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Einfach mal undeutsch sein

28.03.11 - 11:21 Uhr
Auf der Hitliste der beliebtesten Kalendersprüche steht dieser ganz oben: Alles hat seine Zeit. Niemandem geringeren als William Shakespeare wird die Urheberschaft dieser alltagstauglichen Weisheit zugeschrieben. Sie stammt aus der „Komödie der Irrungen“ und hat stolze 417 Jahre auf dem literarischen Buckel. Trotz des biblisch anmutenden Alters ist diese Aussage zeitgemäßer denn je und passt wie die Faust aufs Auge zu einem ­LivingKitchen-Fazit.

Dirk Biermann, Chefredakteur

Die LivingKitchen war ein grandioser Erfolg. Oder besser: Sie ist ein grandioser Erfolg. Denn die Auswirkungen werden noch lange spürbar sein. Dass sich die deutsche* Küchenindustrie zum weltweiten Zentrum der globalen Küchenaktivitäten entwickelt hat, ist eine häufig und gern zitierte Ansicht. Innovationskraft, Qualitätsbewusstsein und Lieferfähigkeit aller am Produkt Einbauküche beteiligter Teil-Branchen setzen den weltweiten Benchmark. Die Kölner Küchenmesse hat diese Business-Faktoren eindrucksvoll untermauert. Schließlich ist unter dem Bilanzstrich nur eine verkaufte Küche eine schöne Küche. Doch die LivingKitchen hat weit mehr gezeigt: Deutschland ist nicht nur das rationale Zentrum des globalen Küchengeschäfts, hier schlägt seit Januar 2011 zusätzlich das emotionale Herz der Küchenwelt. Mit welcher Konsequenz, Leidenschaft und Kreativität in Köln Küche in allen ihren Bestandteilen zelebriert wurde, wirkte auf eine wunderbare Art und Weise berauschend.


Dieser Erfolg will gewürdigt werden. Kehren wir für den Moment allen „Ja, aber“-Sagern den Rücken zu. Jetzt ist Zeit zu feiern, könnte man frei nach Shakespeare sagen. Die Branche hat allen Grund, sich selbst zu feiern. Es ist famos, was sie in kaum einem Jahr auf die Beine gestellt hat. Denn gerade einmal 12 Monate ist es her, dass sich eine Handvoll Branchengrößen nach vorn gewagt hatte, um den Plan von einer Küchenmesse für die gesamte Küche vorzustellen. So etwas hatte es mit internationalem Anspruch noch nie gegeben und nicht wenige aus der Branche zweifelten an der Umsetzbarkeit. Etwa 70 Aussteller hofften die Organisatoren von der Kölnmesse für die Premiere gewinnen zu können. Geworden sind es rund 170. Schon allein dieser Erfolg ist alles andere als vorhersehbar gewesen. Die Messeorganisatoren haben offenbar die richtigen Angebote gemacht, die Leitwölfe der Branche die passenden Argumente gefunden und die Branche als Ganzes die Botschaft verinnerlicht, dass es an der Zeit ist, an einem Strang zu ziehen. Allen Wettbewerbsgedanken zum Trotz. So viel Mut tut gut.


Das Produkt Einbauküche ist aus der Alltagssicht des Durchschnittsbürgers betrachtet alles andere als sexy. Man möchte sich im Grunde aus Kostengründen gar nicht mit diesem Thema beschäftigen müssen. So lange alles funktioniert. Die medial inszenierten Präsentationen der LivingKitchen-Aussteller erhöhen die gefühlte Lust auf Küche ­enorm und helfen mit, die Einbauküche zunehmend als Statussymbol im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. Die Deutschen mögen ein gemütliches Heim, und die Küche ist das Zentrum dieser Heimeligkeit. Bei Statussymbolen, das wissen wir alle aus eigener Erfahrung, guckt man nicht auf jeden Euro. Dies ist der überragende Wert der LivingKitchen für die gesamte Branche und in seiner Langzeitwirkung ein Aspekt, der sich in klingender Münze auszahlen wird.


Natürlich wird der Knall der Sektkorken irgendwann verhallt sein. Das ist normal so und angemessen, denn nach der Messe ist vor der Messe. Mit Blick auf Januar 2013 gilt es, weiter an der internationalen Positionierung zu feilen, um die Marke LivingKitchen voranzubringen. Eine Messe vom Anspruch der LivingKitchen wird dauerhaft an der internationalen Struktur der Besucher wachsen oder scheitern. Sie wird auf jeden Fall daran gemessen. Wer glaubt, sich auf den Lorbeeren der erfolgreichen Premiere ausruhen zu können, dem droht ein böses Erwachen. Der globale Messewettbewerb ist aktueller denn je. Allerdings haben sich einige Koordinaten im Januar zugunsten von Köln verschoben.


Die kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit der ersten Ausgabe der ­LivingKitchen ist nötig und hilfreich. Doch lassen wir uns damit zur Abwechslung einige Wochen Zeit. Auch wenn das so richtig undeutsch wirkt. Feiern wir und klopfen wir uns einige Male anerkennend auf die Schultern: Ob Messegesellschaft, Verbände, Möbelhersteller, Marketinggemeinschaft A30, Geräteproduzenten, Spülenhersteller, Arbeitsplattenanbieter, Innenausstatter, Großhändler, Zubehörlieferanten oder Fachpresse. Alles hat seine Zeit. William Shakespeare würde einfach mal mitfeiern, meint


Dirk Biermann, Chefredakteur


PS: Nach mehreren Jahren im bewährten Layout haben wir unserer Fachzeitschrift ein neues optisches Gesicht spendiert. Moderner, zeitgemäßer und präsenter. Dabei haben wir das „der“ im Titel eingespart. Verlag und Redaktion wünschen Ihnen viel Freude mit dem neuen ­KÜCHENPLANER. Auf www.kuechenplaner-magazin.de finden Sie viele Fotos und Bewegtbilder von der LivingKitchen. Einfach mal reinklicken.

* Gemeint sind ausdrücklich auch die österreichischen und Schweizer Unternehmen, allein wegen der leichteren Lesbarkeit bleibt es an dieser Stelle bei der Reduzierung auf deutsche Küchenindustrie.

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