996 wurde die Produktionsfläche auf 1000 Quadratmeter erweitert, parallel eine Feststoff-Heizung anstelle der alten Ölheizung installiert: Seither ist das Unternehmen heizungstechnisch autark, verbrannt werden selbst produzierte Pellets aus Restholz. Der schonende Umgang mit Ressourcen ist Prinzip.
Planbesprechung: Die Zeichnung mit den Plänen der künftigen Küche werden von Uwe Pfister und seiner Schwägerin Ursula Pfister vor dem Versand kontrolliert. Das Besondere im Design, das zu den ersten Anfragen und später zu zig Weiterempfehlungen und in Folge zur Vergrößerung der Firma führte, sind Möbel, die sehr stark emotional ansprechen: Klar und geradlinig, trotzdem weich und rund, mit fließenden Linien, naturnah. Inspirationsquellen für seine stetig sprudelnden Ideen sind, so Uwe Pfister, die moderne Architektur, vor allem aber "alles, was mit der Natur zu tun hat". Blätter an einem Ast können Vorbild sein für ein Regalseitenteil mit auskragenden Abstellflächen, eine Felsformation die Formgebung von oberen Schrankabschlüssen eingeben.
Kreisformen für ein Möbel werden mit einem Zirkel auf dem Brett aufgerissen und dann akkurat ausgesägt, hier demonstriert von Jürgen Pfister. Basismaterial der Entwürfe ist Holz, flexibel und nach Kundenwunsch eingesetzt werden Materialien wie Edelstahl, Glas, Keramik, Naturstein. Damit der angestrebte Qualitätsstandard jederzeit stimmt, arbeitet das Unternehmen mit qualifizierten Kooperationspartnern zusammen. Ein Blechner beispielsweise ist nicht nur für Edelstahlfronten zuständig, sondern fertigt unter anderem auch Mülltrennsysteme, Arbeitsplatten und Spülbecken individuell an. Der Glasverarbeiter sorgt bei gerundetem Möbeldesign für akkurat gebogene Glasfronten und der Frontlinie analog geformte Glasflächen in der Arbeitsplatte. Ein Keramikbauer realisiert auch die beheizte Sitzbank in der Küche. Und wenn Granit oder ein anderer Naturstein als Arbeitsplatte und/oder Rückwand eingebaut werden soll, Steinfronten oder ein Spülbecken aus Stein gefragt sind, steht der Steinmetz aus dem Subunternehmer-Team zur Verfügung.
Per Hand werden die Kanten der Bretter mithilfe von Schleifpapier leicht gefast, ihnen wird sozusagen die Spitze genommen. Der Spielraum für individuelle Entwürfe ist riesig, das Ideen-Potenzial Uwe Pfisters ist in stetem Wachstum begriffen - es entstehen echte Einzelstücke, und zwar immer aus der eigenen Design-Schmiede. "Nachbauten gibt es nicht", betont Uwe Pfister. Dazu zählen auch Fremdentwürfe, die punktgenau umgesetzt werden sollen. Realisiert werden die Ideen des Hauses. Das gilt für die Direktvermarktung. In der Zusammenarbeit mit dem Handel stellt sich dieses Thema abgewandelt dar, da jede Planungsvariante auf dem eigens entwickelten Exklusiv-Design beruht. "Wir probieren gerne", so Uwe Pfister, und wenn der Händler und sein Kunde innerhalb des Designs - oder auch anderer Designs, solange nicht vergeben - kundenspezifische Lösungen zu Form, Material, Stauraum-Gestaltung oder spezieller Hausgeräte-Technik wünschen, ist die Planungsunterstützung Teil des Gesamtkonzepts: Diese Realisierungswünsche werden in Angelbachtal in das Design eingearbeitet. Bis hin zum Einbauschrank für ein modernes Schubladen-Kühlgerät.
Ende der 80er-Jahre mieteten die Brüder Pfister eine Produktionshalle an, kauften sie ein paar Jahre später und erweiterten und renovierten sie 1996. Seither wird sie mit einem Feststoff-Ofen beheizt, der die Abfälle aus der Schreinerei verfeuert. Exklusiv-Design mit Service: Für den Händler eröffnen sich mit der Alleinstellung überaus wirksame Wege zur Vermarktung. In seiner Ausstellung kann er eine Küche präsentieren, die tatsächlich nirgendwo sonst angeboten wird. Er kann innerhalb "seines" Designs frei planen und Sonderlösungen jeder Couleur integrieren. Und er kann sein Kerngeschäft ausweiten und Gesamtkonzepte anbieten, da die Pfister Möbelwerkstatt neben Küchen alle Einrichtungen der einzelnen Wohnfunktionen vom Essraum bis zum Bad und zum Schlafzimmer baut und auch den Innenausbau mit beispielsweise Türen einbezieht.
Die Beschläge müssen passgenau sitzen: Am massiven Brett werden die Bohrungen ausgeführt. Jede Küche übrigens wird komplett aus einer Hand gefertigt. Die Angebotspalette trifft voll in den Kern des Trends zu individuellen Wohnlösungen aus einem Guss. Einen weiteren allgemeinen Trend, der auf der diesjährigen Ambiente in Frankfurt formuliert wurde, haben die Pfisters lange schon mit einer weiteren Spezialisierung vorweggenommen: Sie verarbeiten liebend gerne Altholz, alte Hausbalken zum Beispiel - den Lagerplatz zeigt Uwe Pfister mit spürbarer Begeisterung -, oder Fässer: "Einer unserer Kunden hat ein Weingut gekauft, in dem noch alte Holzfässer lagerten. Aus den Dauben werden wir eine Küche bauen." Kreative Grenzen kennt das Unternehmen nicht. Oder, im Originalton Pfister ausgedrückt: "Das zunächst unmöglich Erscheinende wird realisierbar gemacht." (hb) |
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