Freitag, 18. Mai 2012 Heft 07/2009
 
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Garantiert einmalig

06.07.10 - 08:14 Uhr
Pfister Möbelwerkstatt. Der Spezialist für Vollholzmöbel ging Anfang des Jahres mit einer außer­gewöhnlichen Vertriebsidee an den Start: Für jeden Handelspartner ein eigenes, exklusives Küchen-Design.

Inklusive Verkleidung des Dunstabzugs eine runde Sache: Exakt nach Kundenwunsch ­realisierte Inselküche mit Ahornfronten und einem Anbautisch aus Birnbaumholz.

Der Begriff "Unikat" fällt im Küchenhandels-Alltag häufiger. Gemeint ist in der Regel die individuelle Planung für Endkunden, die auch bei identischem Möbelprogramm aufgrund verschiedener Raumgrößen, Grundrisse, Materialkombinationen, Ausstattungswünsche von Projekt zu Projekt "einmalig" daherkommt. Das Unternehmen Pfister Möbelwerkstatt in Angelbachtal bei Heidelberg setzt nun seine eigene Unikat-Definition in die Tat um: Angesprochen sind Fachhändler und Küchenstudios im Hochwertsegment, die ihren Kunden ein Küchenmöbel-Design aus Massiv- bzw. Vollholz anbieten wollen, das ausschließlich über den eigenen Betrieb lieferbar ist. Voraus geht in Zusammenarbeit mit dem Händler eine Analyse der Zielgruppe, sodass das Küchen-Design den spezifischen Anforderungen in jedem Aspekt treffsicher entspricht. Sehr erfolgreich einem internationalen Publikum vorgestellt wurde das innovative Konzept während der imm 2010 in Köln.

Die Ausstellungsküche "Die Welle" wurde ausnahmsweise mit Starkfurnierfronten in Ahorn gebaut: Ziel war es, den durchgehenden Kern (die Maserung) zu zeigen. Die Spüle und die Glas­einbaufläche für das Kochfeld wurden der Frontlinie entsprechend individuell gefertigt.

Die kreativen Köpfe hinter der Idee sind die Brüder Uwe und Jürgen Pfister. Uwe Pfister ist Techniker der Fachrichtung Holz und im Unternehmen zuständig für Vertrieb, Verwaltung und Designentwicklung. Jürgen Pfister ist Schreinermeister und verantwortlich für Produktion und Personal. Aktuell sind das acht Mitarbeiter - darunter sieben (!) Schreinermeister - und ein Auszubildender: "Ein gutes Team ist wichtig. Durch unsere hoch qualifizierten Mitarbeiter garantieren wir das hohe Qualitätsniveau, auf das wir Wert legen und für das wir bekannt sind", kommentiert Uwe Pfister das anspruchsvolle Mitarbeiterprofil.

Geräte-Einbauschrank für Backofen, Wärmeschublade und zwei Schubladen-Kühlgeräte: Das Möbel ist formaler Gegenpol zu der organischen Frontlinie der "Welle" - ein spannungsvoller Kontrast.

Spezialität Obstbaum-Hölzer
Optimale Qualität auf allen Stufen der Wertschöpfungskette ist Basis der Firmenphilosophie, und Qualität fängt im Hause Pfister bei der Holzauswahl an. Verarbeitet wird zu 80 Prozent Holz aus der Region. Aus dem Ausland zugekauftes Holz stammt grundsätzlich aus nachgewiesener, nachhaltiger Forstwirtschaft, Tropenhölzer und Hölzer aus Ländern mit Kinderarbeit werden prinzipiell nicht eingesetzt.

Topmodern aus Kern-Ahorn mit Nussbaum-Arbeitsflächen aus dem Kraichgau: Inselküche mit Imbissplatz. Die Thekenfront ist mit einer maßgefertigten Edelstahlfläche verkleidet. Fantasievoll in Szene gesetzt: Die Skyline der Einbauschränke.

Eine Unternehmens-Spezialität ist die Fertigung von Möbeln aus Obstbaum-Hölzern wie Kirsche, Birne, Apfel oder Zwetschge. Dieses Holz liefern jedes Jahr im Spätwinter regionale Bauern und Förster an. Sie verkaufen ihre im Winter gefällten Bäume an das Unternehmen, das dann einmal im Frühling ein mobiles Sägewerk bestellt, um aus den Stämmen Bretter in 3 bis 4 cm Dicke zuschneiden zu lassen - aus dieser Materialwahl resultiert der Begriff "Vollholz", zum Einsatz kommen hauptsächlich aus qualitativ hochwertigen Brettern selbst gefertigte Vollholzplatten.

Lange Lagerzeiten zur Trocknung
Der Zeitpunkt des Einschlags gehört zu den maßgeblichen Kriterien zur Qualitäts-Beurteilung von Holz: Im Winter geschlagenes Holz enthält deutlich weniger Feuchtigkeit als das aus anderen Jahreszeiten, der natürliche Wasserverlust ist deshalb langsamer und schonender. Getrocknet werden muss es natürlich dennoch, dazu wird es auf dem Firmengengelände gestapelt und mehrere Jahre lang gelagert - "pro 5 mm Dicke beträgt die Lagerzeit ein Jahr", beziffert Uwe Pfister die Gesamtdauer. Einmal jährlich werden die Stapel umgesetzt, damit Luft und Wind perfekte Arbeit leisten können. Vor der Verarbeitung wird das Holz künstlich nachgetrocknet, denn "im Freien trocknet Holz nie weiter als auf 12, 13 Prozent Feuchtigkeit, benötigt wird eine Holzfeuchte von 6 bis 8 Prozent", begründet Uwe Pfister das Vorgehen. "Unser Verfahren garantiert, dass die Spannungen im Holz schwinden und sich das Holz nicht verzieht."

Bequem zugreifen: Eine Abstellfläche unter dem Backofen mit seitlichem Anschlag bringt zusätzlich Komfort.

Dem natürlichen Schwundverhalten von Holz wird ebenfalls mit der Verarbeitung der einzelnen Bretter entgegengewirkt. So wird die traditionelle Regel "Kern oben an Kern unten, Splint oben an Splint unten" sorgsam befolgt: Holz reagiert im verbauten Zustand grundsätzlich auf den Feuchtegrad der Umgebungsluft, es arbeitet. Durch das Zusammenlegen der Bretter nach obiger Regel lässt sich verhindern, dass nach dem Verleimen beispielsweise leichte Wölbungen entstehen. Stattdessen wird das Arbeiten des Holzes auf die gesamte Brettfläche verteilt. Das Möbel hat noch nach vielen Gebrauchsjahren - "es soll so lange halten, wie das Stammwachstum gedauert hat" - seine planen Oberflächen. Erhöht wird die Lebensdauer der Möbel auch durch die weitere Holzverarbeitung, dazu gehören handwerklich präzise gefertigte, klassische Holzverbindungen wie verzinkte Schubladen, Zapfen- und Schwalbenschwanzverbindungen. Technisch hochwertige, moderne Beschläge erlauben dabei die komfortable Handhabung.

Kreativität ist Schlüssel des Erfolgs
Das spezielle Wissen über die Arbeit mit Vollholz wird in Angelbachtal konsequent angewendet. Doch "der eigentliche Schlüssel unseres Erfolgs ist Kreativität" - und genau diese Fähigkeit hat überhaupt erst zur Firmengründung geführt: Uwe und Jürgen Pfister wollten in der Mitte der 1980er-Jahre ihre eigenen Wohnungen einrichten, hatten aber keine Lust "auf Möbel, wie sie alle haben". Die Einrichtungen sollten "etwas Besonderes" werden. In der Wohnung der Großmutter war Platz für eine Werkstatt, hier wurden in der Freizeit die Massivholzmöbel für den Eigenbedarf gebaut.

Praktisches Extra in Nussbaum: Auszug mit integrierter Waage.

Nicht gerechnet hatten die Brüder zu diesem Zeitpunkt mit der Beobachtungsgabe der Nachbarn und deren Begeisterung über das eigenwillige Möbeldesign. Es kamen derart viele Anfragen zu den unkonventionellen Stücken, dass sich die beiden entschlossen, das Hobby zum Beruf zu machen und 1986 ihre Schreinerei gründeten. Bereits 1988 konnte die kleine Werkstatt nicht mehr mit der Auftragslage mithalten, sodass eine Halle samt 40 Ar großem Gelände angemietet wurde. Etwa vier Jahre später folgten der Kauf des Areals und die Einstellung der ersten Mitarbeiter. 1996 wurde die Produktionsfläche auf 1000 Quadratmeter erweitert, parallel eine Feststoff-Heizung anstelle der alten Ölheizung installiert: Seither ist das Unternehmen heizungstechnisch autark, verbrannt werden selbst produzierte Pellets aus Restholz. Der schonende Umgang mit Ressourcen ist Prinzip.

Planbesprechung: Die Zeichnung mit den Plänen der künftigen ­Küche werden von Uwe Pfister und seiner Schwägerin ­Ursula Pfister vor dem Versand kontrolliert.

Das Besondere im Design, das zu den ersten Anfragen und später zu zig Weiterempfehlungen und in Folge zur Vergrößerung der Firma führte, sind Möbel, die sehr stark emotional ansprechen: Klar und geradlinig, trotzdem weich und rund, mit fließenden Linien, naturnah. Inspirationsquellen für seine stetig sprudelnden Ideen sind, so Uwe Pfister, die moderne Architektur, vor allem aber "alles, was mit der Natur zu tun hat". Blätter an einem Ast können Vorbild sein für ein Regalseitenteil mit auskragenden Abstellflächen, eine Felsformation die Formgebung von oberen Schrankabschlüssen eingeben.

Nachbauten gibt es nicht
Die Stärke des Unternehmens liegt neben der fachlichen Kompetenz in der Tatsache, dass Uwe Pfister "diese Ideen niemals ausgehen". Manche Stammkunden und ebenso Neukunden, die auf deren Empfehlung kommen, bauen auf diese Fähigkeit: Sie wünschen das "absolute Unikat", von dem weder Fotos aufgenommen noch Zeichnungen als Referenz vorgelegt werden dürfen. Eine solche Küche im Wert von ca. 120.000 Euro ist derzeit in Planung. Das Preisgefüge ist flexibel, und "eine vernünftige Massivholzküche mit vernünftiger Ausstattung fertigen wir ab etwa 30.000 Euro." Ebenfalls ein Unikat, auf das viele seiner Kunden sparen - Qualität und Design überzeugen.

Kreisformen für ein Möbel werden mit einem ­Zirkel auf dem Brett aufgerissen und dann akkurat ausgesägt, hier demonstriert von Jürgen Pfister.

Basismaterial der Entwürfe ist Holz, flexibel und nach Kundenwunsch eingesetzt werden Materialien wie Edelstahl, Glas, Keramik, Naturstein. Damit der angestrebte Qualitätsstandard jederzeit stimmt, arbeitet das Unternehmen mit qualifizierten Kooperationspartnern zusammen. Ein Blechner beispielsweise ist nicht nur für Edelstahlfronten zuständig, sondern fertigt unter anderem auch Mülltrennsysteme, Arbeitsplatten und Spülbecken individuell an. Der Glasverarbeiter sorgt bei gerundetem Möbeldesign für akkurat gebogene Glasfronten und der Frontlinie analog geformte Glasflächen in der Arbeitsplatte. Ein Keramikbauer realisiert auch die beheizte Sitzbank in der Küche. Und wenn Granit oder ein anderer Naturstein als Arbeitsplatte und/oder Rückwand eingebaut werden soll, Steinfronten oder ein Spülbecken aus Stein gefragt sind, steht der Steinmetz aus dem Subunternehmer-Team zur Verfügung.

Per Hand werden die Kanten der Bretter mithilfe von Schleifpapier leicht gefast, ihnen wird sozusagen die Spitze ­genommen.

Der Spielraum für individuelle Entwürfe ist riesig, das Ideen-Potenzial Uwe Pfisters ist in stetem Wachstum begriffen - es entstehen echte Einzelstücke, und zwar immer aus der eigenen Design-Schmiede. "Nachbauten gibt es nicht", betont Uwe Pfister. Dazu zählen auch Fremdentwürfe, die punktgenau umgesetzt werden sollen. Realisiert werden die Ideen des Hauses. Das gilt für die Direktvermarktung. In der Zusammenarbeit mit dem Handel stellt sich dieses Thema abgewandelt dar, da jede Planungsvariante auf dem eigens entwickelten Exklusiv-Design beruht. "Wir probieren gerne", so Uwe Pfister, und wenn der Händler und sein Kunde innerhalb des Designs - oder auch anderer Designs, solange nicht vergeben - kundenspezifische Lösungen zu Form, Material, Stauraum-Gestaltung oder spezieller Hausgeräte-Technik wünschen, ist die Planungsunterstützung Teil des Gesamtkonzepts: Diese Realisierungswünsche werden in Angelbachtal in das Design eingearbeitet. Bis hin zum Einbauschrank für ein modernes Schubladen-Kühlgerät.

Flexibel bis zum Säge-Start
Pfisterküchen bewegen sich im Hochwertsegment, diesem Anspruch gemäß sind die Planungs-, Montage- und Serviceleistungen aufgestellt und organisiert. Der Handel profitiert davon: Planungsänderungen sind so lange möglich, bis die Sägearbeiten beginnen, und sie bleiben kostenfrei, wenn sie sich "in Maßen" bewegen. Dem händlereigenen Montageteam wird nach heutiger Planung ein Monteur aus der Pfister Möbelwerkstatt beigestellt. Der Kundendienst des Hauses greift auch für den Handel: Ein Jahr nach der Montage ist ein kostenloser Service Usus, um beispielsweise Scharniere nachzujustieren. Zudem besteht das Angebot zur Überarbeitung wie zum Beispiel das Abschleifen der Möbel nach einigen Gebrauchsjahren; dieser Service ist zwar kostenpflichtig, aber höchst effektiv: Die Möbel sehen aus wie neu geschreinert.

Ende der 80er-Jahre mieteten die Brüder Pfister eine Produktionshalle an, kauften sie ein paar Jahre später und erweiterten und renovierten sie 1996. Seither wird sie mit einem Feststoff-Ofen beheizt, der die Abfälle aus der Schreinerei verfeuert.

Exklusiv-Design mit Service: Für den Händler eröffnen sich mit der Alleinstellung überaus wirksame Wege zur Vermarktung. In seiner Ausstellung kann er eine Küche präsentieren, die tatsächlich nirgendwo sonst angeboten wird. Er kann innerhalb "seines" Designs frei planen und Sonderlösungen jeder Couleur integrieren. Und er kann sein Kerngeschäft ausweiten und Gesamtkonzepte anbieten, da die Pfister Möbelwerkstatt neben Küchen alle Einrichtungen der einzelnen Wohnfunktionen vom Essraum bis zum Bad und zum Schlafzimmer baut und auch den Innenausbau mit beispielsweise Türen einbezieht.

Die Beschläge müssen passgenau sitzen: Am massiven Brett werden die Bohrungen ausgeführt. Jede Küche übrigens wird komplett aus einer Hand gefertigt.

Die Angebotspalette trifft voll in den Kern des Trends zu individuellen Wohnlösungen aus einem Guss. Einen weiteren allgemeinen Trend, der auf der diesjährigen Ambiente in Frankfurt formuliert wurde, haben die Pfisters lange schon mit einer weiteren Spezialisierung vorweggenommen: Sie verarbeiten liebend gerne Altholz, alte Hausbalken zum Beispiel - den Lagerplatz zeigt Uwe Pfister mit spürbarer Begeisterung -, oder Fässer: "Einer unserer Kunden hat ein Weingut gekauft, in dem noch alte Holzfässer lagerten. Aus den Dauben werden wir eine Küche bauen." Kreative Grenzen kennt das Unternehmen nicht. Oder, im Originalton Pfister ausgedrückt: "Das zunächst unmöglich Erscheinende wird realisierbar gemacht." (hb)

www.pfister-moebelwerkstatt.de

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